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So sah Marietta Slomka am Anfang ihrer „heute journal“-Karriere aus

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Studierte Volkswirtin, Journalistin und Preisträgerin: „heute journal“-Moderatorin Marietta Slomka gehört seit Jahren zu den prägenden Gesichtern in der deutschen Medienbranche. (Bild: ZDF / Klaus Weddig)

Studierte Volkswirtin, Journalistin und Preisträgerin: „heute journal“-Moderatorin Marietta Slomka gehört seit Jahren zu den prägenden Gesichtern in der deutschen Medienbranche. (Bild: ZDF / Klaus Weddig)

Eigentlich wollte sie den Posten gar nicht haben. Zu viel Publicity, fürchtete sie. Dennoch wurde Marietta Slomka 2001 die erste Frau, die das renommierte ZDF-Format moderierte. 25 Jahre später wagen wir einen Blick zurück.

Als ihr der Job der Moderatorin des „heute journals“ angeboten wurde, war sie „Anfang 30, wohnte in Prenzlauer Berg und bin fröhlich durch die Berliner Kneipen getobt“, erinnerte sich Marietta Slomka vor gut 13 Jahren in einem Interview mit „Zeit Campus“. Sie hätte gerne erst mal so weitergemacht. Als Expertin für Wirtschafts- und Finanzpolitik und als Moderatorin von „heute nacht“, eines Magazins mit deutlich weniger Strahlkraft als das „heute journal“.

Marietta Slomka begann vor 25 Jahren, das „heute journal“ zu moderieren. Jetz feiert sie Dienstjubiläum. (Bild: ZDF / Kerstin Bänsch)

Marietta Slomka begann vor 25 Jahren, das „heute journal“ zu moderieren. Jetz feiert sie Dienstjubiläum. (Bild: ZDF / Kerstin Bänsch)

„Ich hatte keine Lust darauf, berühmt zu sein und von Paparazzi verfolgt zu werden. Aber mein Chef hat nicht lockergelassen. Ein halbes Jahr später willigte ich ein.“ Der Rest ist Geschichte, möchte man sagen. Denn 25 Jahre später zählt die gebürtige Kölnerin zum besten, was der TV-Journalismus hierzulande zu bieten hat. Zahlreiche Ehrungen, vom Adolf-Grimme-Preis über die Goldene Kamera bis zum Deutschen Fernsehpreis sprechen eine deutliche Sprache.

Dabei überzeugt die studierte Volkswirtin nicht nur mit ihrer Wirtschafts-Expertise, sondern vor allem mit ihrem Fragestil bei Interviews. „Geslomkat“ werden ist längst ein geflügeltes Wort, nicht nur unter Politikerinnen und Politikern. Heißt so viel wie „So richtig in die Mangel genommen werden“.

„Lassen Sie uns den Quatsch beenden“: Als Sigmar Gabriel die Hutschnur platzte

Mit ihrem Moderations-Kollegen Claus Kleber wechselte sich Marietta Slomka lange Jahre beim „heute journal“ ab. (Bild: ZDF / Uwe Düttmann)

Mit ihrem Moderations-Kollegen Claus Kleber wechselte sich Marietta Slomka lange Jahre beim „heute journal“ ab. (Bild: ZDF / Uwe Düttmann)

Die meisten Politiker würden das verstehen und können damit umgehen, meint Slomka. Dennoch eskaliert das eine oder andere Gespräch. Etwa im Jahr 2013, als sie den damaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel interviewte. „Er sagte 'Lassen Sie uns den Quatsch beenden' und warf mir vor, dass ich besonders hart zu SPD-Politikern wäre“, erinnert sie sich in einem aktuellen Interview mit „Hörzu“. Was nachweislich nicht stimmt. Erst im Juli 2025 musste sich CDU-Umweltminister Carsten Schneider angesichts der Klimapolitik der Koalition anhören: „Also, eigentlich haben Sie es verbaselt. Um es mal umgangssprachlich zu sagen.“

„Immer noch so eine Art Lagerfeuer-Sendung“: Marietta Slomka im „heute journal“ des ZDF. (Bild: ZDF / Klaus Weddig)

„Immer noch so eine Art Lagerfeuer-Sendung“: Marietta Slomka im „heute journal“ des ZDF. (Bild: ZDF / Klaus Weddig)

Slomkas Maxime bei Interviews lautet: „Es ist meine Aufgabe, die Zuschauer und die Wahlbevölkerung zu vertreten. Das bedeutet auch, Fragen zu stellen, die vielleicht nicht so angenehm sind.“ Eine Hartnäckigkeit, die sie sich nicht zuletzt während ihres Studiums der Volkswirtschaftslehre angeeignet hatte. Dort, genauer gesagt an der Uni Köln, zahlte Marietta Slomka erst mal Lehrgeld, wie sie in „Zeit Campus“ gesteht. „Ich weiß noch, wie ich nach der ersten Mathe-Vorlesung heulend nach Hause gelaufen bin.“

Sie wollte an der Uni lernen, „wie man die Welt verbessert, die Unterschiede zwischen Armen und Reichen verkleinert und eine gerechtere Gesellschaft schafft - stattdessen musste ich Vektoren verschieben und Kurven betrachten.“ Statt aufzugeben, biss sie sich durch. „Man darf sich nicht blenden lassen und muss nachhaken - auch wenn man glaubt, man sei der Einzige, der nichts kapiert.“

Laut Slomka ist das „heute journal“ noch immer eine Art Lagerfeuer-Sendung

Mariette Slomka gewann 2018 den Deutschen Fernsehpreis. (Bild: Andreas Rentz/Getty Images)

Mariette Slomka gewann 2018 den Deutschen Fernsehpreis. (Bild: Andreas Rentz/Getty Images)

Dass ihr Job im Zeitalter von Social Media und „alternativen Fakten“ nicht leichter geworden ist, lässt Slomka im Interview mit „HÖRZU“ durchblicken. Die Möglichkeiten, Pressefreiheit zu beschränken, seien mittlerweile vielfältig. Vor allem die Aggressivität im Diskurs mache ihr Sorgen. „Dass wir inzwischen für unsere normalen Landesstudioreporter Security brauchen, wenn sie zu Veranstaltung im politisch rechten Milieu gehen - das habe ich mir vor zehn Jahren nicht träumen lassen in unserem Land.“

Auch die Konfrontation mit gefühlten Wahrheiten sei für seriöse Medienschaffende eine Herausforderung. „Wir sollten nicht über jedes Stöckchen springen, das man uns hinhält“, betont Marietta Slomka. „Wir können natürlich darüber diskutieren, wie viel Klimaschutz wir brauchen. Aber wir können nicht darüber diskutieren, ob es den Klimawandel überhaupt gibt oder ob die Erde nicht vielleicht doch eine Scheibe ist.“

Umso wichtiger sei in Zeiten wie diesen ein Format wie das „heute journal“. Dieses sei „immer noch so eine Art Lagerfeuer-Sendung“, so Slomka. „Also in dem Sinne, dass bei unserem Magazin sehr viele und sehr unterschiedliche Bereiche der Bevölkerung zuschauen - quer durch alle Bildungs- und auch Altersschichten.“ Die 56-Jährige will auch künftig ihren Teil dazu beitragen, dass das so bleibt.

Am Donnerstag, 29. Januar, feiert Marietta Slomka ihr 25. Dienstjubiläum als Moderatorin des „heute journals“. (tsch)