Das transatlantische Vertrauen steht auf dem Prüfstand. Bei „Markus Lanz“ berichtete Journalist Holger Stark, dass der Bundesnachrichtendienst in der Vergangenheit Gespräche an Bord der „Air Force One“ abgehört habe. Eine Enthüllung, die selbst Moderator Markus Lanz überraschte.
„Wussten Sie das?“Markus Lanz kann BND-Enthüllung kaum glauben

Journalist Holger Stark verriet bei „Markus Lanz“, dass der BND einst Barack Obama in der „Air Force One“ abgehört hat. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)
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Die Spannungen zwischen den USA und Europa nehmen weiter zu. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos ließ US-Präsident Donald Trump erneut aufhorchen: Er bekräftigte seinen umstrittenen Anspruch auf Grönland - ein Schritt, der auf massive Kritik aus Europa stößt. Für Markus Lanz war das am Donnerstagabend Anlass genug, um in seiner ZDF-Sendung über die strategisch bedeutende Arktisinsel und Trumps Konfrontationskurs zu diskutieren.
Schon zu Beginn machte Journalistin Sabine Adler deutlich, wie sehr sich die politische Tonlage unter Trump verändert habe: „Diese Agenda, die jeden einzelnen Tag gesetzt wird (...) mit einer immer neuen Unverschämtheit (...), das ist echt atemberaubend.“ Auch „Zeit“-Vize Holger Stark warnte vor einer tiefgreifenden Veränderung in der amerikanischen Gesellschaft: „Das Land möchte jemanden wie Donald Trump an seiner Spitze haben. Es möchte auch diese Gemeinheiten gegen die liberalen Eliten sehen und spüren.“

Im Gespräch mit SPD-Politiker Wolfgang Schmidt wollte Markus Lanz wissen, ob er wusste, dass Barack Obama einst vom BND abgehört wurde. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)
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CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen erklärte Trumps Haltung gegenüber Europa derweil mit einem grundlegenden Misstrauen, da „die Europäer jahrzehntelang auf Kosten der Amerikaner ihre Sicherheit finanziert haben“ und „nie genug zurückgegeben haben“. Trump sehe Europa daher „vor allem als Rivalen zu den USA“ und sei sich bewusst, „dass er ziemlich weit gehen kann mit den Europäern“.
Auch SPD-Politiker und Ex-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt zeigte sich überzeugt, dass Trump wenig Verständnis für die Europäische Union habe. Lanz widersprach: „Ich habe das Gefühl, er versteht das ganz genau! Er versteht das zu gut für meinen Geschmack.“ Schmidt erklärte jedoch: „Dass wir freiwillig Macht an so eine komische supernationale Institution abgeben, das ist etwas, was er (...) nicht versteht - im Sinne von: 'Warum tut ihr das?'“
Sabine Adler: Trumps Grönland-Forderung ist für Russland „eine wahnsinnig schlechte Nachricht“
Warum aber ist die Arktis plötzlich so umkämpft? Pleitgen verwies auf die langfristige Strategie Moskaus: „Die Russen militarisieren die Arktis schon lange. (...) Für Russland ist das ein total strategisch wichtiger Ort.“ Auch für die USA sei die Region laut Pleitgen sicherheitspolitisch bedeutend. Sabine Adler ergänzte, dass genau dies Putin „beunruhigen“ könnte. Trumps Grönland-Pläne seien demnach für Russland „eine wahnsinnig schlechte Nachricht“, da die Arktis ein zentraler Sicherheitsfaktor für die russische Wirtschaft sei.

Journalistin Sabine Adler erläuterte, warum Trumps Grönland-Forderung für Wladimir Putin „eine wahnsinnig schlechte Nachricht“ ist. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)
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Lanz zeigte sich gerade deshalb überrascht über das Schweigen aus dem Kreml. Die Vermutung von Sabine Adler? „Putin braucht Trump für sein richtig großes Ziel - nämlich die Ukraine endlich einzukassieren.“ Dieses Denken in Hemisphären sei gleichzeitig etwas, an dem Donald Trump Gefallen finden könnte „und für das er eben auch seine Verbündeten möglicherweise sausen lässt“.
Im weiteren Verlauf der Sendung ging es auch um das Wirken des Bundesnachrichtendienstes. Lanz fragte ungläubig: „Der BND hat Barack Obama abgehört?!“ Journalist Holger Stark bestätigte: „Ja, immer dann, wenn er konnte. Und er konnte nicht in Washington. Er konnte aber dann, wenn Barack Obama an Bord der 'Air Force One' (...) gewesen ist und von dort aus Gespräche geführt hat. Da hatten die Amerikaner Schwierigkeiten, die zu verschlüsseln.“ Lanz reagierte überrascht und fragte in Richtung Wolfgang Schmidt: „Wussten Sie das?“ Der Ex-Kanzleramtschef wiegelte sofort ab: „Nein!“
Lanz hakte nach: „Das 'Nein' kam jetzt so schnell!“ Schmidt entgegnete: „Ja, weil es wirklich wahr ist.“ Der ZDF-Moderator wollte dennoch wissen: „Würden Sie es sagen, wenn es anders wäre?“ Der SPD-Politiker antwortete mit einem Lächeln: „Ja, natürlich.“ Stark betonte in diesem Zusammenhang, dass auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht über das Vorgehen des BND informiert gewesen sei. „Der BND wusste ziemlich genau, dass er sich da außerhalb des Erlaubten bewegt“, so der Journalist.
Wolfgang Schmidt: „Jeder in der Politik weiß oder vermutet oder freut sich, dass andere mithören“
Dies brachte Lanz schließlich zur nächsten Frage in Bezug auf den amerikanischen Geheimdienst: „Muss man davon ausgehen, dass die Friedrich Merz und Olaf Scholz auch abgehört haben?“ Stark antwortete: „Ja!“ Wolfgang Schmidt ergänzte: „Jeder in der Politik weiß oder vermutet oder freut sich, dass andere mithören.“ Doch wie ist der aktuelle Stand?
Lanz fragte: „Müssen wir davon ausgehen, dass der BND weiterhin auch die 'Air Force One' abhört?“ Holger Stark blieb vage: „Das hat das Kanzleramt (...) vor ein paar Jahren (...) untersagt. Ich bin nicht sicher, ob dieser Erlass immer noch gilt. Aber ich glaube, der BND traut sich das nicht mehr.“ Der ZDF-Moderator wollte es jedoch genau wissen: „Technisch wär's drin?“ Stark bejahte: „Technisch ginge das noch. Und ehrlich gesagt: Ich wüsste ganz gerne, was Trump an Bord der 'Air Force One' so sagt.“ Lanz stimmte zu: „Da würde es auch mehr Sinn machen vielleicht als bei Obama.“ Mit einem Augenzwinkern fügte er in Bezug auf die technischen Möglichkeiten hinzu: „Wir haben noch was drauf! Es geht noch was in diesem Land!“ (tsch)
