Das ZDF hat im Streit mit der Deutschen Bahn mit einer neuen Doku Öl ins Feuer gegossen. In dem „frontal“-Beitrag „Das Deutsche-Bahn-Desaster“ geht es um Bonuszahlungen für den Vorstand des Konzerns - und das, obwohl diese an die Pünktlichkeit gekoppelt sein sollen.
ZDF legt im DB-Zoff nachNeue Doku prangert üppige Vorstandsboni trotz Unpünktlichkeit an

Die Chefin der Deutschen Bahn Evelyn Palla hat in der ZDF-Doku über die Bonuszahlungen für den Vorstand gesprochen. (Bild: ZDF/Kay Nietfeld)
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Der Streit zwischen dem ZDF und der Deutschen Bahn geht in die nächste Runde - mit einer neuen Doku des Senders. Gerade erst hatte sich die Deutsche Bahn gegen die kürzlich erschienene „Am Puls“-Verfilmung „Unsere Bahn: geliebt, verflucht - gefährlich?“ des ZDF mit Dunja Hayali gewehrt. Jetzt hat die „frontal“-Reihe der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt mit der neuen Doku „Das Deutsche-Bahn-Desaster“ nachgelegt.
In dem Film von Anne Höhn, Markus Reichert, Michael Strompen und Frank Vieltorf geht es - neben scharfer Kritik von Expertinnen und Experten an der unzureichenden Digitalisierung der Deutschen Bahn sowie zahlreicher entnervter Stimmen von Reisenden - auch um das Gehalt des Bahnvorstandes. Knapp drei Millionen Euro soll dieser 2025 insgesamt an Bonuszahlungen laut der ZDF-Doku erhalten haben - zusätzlich zum Grundgehalt.
Dabei ist das Gehalt des Bahnvorstandes den Recherchen des „frontal“-Teams nach an die Pünktlichkeit gekoppelt. Mit einer Quote von 59 Prozent war diese im Fernverkehr im ersten Halbjahr 2026 allerdings mehr als ausbaufähig. Wie können die Verdienste also so hoch sein?
„Das ist ja das Perfide am Deutschen-Bahn-Konzern“

Frontal“-Reporter Markus Reichert fuhr mit der Bahn von Rothenburg/Wümme nach Rimini - und erlebte das gefürchtete Bahn-Chaos. (Bild: ZDF / Alexander Seidenstücker)
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Das „frontal“-Team bekommt Details zu den Boni-Regeln zugeschickt. „Um die zu bekommen, muss sich die Bahn praktisch kaum verbessern“, heißt es in der Doku. Schon bei einer Pünktlichkeitsquote von 65 Prozent im Fernverkehr sollen Bonuszahlungen winken. „Das hat System. (...) Niedrige Ziele setzen und diese dann auch noch bei der Zielerreichung bei den Tantiemen weiter unterbieten, ist mittlerweile systemisch“, sagt Claus Weselsky, ehemaliger Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer.
Auch bei einer Kundenzufriedenheit ab der Schulnote 2,6 sollen volle Boni fließen - exakt die Note, welche die Bahn von externen Prüfern erhalten hat. Claus Weselsky spricht in der Doku Klartext: „Es wird immer an dem System gefeilt zu ihren Gunsten. Wenn es nach unsereins ginge, wenn es nach den Mitarbeitern im direkten Bereich ginge, dann würden die überhaupt keine Tantiemen bekommen, solange sie eine Schlecht-Leistung haben. Das ist ja das Perfide am Deutschen-Bahn-Konzern.“
Auf einer Pressekonferenz äußert sich Deutsche-Bahn-Chefin Evelyn Palla auf Nachfrage des ZDF zu den Bonuszahlungen, die sie aber nicht als „Boni“, sondern als „variablen Gehaltsbestandteil“ bezeichnen möchte. „Da geht es selbstverständlich auch um die Pünktlichkeit, es geht aber auch um andere Kriterien, die erreicht werden. In Summe ist ein positiver Wert für die variable Vergütung herausgekommen am Jahresende“, rechtfertigt sie die Auszahlungen 2025, die „in den allermeisten Fällen auch nicht zu 100 Prozent ausgezahlt wurden“, wie sie weiter sagt.
Professor Rainer Bergmann, Ökonom an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, meint: „Die Hürden für die Boni sind zu niedrig.“ Und weiter: „Diese variable Vergütung sollte sich natürlich an den Zielen des Eigentümers orientieren und nicht an den Zielen des Vorstandes.“
Deutsche Bahn geht rechtlich gegen das ZDF vor
Die Deutsche Bahn geht aktuell noch immer juristisch gegen das ZDF vor. Die „Am Puls“-Doku „Unsere Bahn: geliebt, verflucht - gefährlich?“ mit Dunja Hayali, in der unter anderem der schlechte Zustand des deutschen Bahnverkehrs aufgezeigt wird, sei unvollständig und einseitig, so der Vorwurf des Konzerns. Der Sender wies die Anschuldigungen zurück, hat inzwischen zwei Korrekturen vorgenommen. Doch die Deutsche Bahn will den Beitrag vollständig aus der Mediathek entfernt sehen, wie Medien übereinstimmend berichten.
Am Dienstagabend, 4. August, ist die „Am Puls“-Doku nach wie vor in der ZDF-Mediathek zu sehen. Und jetzt auch der neue Beitrag der „frontal“-Reihe, der unter dem Titel „Das Deutsche-Bahn-Desaster“ um 21 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird. (tsch)