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„Organisierte Verantwortungslosigkeit“Bahnchefin rügt eigenes Management – Harte Kritik von Weselsky

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ARCHIV - 08.07.2026, Berlin: Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, bei einer Pressekonferenz. (zu dpa: «Bahnchefin rügt Leistungsmängel im Management») Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

ARCHIV - 08.07.2026, Berlin: Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, bei einer Pressekonferenz. (zu dpa: «Bahnchefin rügt Leistungsmängel im Management») Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bahnchefin Evelyn Palla kritisiert die bisherige Leistungskultur als unzureichend. Ex-Gewerkschafter Weselsky findet noch klarere Worte. 

Bahnchefin Evelyn Palla hat die mangelnde Leistungsbereitschaft von Führungskräften in ihrem Unternehmen angeprangert. „Die Leistungskultur der Vergangenheit war für die Performance der Bahn nicht ausreichend, das wollen wir ändern“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn der „Welt am Sonntag“. Kurz zuvor hatte der ehemalige Gewerkschaftschef Claus Weselsky harte Worte in Richtung Bahn-Management geschickt und damit für Aufruhr gesorgt.

Palla erklärte, es sei mehr Energie zum Erklären der Probleme verwendet worden als zu deren Lösung. „Das war am Ende so etwas wie organisierte Verantwortungslosigkeit. Das muss der Vergangenheit angehören.“ Sie hatte nach ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr mit einem Konzernumbau begonnen, der unter anderem eine Verschlankung der Zentrale und eine Verlagerung von Verantwortung in die Fläche vorsieht.

„Wir haben viele Ebenen in der Verwaltung gestrichen. Aber das allein macht noch keine bessere Bahn. Verändern wird sich erst etwas, wenn sich das Management verändert, wenn Verantwortung in den dezentralen Einheiten auch wahrgenommen und gelebt wird“, fügte sie hinzu. „Leistung beginnt ganz oben – zuerst bei mir selbst. Dann beim Konzernvorstand. Wir sind die erste Ebene, die das verkörpern und vorleben muss“, stellte die Bahnchefin heraus.

Pünktlichkeit bei 59 Prozent – Palla: „Kein guter Wert“

Im ersten Halbjahr waren lediglich 58,7 Prozent der Fernzüge der Bahn pünktlich unterwegs. „Das ist kein guter Wert. Da müssen wir auch nichts beschönigen“, sagte Palla in dem Gespräch. Allerdings hätten in drei Viertel der Fälle die Verspätungen unter 15 Minuten gelegen. „Auch wenn wir insgesamt noch nicht zufrieden sind, dürfen wir die Deutsche Bahn nicht immer schlechter reden, als sie ist“, meinte Palla.

Ein Fernzug geht bei der Deutschen Bahn ab einer Verzögerung von sechs Minuten in die Verspätungsstatistik ein. Zugausfälle hingegen werden in der betrieblichen Pünktlichkeit – sie misst, wie viele Züge in einem bestimmten Zeitraum pünktlich am Ziel ankamen – nicht berücksichtigt. Für das laufende Jahr hatte Palla ein Pünktlichkeitsziel von mindestens 60 Prozent ausgegeben. Bisher fährt die Bahn diesem Ziel hinterher.

Palla würde dem eigenen Unternehmen deshalb bei der Zuverlässigkeit die Schulnote 4 minus, insgesamt aber eine 3 geben. „Wir werden oft nur an der Pünktlichkeit im Fernverkehr gemessen, das ist aber nur das halbe Bild“, sagte sie.

Weselsky: Fehlentscheidungen von Führungskräften

Wenige Tage zuvor hatte Claus Weselsky, ehemaliger Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), in einem ZDF-Podcast ebenfalls Kritik am Management der Bahn geübt und dabei harsche Formulierungen verwendet. Anlass des Gesprächs war der Amtsantritt von Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) als Nachfolger von Patrick Schnieder.

Im Gespräch mit Helene Reiner und „heute journal“-Moderator Christian Sievers erklärte Weselsky: „Wir dürfen an der Stelle nie vergessen, dass es maßgebliche Kräfte im Konzern gibt, die den Zustand so behalten wollen, wie er in der Vergangenheit war. Nämlich schlechte Eisenbahn in Deutschland, aber guter Finanzkreislauf innerhalb des Konzerns mit weltweiten Aktivitäten.“ Er habe das immer so zusammengefasst: „Diese Vorstände der Deutschen Bahn können alles außer Eisenbahn“.

Es habe eine Fehlsteuerung in den vergangenen Jahrzehnten gegeben: So habe sich der Konzern im Ausland an unterschiedlichsten Unternehmen beteiligt, dabei aber die Infrastruktur in Deutschland vernachlässigt. Man habe „Tausende von Führungskräften“, die alle irgendwo ein „schönes kleines Projekt“ hätten, die Steuerung der Eisenbahn sei aber entglitten. Durch „Erbsenzählerei“ und „Rationalisierungsmaßnahmen“ sei das System nachhaltig beschädigt worden.

Die Reformen bei der Bahn gehen Weselsky, der über Jahre in Tarifgesprächen als harter Verhandler gegenüber der Bahn-Führungsspitze galt, nicht schnell genug. Sievers und Weselsky stellen im Podcast fest, dass es für viele Bürgerinnen und Bürger schon lange nicht mehr um die Frage der Pünktlichkeit geht, sondern die Probleme bei der Bahn werden als Versagen des Staates wahrgenommen. Viele hätten resigniert. (cme, mit dpa)