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Görings RaubkunstVon Nazis geraubtes Gemälde taucht in Anzeige auf – und verschwindet wieder

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Adolf Hitler und Hermann Göring stehen vor einem Gemälde.

Adolf Hitler (links) und Hermann Göring (2. v. l.) hatten eine besondere Vorliebe für kostbare Kunstwerke. Szene aus der Doku „The Rape of Europa“. (Symbolbild)

Rätsel um ein verschollenes Barock-Gemälde: Nach seiner überraschenden Entdeckung fehlt von ihm jede Spur.

Das lange verschollene Gemälde „Portrait of a Lady (Contessa Colleoni)“ des italienischen Barockmalers Giuseppe Vittore Ghislandi, auch bekannt als Fra’ Galgario, ist in Argentinien aufgetaucht. Das berichtete die niederländische Tageszeitung „Algemeen Dagblad“ (AD) am Montag (25. August 2025). Das Werk gehörte ursprünglich dem jüdischen Kunsthändler Jacques Goudstikker, dessen Sammlung 1940 nach seiner Flucht von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurde.

„Portrait of a Lady“: Verschollenes Barock-Gemälde aus Goudstikker-Sammlung

Zahlreiche Stücke gingen in den Besitz von Hermann Göring über, darunter auch das nun wiederentdeckte Porträt. Wie „AD“ weiter berichtet, entdeckten Journalisten das Gemälde zufällig auf einem Foto, das in einem Immobilienportal für eine Villa in Mar del Plata veröffentlicht worden war. Über einem Sofa im Wohnzimmer war das Bild klar zu erkennen, nachdem es jahrzehntelang als verschollen gegolten hatte.

Nach der Veröffentlichung der Fotos reagierten die Behörden schnell. Laut der Nachrichtenagentur AP durchsuchte die Polizei das Anwesen in Mar del Plata wenige Tage später. Bei der Razzia fehlte das Original jedoch bereits, sodass nur weitere Objekte wie Drucke und Waffen sichergestellt wurden. Ermittler gehen davon aus, dass das Bild nach der Berichterstattung aus dem Haus entfernt wurde.

Polizei-Razzia in Mar del Plata ohne Erfolg

Hinweise deuten darauf hin, dass Görings Vertrauter Friedrich Kadgien das Gemälde nach dem Krieg nach Argentinien brachte. Die Ermittlungen befassen sich jetzt mit möglichen Delikten wie Hehlerei oder Schmuggel sowie mit der Rückgabe an die Nachkommen von Jacques Goudstikker. 

„Das Gemälde ist ein zentrales Symbol der geplünderten Sammlung meines Großvaters“, erklärte ein Nachfahre Goudstikkers laut „The Guardian“. Internationale Kunstexperten sehen im Fall eine der bedeutendsten Wiederentdeckungen von NS-Raubkunst der vergangenen Jahre – sollte das Werk nach seinem plötzlichen Verschwinden erneut auftauchen.

Der italienische Barockmaler Giuseppe Vittore Ghislandi (1655–1743) spezialisierte sich auf Porträts mit realistischer Darstellung und psychologischer Tiefe. Werke von ihm sind heute in der Accademia Carrara in Bergamo und in der Pinacoteca di Brera in Mailand zu sehen. Auch das Museo Poldi Pezzoli in Mailand und die National Gallery of Art in Washington besitzen bedeutende Arbeiten. Ghislandi gilt als einer der wichtigsten Porträtisten Norditaliens im frühen 18. Jahrhundert.