Köln – Nach den heftigen Unwettern vom Donnerstag hat sich die Lage in der Nacht in NRW wieder weitgehend beruhigt. Nur in Ostwestfalen gab es noch viel Regen. Laut Deutschem Wetterdienst fielen in Gütersloh und Paderborn mehr als 40 Liter pro Quadratmeter. In Bielefeld liefen durch die Wassermassen vier Unterführungen unter dem Ostwestfalendamm voll. Der Bahnverkehrs war am Freitagmorgen noch auf einigen Strecken gestört. Mehrere vom Starkregen überspülte Strecken seien gesperrt, teilte die Deutsche Bahn am Freitag mit. Bei Rheine wurden auch Oberleitungen beschädigt. Davon seien Verbindungen Richtung Münster bis in den Vormittag hinein betroffen. Die S-Bahn zwischen Dortmund nach Solingen verkehrte unregelmäßig. Auf der Strecke von Köln nach Koblenz standen Gleise vom Regen unter Wasser. Auch bei Gummersbach hatten die Unwetter Schäden auf den Bahnstrecken angerichtet. Vielerorts mussten die Reisenden am Freitag Verspätungen in Kauf nehmen.
Am Donnerstag hatten Gewitter und Sturmböen über NRW gewütet und Chaos hinterlassen. In Dülmen im Münsterland war ein 80 Jahre alter Mann in seinem überfluteten Keller ums Leben gekommen. Die Feuerwehren waren hundertfach im Einsatz. In Köln befreiten Rettungskräfte einen Mann aus einer vollgelaufenen Tiefgarage. In Bielefeld fuhren sich sieben Autos in den Wassermassen fest, wie ein Polizeisprecher sagte. Einer Autofahrerin flüchtete auf das Dach ihres Wagens. Von dort rettete sie die Feuerwehr mit einem Schlauchboot. Die Frau blieb unverletzt. Eine der Unterführungen war auch am Freitagmorgen noch gesperrt.Überall im Land waren die Feuerwehren in der Nacht noch damit beschäftigt, die Schäden der Unwetter vom Tag zuvor zu beseitigen, Keller leerzupumpen und umgestürzte Bäume fortzuräumen. Mehrere Bahnstrecken hatte der Starkregen überspült. Der Verkehr war dadurch gestört, teilte die Deutsche Bahn am Freitag mit. Bei Königswinter standen Gleise unter Wasser. Bei Rheine waren auch Oberleitungen beschädigt worden.
Insgesamt hatte sich die Wetterlage bis Freitag wieder normalisiert. „Die erwarteten Orkanböen blieben aus“, sagte Meteorologin Cornelia Urban vom Deutschen Wetterdienst der dpa. Nur in der Eifel wurde in der Nacht eine Böe mit rund 100 Stundenkilometern gemessen. Auch im Sauerland pfiff der Wind teils heftig. „Die Kaltfront ist inzwischen nach Nordosten abgezogen. Es bleibt aber unbeständig“, kündigte Urban an.
Auch andere Bundesländer schwer betroffen
Wegen des heftigen Unwetters am Donnerstagabend hat bei der Berliner Feuerwehr stundenlang der Ausnahmezustand geherrscht. Etwa 1000 Feuerwehrleute waren in der Nacht zum Freitag im Dauereinsatz, wie ein Feuerwehrsprecher am Morgen mitteilte. In Berlin-Zehlendorf rammte eine S-Bahn einen umgestürzten Baum und entgleiste. Die rund 250 Passagiere kamen mit dem Schrecken davon. In Karow ging das Dach eines Hauses in Flammen auf. Vermutlich sei ein Blitz eingeschlagen, sagte der Sprecher weiter. Daneben gab es etwa 270 kleinere Einsätze: Die Feuerwehr musste vollgelaufene Keller auspumpen und umgestürzte Bäume wegschaffen. Die Höhe des Schadens stand noch nicht fest.
Im niederbayerischen Kollnburg wurde ein Quadfahrer vermutlich von einem herumfliegenden Ast getroffen und schwer am Kopf verletzt, teilte die Polizei mit. In Südhessen verletzte ein umstürzender Baum einen Autofahrer schwer. Durch starken Wind und schweren Regen wurden zudem sechs Menschen in Hessen leicht verletzt. In Lindenfels evakuierte die Feuerwehr ein Jugendlager, 27 Menschen wurden in einem Freizeithaus untergebracht.
Auch im baden-württembergischen Karlsruhe fielen mehrere Bäume auf Autos, dabei wurden zwei Menschen leicht verletzt. Glück hatte dagegen eine Autofahrerin in Plankstadt, deren Wagen beim Fahren von einem Kindertrampolin getroffen wurde. Sie blieb unverletzt. Der Sturm hatte das Trampolin über eine Mauer gehoben.
Quer durch Deutschland berichteten Feuerwehr und Polizei von vollgelaufenen Kellern, abgerissenen Stromleitungen und umgestürzten Bäumen und Bauzäunen. Größere Stromausfälle gab es ersten Angaben zufolge keine.Auch am Freitagmorgen könne es noch vereinzelt Gewitter geben, dann sei allerdings Schluss. Im Westen werde es am Freitag deutlich kühler, östlich der Elbe sei noch mit Temperaturen über 25 Grad zu rechnen. (dpa)
