Warum fasziniert das Grauen und der Blick in menschliche Abgründe so viele? Ein Gespräch mit dem Ex-Profiler Carsten Schütte und dem Facharzt für Psychiatrie Thorsten Süße über Serienmörder und die Grenzen von „True Crime".
Mörder, Gewaltverbrecher und SerientäterDie Faszination des Grauens

Meister der Täuschung: Die Serienmörder Jack Unterweger, Peter Kürten und Fritz Haarmann (v.l.)
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Ein Mörder begeistert als „Knastpoet“ die Prominenz der deutschsprachigen Kulturszene so sehr, dass diese sich für seine Freilassung einsetzt. Jack Unterweger galt als Musterbeispiel einer gelungenen Resozialisierung. Bekannte Autoren wie Günter Grass und Elfriede Jelinek engagierten sich für ihn und hatten damit Erfolg. Unterweger kam frei und wurde zum Serienkiller. Die Geschichte des Frauenmörders aus den 1990er Jahren, der offensichtlich ein Meister der Täuschung war, fasziniert bis heute. Das Schauspiel Köln hat im Frühjahr ein Stück über ihn auf die Bühne gebracht. Und natürlich hat der Schwerverbrecher auch in der aktuellen, nicht unumstrittenen Ausstellung „Serienkiller“ seinen Platz, die noch bis zum 25. Oktober in Ehrenfeld zu sehen ist.
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Das „True-Crime“-Genre boomt. Auch die Podcastreihe des „Kölner Stadt-Anzeiger“ über wahre Verbrechen aus Köln und der Region findet mit jeder neuen Episode Zehntausende Hörerinnen und Hörer. Warum fasziniert das Grauen und der Blick in menschliche Abgründe so viele? Welche Grenzen sollten „True Crime“-Formate nicht überschreiten? In der aktuellen Folge von „True Crime Köln“ spricht Helmut Frangenberg mit den „Crime Coaches“ Carsten Schütte und Thorsten Süße. Als Polizist und Fallanalytiker kann Schütte auf eine jahrzehntelange Erfahrung zurückblicken, Süße hat als Facharzt für Psychiatrie Gutachten für Gerichtsverfahren erstellt. Nun kann man die „Crime Coaches“ unter anderem auf Kreuzfahrtschiffen live erleben. Sie begleiten die Kölner „Serienkiller“-Ausstellung als Referenten und schreiben Kriminalromane. Die Experten werben für einen „verantwortungsvollen Umgang mit Kriminalität“, auch wenn es um Unterhaltungsformate geht. Doch was bedeutet das in der Praxis?
Carsten Schütte, der unter anderem Leiter der Operativen Fallanalyse im Landeskriminalamt Niedersachsen war, und Thorsten Süße berichten von prominenten Tätern wie Unterweger, Fritz Haarmann und Peter Kürten. Sie sprechen von der schwierigen Polizeiarbeit und den psychischen Belastungen, denen sich Ermittler bei schlimmen Verbrechen ausgesetzt sehen. Es gebe Bilder, die man nie aus dem Kopf bekomme, sagt Schütte im Interview. Um einen Ausgleich zu haben, hat er eine Zeit lang am Wochenende als Hochzeitsfotograf gearbeitet. Beide Experten haben viel über das Schreiben ihrer Romane verarbeitet.
Die neue Folge von „True Crime Köln“ kann man über die Homepage des „Kölner Stadt-Anzeiger“, Youtube oder über alle bekannten Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast, Podimo, Amazon Music oder RTL+ hören.
