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Neue Folge von True Crime KölnDie Entführung des Bäckermeisters Ecks

Ein angesehener Bäckermeister soll zur Erpressung von Lösegeld entführt werden, doch der Plan scheitert - und wird mit unbarmherziger Brutalität bestraft.

Von
Hogenberg, Franz, Enthauptung des Hieronymus Michaelis, August 1587, Kupferstich & koloriert, rba_mf214735.

Eine Hinrichtung als Attraktion für die Massen: Ein Kupferstich von Franz Hogenberg zeigt eine Enthauptung auf Melaten

Die Einladung zum Feierabendbier in einer Kneipe war eine Falle: Arglos folgte der Kölner Bäckermeister dem fremden Mann in die Machabäerstraße im Kunibertsviertel. Dort wurde er niedergeschlagen, gefesselt und mit einer Karre in ein Versteck gebracht. In einem feuchten Keller hatten die Entführer für ihn einen Käfig aus Weidenästen gebaut. Sie wollten von seiner Ehefrau ein hohes Lösegeld erpressen. Doch der Plan ging nicht auf. Gerichtsdiener – damals gab es noch keine Polizei – konnten das Versteck ausfindig machen und den Bäcker befreien. Ein Tuchhändler, dem das Haus gehörte, und sein Gehilfe, der das Opfer als Lockvogel angesprochen hatte, wurden festgenommen.

Drahtzieher des Verbechens konnte fliehen

Die neue Folge der Podcastreihe des „Kölner Stadt-Anzeiger“, „True Crime Köln“, widmet sich einem besonderen Kölner Kriminalfall. Schon 1588 sorgte er für viel Aufsehen: Im Gegensatz zum Kölner Umland, wo man jederzeit mit Überfällen durch Räuberbanden rechnen musste, galt das Leben innerhalb der Stadtmauern als sicher. Folglich sorgte der Entführungsfall eines angesehenen Handwerkers nicht nur für einen Schock. Er veranlasste die Verantwortlichen in der Stadt auch dazu, eine extrem harte Strafe zu verhängen. Obwohl niemand gestorben oder verletzt worden war und die beiden Männer gar nicht die Drahtzieher des Verbrechens waren, wurden sie zum Tode verurteilt und vor der öffentlichen Vollstreckung des Urteils gefoltert. Tausende sollen dabei zugeschaut haben. Die Hinrichtung war ein Massenspektakel. Der Mann, der die Entführung im Oktober 1588 geplant hatte, wurde nie gefasst. Er war rechtzeitig geflohen.

Wie die Gerichtsdiener den Keller fanden, ist unklar. Möglicherweise hat ein Mitwisser den entscheidenden Tipp gegeben, vermutet der ehemalige Kölner Richter Norbert Klein im Gespräch mit „True Crime Köln“. Die Entführung des Bäckermeisters ist ein Kapitel aus Kleins Buch „Morde, Esel, KVB“, eine Sammlung von Geschichten aus Köln. Der Fall und die Bestrafung der Täter zeige eindrucksvoll, wie sich die Vorstellung Recht und Gerechtigkeit in einer Gesellschaft immer wieder verändern. Die Gesetzgebung sei immer ein Spiegelbild Moralvorstellungen der herrschenden Klasse, so Klein. Die wohlhabenden Bürger der Stadt hätten um ihr Vermögen gefürchtet, ein Entführungsversuch sei ein Angriff auf Reichtum und Besitz gewesen. „Menschenleben zählten damals nicht viel, Geld aber sehr wohl.“ Nach einem Totschlag hätte sich der Täter damals wohl mit einer Abfindung an die Witwe von der Strafe freikaufen können.

Öffentliche Hinrichtung ohne Abschreckungseffekt

Das Rechtssystem entwickele sich immer weiter und bleibe abhängig von den Moralvorstellungen der jeweiligen Zeit. Das gilt auch für das Strafmaß und die Art der Vollstreckung von Strafen. Der Plan der US-Regierung, Anfang Dezember einen Attentäter öffentlich von einem Erschießungskommando hinrichten zu lassen, hat für viel Kritik gesorgt. Die Exekution eines Amokläufers sollte als Live-Stream im Internet übertragen werden. Mancher sprach von einem Rückfall ins Mittelalter. Damals wie heute verbindet sich mit dieser Art von Bestrafung die Vorstellung, andere von ähnlichen Taten abschrecken zu können.

Über die Hinrichtung der beiden Entführer des Bäckermeisters auf dem Kölner „Rabenstein“ wurde mit einem Holzschnitt und einem langen Reimgedicht berichtet, um die Bestrafung als Warnung im Gedächtnis der Bewohner der Stadt zu halten. Tatsächlich haben drakonische Strafen wohl nie zum Rückgang von Schwerstkriminalität geführt.

True CRime

Alles zwei Wochen erscheint eine neue Folge von "True Crime Köln".

Die neue Folge von „True Crime Köln“ kann man über alle bekannten  Streaming-Portale hören, die Podcasts anbieten, sowie über die Homepage des Kölner Stadt-Anzeiger im Netz.

www.ksta.de/true-crime-koeln