Zwei Tage lang nahmen sich die Gangster Zeit, um den Tresorraum der Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer zu plündern. 230 Polizisten ermitteln jetzt in dem Fall. Die Beamten hoffen, dass die Suche nach einem Helfer aus dem Umfeld des Geldinstituts zur heißen Spur wird.
Bankeinbruch in GelsenkirchenReul: „Kaltschnäuzigkeit der Täter kannten wir bis dato nur aus dem Kino“

Herbert Reul (CDU), Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, spricht nach einer Sondersitzung des Innenausschusses des nordrhein-westfälischen Landtags vor der Presse.
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Rund 230 Polizeibeamte sind derzeit mit der Aufklärung des spektakulären Bankeinbruchs in Gelsenkirchen befasst. Das sagte NRW-Innenminister Herbert Reul im Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags. Der Coup habe mit einem gewöhnlichen Einbruch nichts zu tun, erklärte der CDU-Politiker: „Das war eher etwas, das wir bis dato aus dem Kino kannten – und zwar in Bezug auf die Professionalität und auch die Kaltschnäuzigkeit der Täter.“
Reul schilderte detailliert, dass die Einsatzkräfte am 27. Dezember in den frühen Morgenstunden wegen eines Feueralarms zu der Sparkasse gerufen worden waren. Ein Brand, der aus dem Tresorraum gemeldet worden war, war allerdings nicht festzustellen. Die Feuerwehr habe die Meldung als Fehlalarm eingestuft. Man habe durch ein Rollgitter einen Blick in den Tresorraum geworfen, aber nichts Verdächtiges festgestellt.
Zwei Tage später ging bei der Feuerwehr um 3.58 Uhr erneut ein automatischer Notruf aus der Filiale ein. Erneut rückten Löschzüge aus. Auch diesmal gab es keinen Brand. Dafür stießen die Feuerwehrleute auf ein Chaos im Tresorraum. Die Einbrecher hatten 3100 Schließfächer geknackt. Gegenstände, die sie nicht mitgenommen hatten, lagen im gesamten Raum verteilt. „Wir reden da schätzungsweise von über 500.000 Gegenständen“, sagte Reul.
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Zurück blieben dem Vernehmen nach vor allem Ausweispapiere, Uhren und Schmuckstücke. Die Diebe wussten offenbar genau, in welchen Schließfächern sich hohe Bargeldbeträge und Gold befanden. Der Verdacht liegt nahe, dass ein Insider den Tätern Tipps gegeben hat.
Dafür spricht auch, dass kein Einbruchalarm ausgelöst wurde. Um in den Tresorraum zu kommen, mussten sie mehrere Hürden überwinden. Zunächst musste in der Tiefgarage ein Tor geöffnet werden, das einen Bereich abtrennt, in dem nur Sparkassen-Mitarbeiter parken dürfen. Von dort gelangten sie durch eine Brandschutztür, die nur von innen geöffnet werden kann, ins Treppenhaus. Schließlich bauten sie einen Kernbohrer in einem Nebenraum des Tresorraums auf, mit dem sie ein 40 Zentimeter großes Loch bohrten. „Die Beute transportierten sie mutmaßlich in die Tiefgarage und flohen daraufhin mit Fahrzeugen vom Tatort“, so Reul.
Die Nachricht von dem Einbruch hatte bei den Kunden in Gelsenkirchen-Buer Wut und Entsetzen ausgelöst. Viele hatten hohe Bargeldbeträge in den Schließfächern hinterlegt, möglicherweise zum Teil auch Schwarzgeld. Schätzungen zufolge sollen die Täter bis zu 100 Millionen Euro erbeutet haben. Die Frage, ob Clans oder die organisierte Kriminalität den Coup durchgeführt haben, ließ Reul offen. „Klein-Fritzchen war hier jedenfalls nicht am Werk“, sagte Reul.
Die Mitarbeiter der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) „Bohrer“ untersuchen jetzt alle Gegenstände, die im Tresorraum zurückgelassen wurden, auf DNA-Spuren. Zudem werden sämtliche Videoaufnahmen aus der Umgebung der Sparkasse ausgewertet. „Die Polizei Gelsenkirchen spricht hier von etwa acht Terabyte und über 10.000 Stunden Videomaterial, das gesichert wurde“, sagte der Innenminister.
Möglicherweise kann die Suche nach dem Insider, der sich in der Sparkasse auskannte, die Ermittler auf die Spur der Täter bringen. Befragt werden aber nicht nur aktuelle und ehemalige Mitarbeiter des Geldinstituts, auch die Angestellten einer privaten Sicherheitsfirma, die für die Sparkassen tätig ist, werden unter die Lupe genommen.
Unklar ist zudem, wieso die lauten Bohrarbeiten unbemerkt bleiben konnten und die Vibrationen keinen Alarm auslösten. Die Sparkassen seien nun aufgefordert, ihre Sicherheitskonzepte zu überarbeiten, sagte Reul. Die Gegenstände in den Schließfächern sind in der Regel nur bis zu einer Höhe von 10.300 Euro versichert.
Christina Kampmann, Innenexpertin der SPD, erklärte, der geschilderte Tatablauf wirke „wie ein Hollywood-reifer Coup à la Ocean’s 11“. Umso dringlicher stelle sich die Frage, wie ein derart aufwendiger und offenbar über einen längeren Zeitraum vorbereiteter Einbruch unbemerkt bleiben konnte. „NRW darf nicht der Ort sein, an dem hochprofessionell organisierte Täter ungestört Millionen-Coups vorbereiten und durchführen können“, erklärte Kampmann. Der Innenminister schulde den Betroffenen und der Öffentlichkeit eine transparente Kommunikation – bislang seien viele zentrale Fragen weiterhin unbeantwortet geblieben.
