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Kommentar zu Laschet und SöderDer Machtkampf in Krisenzeiten muss aufhören

3 min
Laschet und Söder

Bei der Krisenbewältigung nicht auf einer Linie: Armin Laschet und Markus Söder

Köln – Deutschland stemmt sich gegen das Coronavirus, wie fast alle Staaten der Weltgemeinschaft. Es gibt zu Recht Appelle von der Bundeskanzlerin, von Virologen und natürlich von den Ministerpräsidenten. Seit einigen Tagen jedoch scheint es in der Coronakrise auch noch um die Frage zu gehen, wer für die Union der bessere Kanzlerkandidat ist. Dabei liegt die Entscheidung eigentlich auf Eis. Der für Ende April geplante CDU-Parteitag ist abgesagt. Laschets Konkurrenten, Friedrich Merz und Norbert Röttgen, haben sich gezwungenermaßen in Corona-Quarantäne oder in selbst auferlegte politische Zurückhaltung begeben.

Söder gibt den obersten Virenbekämpfer

Doch dann trumpfte Söder auf. Der bayrische Ministerpräsident gibt Deutschlands obersten Virenbekämpfer, so, als wollte er als „Corona-Kanzler“ Angela Merkel den Rang ablaufen. In der Bevölkerung entstand der Eindruck: Bayern ist vorne, die restlichen Länder hecheln hinterher. Söder ist der Macher – und Laschet als Chef des größten und am stärksten betroffenen Bundeslands der Zauderer.

Das große Rätsel lautet: Was treibt Söder? Geht es ihm wirklich nur um die Sache – oder doch auch um die Kanzlerkandidatur? Seit Beginn des Jahres hatte Söder mehrfach betont, er sehe seinen Platz nicht in Berlin, sondern in Bayern. In der Coronakrise jedoch hat er mit seinen Alleingängen Laschet mehrfach diskreditiert.

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Man muss Söder zugutehalten, dass sein Bundesland an Österreich grenzt und dem Katastrophenland Italien am nächsten liegt. Mehr als alle anderen Ministerpräsidenten hat Söder das Schreckensszenario im Süden vor Augen. Dennoch waren die überdeutlich gezeigten Zweifel an Laschets Krisenmanagement auch eine Infragestellung von dessen Führungsstärke.

Dabei ist längst nicht ausgemacht, dass Söders Ansatz erfolgreicher ist als Laschets. Dessen Votum für ein „Kontaktverbot“ könnte sich durchaus als besser, weil für die Menschen griffiger erweisen als Söders Ausgangssperren-Rhetorik, die in der Sache kaum etwas anderes ist als das, was Merkel und Laschet am Ende durchsetzten.

Der Kampf der Streithähne muss aufhören

Was auch immer Söder antreibt: Laschet tut gut daran, sich herausgefordert zu fühlen. Kann der Mann, der für das Abwägen und Moderieren, fürs Miteinander und Mitnehmen in der Politik steht, wirklich Kanzler? Eine erste Antwort hat Laschet gegeben: Er hat es geschafft, bei der großen Mehrheit der Länder für eine einheitliche Linie in der Corona-Bekämpfung zu sorgen. Dies wäre eigentlich die Aufgabe des Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz gewesen. Der aber heißt im Augenblick: Markus Söder.

Ärgerlich genug, dass die Bekämpfung der Coronakrise begonnen hat, in einen Machtkampf auszuarten. Die große Einschränkung der Freiheitsrechte ist der Bevölkerung nur zu vermitteln, wenn alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen. Der Kampf der Streithähne muss aufhören, und zwar sofort.