Kommentar zum Brandbrief der BischöfeLieber Mutmacher als Angsthasen

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Woelki und Marx

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (l.), und der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki

Köln – Immer, wenn es hart auf hart kommt in der katholischen Kirche, behaupten die Hardliner, die Frage nach der Macht verfehle das Wesen von Kirche. Soziologie als Schimpfwort, so hätten es Kardinal Rainer Woelki und seine sechs Mitstreiter gern, die jetzt in Rom um Hilfe rufen.

Das Vorgehen hat wenig mit Theologie zu tun

Wie die sieben hier mit einem Brandbrief gegen ihre Mitbrüder und ohne deren Wissen vorgegangen sind, das hat in Wahrheit wenig mit Theologie zu tun und noch weniger mit Seelsorge.

Vom Stil ganz zu schweigen.

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Das Konkurrenz-Verhältnis zwischen Woelki und Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz, wächst sich zum offenen Machtkampf aus: Der Vatikan soll entscheiden, wer recht – und in der deutschen Kirche das Sagen hat.

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Das ist die eine Dimension des aktuellen Konflikts. Die zweite ist ein zunehmend erbittertes Ringen um den Kurs der katholischen Kirche.

Man wird weit in der Geschichte zurückgehen müssen, um einen Fall zu finden, in dem Bischöfe gegeneinander so schweres Geschütz aufgefahren haben: Amtsanmaßung, Irrlehre, Kirchenspaltung – diese Kampfbegriffe stehen zwar nicht wörtlich, aber doch der Sache nach im Brief.

Der Siebenergruppe um Woelki geht es im wahrsten Sinn des Wortes ums große Ganze. Jede Öffnung in pastoralen Fragen – wie hier die Zulassung evangelischer Christen zur Kommunion in der katholischen Messe – gilt ihnen als Aufweichung der kirchlichen Lehre und Verwischung katholischer Konturen.

Ein Unsicherheitsfaktor für Prinzipienreiter

Aus der Vogelperspektive wird klar, dass alle die Besorgnisse einen Namen haben: Franziskus.

Ein Papst, der es sich zum Prinzip gemacht hat, als Seelsorger nichts „aus Prinzip“ zu tun, ist für Prinzipienreiter der Unsicherheitsfaktor schlechthin.

Doch unter dem Profilbild von Bischöfen, einem Kardinal gar, der zum päpstlichen Kernteam gehört, sollte nicht Angsthase stehen, sondern Mutmacher. Und das hätte dann mit Soziologie mindestens so viel zu tun wie mit Theologie.

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