Trump bleibt Merz gewogen. Aber der Verzicht des Kanzlers auf Konfrontation bedeutet auch Verlust von Respekt.
Trump-SchmeicheleiMerz muss sich den Vorwurf des Kuschelkurses gefallen lassen


Donald Trump (r.) gibt sich beim Empfang von Friedrich Merz am Dienstag (3. März) kumpelhaft.
Copyright: dpa
Donald Trump bricht nicht nur das Völkerrecht und beschädigt die westliche Wertebasis. Er wirft auch wahre Gastfreundschaft über Bord und etabliert in seinem kitschig-goldfarben aufgemotzten Oval Office ein unwürdiges Format der Kommunikation. Ausländischen Regierungschefs gesteht er kaum mehr als eine Statisten-Rolle zu, Journalisten verwehrt er eine geordnete Pressekonferenz und lässt sie wie eine brüllende Meute auftreten. Wer nicht schreit, wird nicht gehört. Der US-Präsident hält Hof und antwortet nach Gutdünken. Oder gar nicht. Oder er beschimpft Pressevertreter, manchmal auch seinen Gast. Alles vor laufenden Kameras.
So war sein Auftritt mit Friedrich Merz am Dienstag im Weißen Haus, wenig überraschend, vor allem dies: eine Show. Und für den Bundeskanzler ein Showdown, eine enorme Kraftanstrengung. In seinem Bemühen, auch im sicherheitspolitischen Sinne Deutschlands und Europas irgendwie einen Draht zu dem nach Großmacht strebenden und jetzt auch Krieg führenden Präsidenten aufrechtzuerhalten, vermied er bewusst jede Konfrontation. Auch wenn er anderer Meinung war.
Der Lohn: Trump bleibt ihm gewogen und lobt ihn als „erfolgreich“ und „beliebt“. Der Preis: Merz muss sich den Vorwurf des Kuschelkurses mit dem angehenden Autokraten gefallen lassen.
Alles zum Thema Nahostkonflikt
- „Mitten im Krieg“ Kölnerin steckt wegen Iran-Konflikt in Katar fest
- Spritpreise Diesel springt am Morgen über die 2-Euro-Marke
- Steigende Ölpreise Dieselpreis springt am Morgen über die 2-Euro-Marke
- Folge des Iran-Kriegs Energiepreise: Jetzt noch günstigen Gasvertrag sichern?
- Fragezeichen in Melbourne Formel 1 startet in neue Ära – WM-Jagd auf Norris beginnt
- Krieg in Nahost Israel kündigt Tötung auch von Chameneis Nachfolger an
- Trump-Schmeichelei Merz muss sich den Vorwurf des Kuschelkurses gefallen lassen
Trumps Eigenlob ist abstoßend
Es war nicht anders zu erwarten, als dass bei dieser „Live-Sendung“ die Anliegen des deutschen Gastes kaum zur Sprache kamen und sich fast alles um den Iran-Krieg drehen wird. Es ist abstoßend, wie machtbesoffen Trump sich für die Bomben auf Teheran feiert. Auch deswegen: Weil eingetreten ist, was zu befürchten war – eine Eskalation der Lage im Nahen Osten.
Der Iran attackiert die US-Verbündeten unter den Nachbarstaaten, die Hisbollah schießt erstmals seit eineinhalb Jahren wieder aus dem Libanon und Israel feuert zurück, der iranische Freund und Militärriese China warnt die USA vor einem Weiter-so, Kremlchef Wladimir Putin bekommt moralisches Futter für seinen Krieg gegen die Ukraine, Zivilisten sterben. Sollte sich bestätigen, dass die US-israelischen Attacken eine Mädchenschule getroffen haben, werden sich die Angreifer Untersuchungen eines möglichen Kriegsverbrechens stellen müssen.
Da geraten Signale zum weiteren Umgang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, zu Trumps aggressiver Zollpolitik und zum Rivalen China, woher Merz gerade kommt und Trump im April fahren will, sträflich in den Hintergrund.
Und als wäre das dramatische Versagen des Westens in Afghanistan allen Ernstes schon vergessen, sieht auch noch alles danach aus, dass der US-Präsident keinen Plan hat, wie es nach der Tötung eines Teils der Führung in Teheran weitergehen soll. Regime-Change im Iran ist aber sein erklärtes Ziel. Es dürfte nicht lange dauern und Trump wird Solidarität von Nato-Partnern einfordern.
Trump könnte im Nahen Osten die Welt angezündet haben
Deutschland steckt all seine finanzielle und militärische Energie in die Verteidigung der Ukraine gegen Russland – auf dass sie diesen Krieg überleben möge, Russland auf Abstand bleibt und Freiheitsrechte und Demokratie in Europa geschützt werden. Aber es ist zu befürchten, dass Trump im Nahen Osten die Welt angezündet hat.
Sollte der britische Militärstützpunkt auf Zypern und dieses EU-Mitglied weiter Ziel von iranischen oder anderen Militärschlägen werden, dürften Schutzklauseln der Europäischen Union und der Nato aufgerufen werden. Dann kann Deutschland noch so viel Hilfe für einen späteren etwaigen demokratischen Prozess im Iran anbieten – entziehen könnte sich die Bundesregierung dieser Dimension wohl kaum.
Und nicht zu übersehen: Anders als CDU-Chef Merz spricht die SPD beim Iran-Krieg klar von Völkerrechtsbruch. Eine Belastung der Koalition ist Trumps Vorgehen jetzt schon.

