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ÜberblickNach Drohnenvorfall – wie steht es um die Sicherheit an deutschen Flughäfen?

6 min
Einsatzkräfte laufen über eine Wiese, davor steht ein Hinweisschild „Flughafen“.

Einsatzkräfte der Polizei durchsuchen das Gelände abseits der Landebahn Nord auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle. 

Eine Drohne am Leipziger Flughafen wurde erfolgreich unschädlich gemacht, verstärkt jedoch Sicherheitsbedenken an deutschen Flughäfen.

Der Drohnenvorfall in Leipzig hat die Bundesrepublik wachgerüttelt. Auch an NRW-Flughäfen gab es schon Probleme mit Drohnen, wenn auch nicht in diesem Ausmaß - der Einsatz von Sprengstoff ist neu. Der Umgang mit Drohnen an Airports ist kompliziert, weil die Technik relativ neu und die Zuständigkeiten oft unklar definiert sind.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) äußerte sich am Mittwochabend optimistisch: Zwar sei die mit Sprengstoff beladene Drohne, die am Leipziger Flughafen entdeckt wurde, wohl gezielt darauf ausgelegt gewesen, Drohnenabwehrtechnik zu umgehen. Trotzdem sei sie identifiziert und unschädlich gemacht worden. Die Mechanismen hätten „erkennbar funktioniert“.

Der „Mechanismus“ umfasste in diesem Fall jedoch keinen ausgeklügelten technischen Apparat. Vielmehr hatte ein Busfahrer die Drohne zufällig gesehen und zu Boden gebracht. Wie ist es also bestellt um die Drohnenabwehr an deutschen Flughäfen, wie schätzen Behörden die Sicherheitslage ein und was ist der Stand der Ermittlungen nach dem Drohnenvorfall in Leipzig? Ein Überblick.

Wie ist der Ermittlungsstand?

Bei einer Unterrichtung der Obleute der Bundestagsausschüsse für Inneres und Verteidigung am Donnerstag hieß es, die Antonow-Frachtflugzeuge, in deren Nähe die Drohne entdeckt wurde, seien nicht beladen gewesen. Zuvor hatte es Informationen gegeben, eine der Maschinen habe militärische Munition geladen. Es handele sich im Übrigen um eine handelsübliche Drohne, die handwerklich professionell bearbeitet worden sei, hieß es in der Obleute-Unterrichtung. Sie sei über eine SIM-Karte gesteuert worden und deshalb schwer detektierbar gewesen.

Die Bundesregierung geht Teilnehmern der Sitzung zufolge davon aus, dass der Generalbundesanwalt den Fall an sich zieht und die Bundespolizei mit den Ermittlungen beauftragt. Die Drohne war nach Angaben aus Ermittlerkreisen mit dem Sprengstoff Semtex bestückt, der von Militärs, aber auch für industrielle Zwecke genutzt wird.

Untersucht wird auch ein zweiter Vorfall: Ein DHL-Frachtflieger, der wegen der Sperrung nicht in Leipzig landen konnte und Richtung Hannover abdrehte, war mit einem unbekannten Objekt kollidiert. Ein klassischer Vogelschlag gilt nach Betrachtung der Spuren am Flugzeug inzwischen als eher unwahrscheinlich, hieß es aus Ermittlerkreisen. Es dränge sich die Annahme auf, dass die Beschädigungen ebenfalls von einer Drohne verursacht wurden. Gesichert war dies zunächst aber nicht. Auf dem Gelände des Flughafens wurde nach möglichen Trümmerteilen gesucht.

Gibt es Hinweise, dass Russland dahintersteckt?

Die Art und Weise, wie der Anschlagsversuch durchgeführt wurde, spricht nach Einschätzung aus Nato-Kreisen für russische Akteure. Russland versuche gerade, in der Ukraine die Initiative zu übernehmen, weite seine Angriffe massiv aus und könne mit der Drohnenattacke versucht haben, ein wichtiges Drehkreuz der Ukraine zu stören oder vorübergehend auszuschalten. In dem Zusammenhang wird nun immer häufiger auf die jüngste Ankündigung Wladimir Putins verwiesen, Ziele im Hinterland der Ukraine zu treffen, was auch Nato-Staaten einschließe. Konkrete Erkenntnisse zu den Tätern und möglichen Hinterleuten und Auftraggebern gibt es bislang jedoch nicht.

Wer entdeckt Drohnen an Flughäfen?

Dazu heißt es von der Deutschen Flugsicherung (DFS): „Dokumentiert werden die uns bekannten Behinderungen von Luftfahrzeugen durch Drohnen oder Modellflugzeuge. Der größte Anteil wird von den Piloten während des Fluges mitgeteilt, viele Meldungen erreichen die DFS inzwischen auch von Bundes- und Landespolizei“, so ein DFS-Sprecher im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Melden Piloten uns eine Sichtung, geben wir diese Informationen schnellstmöglich an die zuständigen Polizeidienststellen zwecks Täterermittlung weiter“, so der Sprecher.

Wie viele Drohnen wurden bereits an Flughäfen gesichtet?

Insgesamt gab es laut DFS 2025 deutschlandweit 227 gemeldete Behinderungen – 169 davon im Großraum eines Flughafens. „Im laufenden Jahr 2026 liegen wir bislang (Stand Juni) bei 166 gemeldeten Behinderungen – von diesen 166 haben sich 149 im Großraum eines Flughafens ereignet“, berichtet der DFS-Sprecher.

Wie viele entfallen davon auf die NRW-Airports?

Im laufenden Jahr 2026 sind es zwei gemeldete Behinderungen in Münster/Osnabrück, fünf in Köln/Bonn und eine in Düsseldorf. Im Gesamtjahr 2025 waren es in Köln 15 gemeldete Behinderungen.

Wie oft kommen ukrainische Maschinen nach Köln/Bonn?

Köln ist zwar nach Frankfurt und Leipzig der drittwichtigste Frachtflughafen Deutschlands. Nach Angaben eines Flughafensprechers waren seit dem Februar 2022 lediglich drei ukrainische Antonovs in Köln/Bonn, solche Flüge sind also eine absolute Ausnahme.

Was sind die Folgen der Drohnen-Sichtungen?

Selten führen diese Behinderungen auch zu einer kurzfristigen Einstellung des Flugbetriebs. „Hier kommt es darauf an, wo die entsprechende Sichtung stattgefunden hat. Im unmittelbaren Flughafenbereich und entlang der An-/Abflugrouten kann dies dann zu einer kurzfristigen Betriebsunterbrechung führen“, so der Flugsicherungssprecher.

Auch wenn es eher selten vorkommt, ist dennoch jede Betriebsunterbrechung ärgerlich für die betroffenen Passagiere. Für die Airline ist sie mit zusätzlichen Kosten verbunden. „Für uns steht die sichere Abwicklung des Flugbetriebs jederzeit im Vordergrund, daher sind diese Fälle leider nicht zu vermeiden“, heißt es von der DFS.

Was sagt der Vorfall in Leipzig über die Sicherheitslage in Deutschland aus?

Die Sicherheitslage im Land hat sich laut Bundesinnenminister Dobrindt verschärft. „Die Gefahrenlage ist nicht mehr abstrakt, sie ist hoch“, sagte er nach einem Treffen mit Vertretern von Sicherheitsbehörden in Leipzig. Eine Sprecherin führt das aus. „Bei den Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder besteht ein erhöhtes Hinweisaufkommen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Die Bandbreite reiche von Auskundschaftung, Ausspähung und Sabotage von Objekten der kritischen Infrastruktur über Cyberangriffe bis hin zur Planung physischer Gewaltanwendung gegen Repräsentanten von Wirtschaft und der Gesellschaft. Generell werden laut Bundesregierung seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine deutlich mehr illegale Drohnen über kritischen Infrastrukturen in Deutschland gesichtet.

Wer ist für die Drohnenabwehr in NRW zuständig?

„Die Bundespolizei trifft in Nordrhein-Westfalen, im Rahmen ihrer originären Zuständigkeit auf dem Gelände der beiden Verkehrsflughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn die erforderlichen Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren für die Sicherheit des Luftverkehrs“, erläutert ein Sprecher der Bundespolizei in St. Augustin. Dies schließe die zunehmende Gefährdung des zivilen Luftverkehrs durch unberechtigt in geschützten Bereichen fliegende Drohnen ein.

Wer darf Drohnen abschießen?

Die Landespolizeien tragen die Hauptzuständigkeit für die Gefahrenabwehr im zivilen Raum. Fliegt eine Drohne illegal über Wohngebiete, Veranstaltungen oder Industriegelände, greift die jeweilige Polizei des Landes ein. Die Bundespolizei verfügt seit Ende 2025 über eine spezialisierte Drohnenabwehreinheit. Sie ist in ihren eigenen gesetzlichen Bereichen zuständig, insbesondere im Luftraum direkt über großen Verkehrsflughäfen, Bahnhöfen oder Liegenschaften des Bundes wie etwa dem Kanzleramt.

Diese Einheit sei „an mehreren Standorten in der Bundesrepublik stationiert“ und werde bei Bedarf „mobil an Einsatzorten eingesetzt“. Genauere Angaben könnten „aus einsatztaktischen Gründen“ nicht gemacht werden, erklärte das BMI. Durch eine im Frühjahr 2026 beschlossene Reform des Luftsicherheitsgesetzes darf die Bundeswehr nun auf Anforderung der Bundespolizei Drohnen auch im zivilen Raum gezielt abschießen. Über Kasernen oder Truppenübungsplätzen darf die Bundeswehr es eigenständig.

Wie kann man Drohnen aus der Luft holen?

Aktuell gibt es drei Verfahren. Beim Softkill blockieren elektronische Störsender die Funk- und GPS-Signale der Drohne. Sie sinkt meist automatisch zu Boden oder fliegt zum Startpunkt zurück. Das ist vor allem für Hobby-Drohnen geeignet. Eine andere Methode ist das physische Einfangen der fremden Drohne in der Luft mithilfe von Netzen, die vom Boden oder von behördlichen „Jäger-Drohnen“ abgefeuert werden. Die letzte Lösung ist die gezielte physische Zerstörung (Abschuss) oder das Rammen der Drohne in der Luft.

Wie ist die Drohnenabwehr an deutschen Flughäfen aufgestellt?

Das ist sehr unterschiedlich: In Frankfurt ist seit 2025 ein Drohnendetektionssystem installiert, mit dem die Bundespolizei mit elektronischen Mitteln nach unerlaubten Flugobjekten Ausschau hält. Insgesamt acht Flughäfen in Deutschland sollen bis Ende 2026 mit entsprechenden Systemen ausgestattet sein, darunter auch Köln/Bonn und Düsseldorf. Das Bundesinnenministerium teilte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Redaktionsnetzwerk Deutschland) dazu mit: „Im Juni konnte gemäß der Planung die Ausschreibung für den Flughafen München abgeschlossen werden.“ Für die anderen Flughäfen liefen die Vergabeverfahren noch. Der Luftverkehrsverband BDL erklärte, es seien bereits an mehreren Standorten Abwehrtechniken angeschafft worden.

Was fordert NRW-Innenminister Herbert Reul?

NRW-Innenminister Herbert Reul fordert eine schnelle Festlegung darauf, wer bei ähnlichen Fällen wann genau zuständig ist. „Wir können nicht mehr länger warten: Wir müssen klären, wer für die deutsche Luftsicherheit zuständig ist. Länderpolizeien, Bundespolizei, Luftverkehrsbehörden und Bundeswehr müssen wissen, wann wer eingreifen darf, kann und muss“, sagte Reul (CDU).