„Gefährlicher Moment rückt näher“Nordkorea droht USA mit einem nuklearen Präventivschlag

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Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, vor dem Test einer atomwaffenfähigen, ballistischen Interkontinentalrakete. (Archivbild)

Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, vor dem Test einer atomwaffenfähigen, ballistischen Interkontinentalrakete. (Archivbild)

Die USA würden strategische Nuklearwaffen verlegen und planten möglicherweise einen Atomschlag  „mit dem Ziel der physischen Beseitigung unseres Staates“, hieß es.

Die nordkoreanische staatliche Nachrichtenagentur KCNA hat am Freitag (20. Oktober) eine Mitteilung veröffentlicht, in der Nordkorea der USA mit einem Präventivschlag droht. „Die militärischen Provokationen der Vereinigten Staaten entwickeln sich zu einem immer gefährlicheren Stadium“, heißt es in dem Bericht.

Die Vereinigten Staaten hatten am Dienstag (17. Oktober) den strategischen Langstreckenbomber B-52 und Tarnkappenjäger nach Südkorea verlegt und am Donnerstag auf einem südkoreanischen Luftwaffenstützpunkt den nuklearwaffenfähigen Bomber B-52 vorgeführt. Der strategisch wichtige US-Bomber befindet sich in Cheongju, 112 Kilometer südöstlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Nordkorea bezichtigt USA der Provokation und droht mit Präventivschlag

Die US-Lufwaffe habe gemeinsam mit Südkorea eine Übung durchgeführt, dies werte Nordkorea als „heftige Provokationen am Himmel“, heißt es in dem Bericht. „Die hohen Tiere der US-Luftwaffe“ hätten sich „offen über einen Präventivschlag“ geäußert.

Darüber hinaus sei ab dem 22. Oktober eine kombinierte Luftübung der Vereinigten Staaten, Japans und Südkoreas, an der auch die strategischen US-Atombomber „B-52“ teilnehmen sollen, über der koreanischen Halbinsel geplant. „Dies ist die vorsätzliche Atomkriegsprovokation der Vereinigten Staaten, die innen- und außenpolitisch in die Enge getrieben wurden“, schlussfolgert die nordkoreanische Regierung um Machthaber Kim Jong Un in ihrem Bericht.

Nordkorea unterstellt USA, Atomkrieg in Gang setzen zu wollen

Nordkorea unterstellt der USA in der Folge, „den Mechanismus des Atomkriegs in Gang“ setzen zu wollen. Die Verlegung von strategischen Nuklearwaffen betrachte man als „ernsthaften militärischen Schritt eines nuklearen Präventivangriffs mit dem Ziel der physischen Beseitigung unseres Staates“.

Wegen der angeblichen Pläne der USA droht Nordkorea seinerseits mit einem Präventivschlag. Die USA hätten kein „Monopol“ auf einen Präventivschlag und sollten sich „darüber im Klaren sein“, dass der „gefährliche Moment […] umso näher rückt, je öfter sich ihre Fehleinschätzung wiederholt“. Unüberlegtes Handeln werde „von unwiederbringlichem Bedauern begleitet sein“.

Kim Jong Un: Neues Atomwaffen-Gesetz ermöglicht Präventivschlag

Das nordkoreanische Parlament hatte 2022 das Gesetz zum Umgang mit dem Atomarsenal des Landes verabschiedet, dass es Nordkorea den Einsatz von Atomwaffen erlaubt, wenn die Führung des Landes mit einem unmittelbar bevorstehenden Angriff konfrontiert sei oder eine nicht näher ausgeführt „katastrophale Krise“ verhindern wolle. Die Wortwahl ließ Befürchtungen aufkommen, dass die Regelung als gesetzliche Grundlage für einen präventiven Einsatz von Atomwaffen dienen soll, um das Ausland zu Zugeständnissen zu zwingen.

„Wir warnen davor, dass die nordkoreanische Regierung mit der überwältigenden Antwort des südkoreanisch-amerikanischen Militärbündnisses konfrontiert werden und den Weg der Selbstzerstörung einschlagen würde, sollte sie versuchen, Atomwaffen einzusetzen“, sagte Ministeriumssprecher Moon Hong Sik vor gut einem Jahr nach der Verabschiedung des Gesetzes.

Sergej Lawrow in Nordkorea: Russischer Außenminister kritisiert ebenfalls USA

Scharfe Kritik an den USA hatte bereits am Donnerstag auch der russische Außenminister Sergej Lawrow, der seit Mittwoch in Nordkorea zu Besuch ist, ausgesprochen. Die Militärpolitik der USA, Japans und Südkoreas sei „gefährlich“, so Lawrow vor einem Treffen mit Machthaber Kim Jong Un in Pjöngjang.

„Wie unsere nordkoreanischen Freunde sind wir ernsthaft besorgt über die Intensivierung der militärischen Aktivitäten der USA, Japans und Südkoreas in der Region und über die Politik Washingtons“, sagte Lawrow bei einer Pressekonferenz.

Der koreanische Staatschef Kim Jong Un und der russische Außenminister Sergej Lawrow begrüßen sich während eines Treffens in Pjöngjang am Donnerstag, 19. Oktober 2023.

Der koreanische Staatschef Kim Jong Un und der russische Außenminister Sergej Lawrow begrüßen sich während eines Treffens in Pjöngjang am Donnerstag, 19. Oktober 2023.

Die USA würden „strategische Infrastruktur einschließlich nuklearer Elemente“ in die Region bringen, fuhr der russische Außenminister fort, ohne nähere Angaben zu machen. „Wir lehnen diesen unkonstruktiven und gefährlichen Kurs ab“, fügte er hinzu.

Kim Jong Un besuchte Wladimir Putin in Moskau

Lawrows Besuch fällt in eine Phase der Annäherung zwischen Moskau und Nordkorea vor dem Hintergrund der russischen Offensive in der Ukraine. Die USA befürchten, dass Pjöngjang Moskau Waffen für die Kämpfe in der Ukraine zur Verfügung stellen könnte.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un im September bei einem hochrangigen Treffen im Fernen Osten Russlands empfangen. Der Kreml versicherte aber, dass bei der Gelegenheit kein Abkommen unterzeichnet worden sei.

Die beiden historischen Verbündeten Russland und Nordkorea sind beide mit massiven Sanktionen belegt – Moskau wegen seiner Offensive in der Ukraine, Pjöngjang wegen Atomwaffentests.

Nach Angaben der USA sind Waffenlieferungen zwischen Pjöngjang und Moskau bereits im Gange. Am Freitag erklärte Washington, dass Nordkorea in den vergangenen Wochen mehr als tausend Container mit militärischer Ausrüstung und Munition nach Russland geliefert habe. Moskau wies dies zurück und erklärt, dass Washington keine Beweise dafür habe, dass Waffen verschifft würden. (mit dpa)

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