Die Ausbeutung schier unendlicher Ölfelder, strenge Einwanderungspolitik, Waffenbesitz: Wie kaum ein anderer US-Bundesstaat galt Texas auch in der deutschen Wahrnehmung als Hochburg für Donald Trumps Republikaner und deren konservative Werte. Umso überraschender ist der Triumph der Demokraten bei den Midterms, die sich erstmals seit Jahrzehnten den Senatssitz sicherten und bei der Gouverneurswahl durchsetzten.
„Wir haben gerade Texas zurückerobert“, sagte der demokratische Senatskandidat James Talarico unter großem Jubel am späten Abend (Ortszeit). Die „Politik der Spaltung“ sei der „Politik der Liebe“ nicht gewachsen. Mit Blick auf Trump und Tech-Milliardär Elon Musk sagte der 37-Jährige, die Demokraten hätten gegen „den reichsten Mann der Welt, den mächtigsten Mann der Welt und das gesamte Establishment von Washington D.C.“ gewonnen.
James Talarico und Gina Hinojosa setzten sich in Texas durch
Bei der Gouverneurswahl setzte sich die 52-jährige Gina Hinojosa gegen den republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott durch – sie wird damit die erste Latina an der Spitze des südlichen Bundesstaats. Menschen mit Wurzeln in Lateinamerika machen knapp 41 Prozent der Bevölkerung in Texas aus.

Der Demokrat James Talarico wurde in Texas in den US-Senat gewählt.
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„Wir haben heute die Welt erschüttert“, sagte Hinojosa. „Wir haben gezeigt, dass alles möglich ist.“ Die Demokraten nahmen den Republikanern zudem weitere wichtige Ämter in der Bundesstaat-Politik ab. „Die blaue Welle erfasst Texas“, schrieb die Zeitung „Houston Chronicle“.
Hupkonzerte und Jubel in Austin
Ungewöhnliche Szenen spielten sich auch in texanischen Städten ab, vorrangig aber in der Hauptstadt Austin. Dort brach angesichts des Wahlergebnisses offener Jubel aus, Menschen tanzten auf den Straßen und lautes Hupen erfüllte die Stadt, kurz nachdem der demokratische Wahlsieg feststand.
Die Szenen verbreiteten sich schnell in den sozialen Netzwerken. „Austin, Texas, klingt wie eine osteuropäische Stadt, die gerade einen Diktator gestürzt hat“, kommentierte ein Nutzer auf der Plattform X zu einem Video aus der texanischen Hauptstadt – und bekam dafür bis zum Mittwochnachmittag mehr als 100.000 Likes.
Demokraten feiern Sieg in Texas: „Wir haben es zurückerobert“
Auch die Zeitung „Texas Tribune“ berichtete von Jubelszenen und Hupkonzerten in Austin. „Ich habe einfach das Gefühl, dass die Hoffnung zurückgekehrt ist“, zitierte die Zeitung eine demokratische Wählerin, die sich auf den Weg zum State Capitol in Austin gemacht hatte. „Wir haben es zurückerobert, es gehört uns.“
Seit 1994 war in Texas kein Demokrat mehr in ein landesweites Amt gewählt worden. Für einen Großteil der jüngeren Wählerschaft war es nun also das erste Mal, dass sie miterlebten, wie Demokraten Siege in dem republikanisch geprägten Bundesstaat errangen.
Republikaner in Texas erstaunt: „Kann ich einfach nicht fassen“
„Ich habe aus vollem Halse geschrien, um die Nachricht zu verbreiten: Wir haben gewonnen“, berichtete auch die 37-jährige Hilary Delham der „Texas Tribune“ – und verwies auf die Bedeutung des Wahlsieges für Frauen in Texas. „Es erfüllt mich mit großer Freude, zu wissen, dass Gina Hinojosa im Amt ist. Ich bin überzeugt, dass sie viele der Sorgen der texanischen Frauen angehen wird“, sagte Delham.
Auch Wähler der Republikaner äußerten sich gegenüber der US‑Zeitung – und zeigten sich erstaunt. „Mein ganzes Leben lang habe ich nur Republikaner unterstützt“, sagte etwa der 19-jährige Sean Dobbs. „Dass so etwas hier passiert, kann ich einfach nicht fassen. Es ist unglaublich.“ (mit dpa)

