Donald Trump verschiebt angedrohte Angriffe auf Kraftwerke im Iran. Teheran bestreitet aber, dass es Friedensgespräche gibt.
„Sehr gute“ Gespräche mit IranTrumps Schlingerkurs – Hört US-Präsident allein auf die Börse?

Trump erklärt vor dem Betreten der US-Regierungsmaschine Air Force One am Montag US-Journalisten seine Politik.
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Auch vier Wochen nach dem Beginn des Iran-Kriegs hat Donald Trump immer noch keine durchgängige Sprachregelung dazu gefunden, welches Ziel er genau verfolgt – aber erneut ließ sich im Weißen Haus ein Muster beobachten. Nachdem Donald Trump zum Ende der Vorwoche und am Wochenende die Stimmung angeheizt hatte, setzte er auch dieses Mal an einem Montag auf Entspannung.
In der Nacht zu Samstag polterte der US-Präsident mit vielen Großbuchstaben beim Online-Netzwerk Truth Social, dass die Vereinigten Staaten im Iran „verschiedene Kraftwerke treffen und vernichten“ würden, sollte das Land nicht „innerhalb von 48 Stunden vollständig und ohne Drohung die Straße von Hormus für alle Schiffe öffnen“. Ein solcher Schritt wäre eine erhebliche Eskalation der bisherigen Angriffe und schon die Verlagerung von Tausenden US-Militärs in die Region hatte Befürchtungen genährt, dass im Iran ein großer Einsatz von Soldaten am Boden wahrscheinlicher wird.
Am frühen Montagvormittag gab Trump dann aber Entwarnung. Kurz vor dem Beginn des US-Börsenhandels in New York schrieb er online, es gebe „sehr gute und produktive“ Gespräche auf dem Weg zu „einer kompletten und vollständigen Lösung für die Feindseligkeiten in Nahost“. Die USA würden deshalb die geplanten Angriffe auf iranische Kraftwerke fünf Tage lang aussetzen.
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Die Meldung hatte unmittelbare Folgen an den Märkten. Ölpreise sanken und Aktienkurse stiegen – der Iran aber bestritt Trumps Aussagen. „Es gab keine Verhandlungen mit den USA und Fakenews werden benutzt, um die Finanz- und Ölmärkte zu manipulieren und um sich aus dem Schlamassel zu befreien, in dem die USA und Israel gefangen sind“, schrieb Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf auf X. Analysten und Politikbeobachter in aller Welt müssen damit nun entscheiden, welcher der beiden Regierungen sie eher glauben.
Ein Muster wiederholt sich
Es war nicht das erste Mal, dass Trumps Ankündigungen mit Markern der Arbeits- und Finanzwoche zusammenfielen. Am 27. Februar gab er an einem Freitagnachmittag den Angriffsbefehl, kurz bevor die US-Börsen schlossen – die Attacken begannen in der US-Nacht zum Samstag. Am folgenden Montag verkündete er, allen Plänen und Zielen „weit voraus“ zu sein. Trump drohte online am folgenden Freitag martialisch, es werde „keinen Deal ohne bedingungslose Kapitulation“ der Iraner geben, bevor er am nächsten Montag in einem CBS-Interview beschwichtigte: „Ich denke, der Krieg ist sehr abgeschlossen.“
Am anschließenden Samstag, den 14. März, versuchte der US-Präsident, Länder wie China, Großbritannien und Japan zum Entsenden von Schiffen in die Straße von Hormus zu bewegen, um dort die Blockade von Öltankern zu beenden. Abgesehen vom Kriegspartner Israel lehnten andere Staaten geschlossen ab. Trump grummelte zwar, aber rückte in den Folgetagen auch diese Forderung eher in den Hintergrund. Nun folgten diese Woche am Samstag das Ultimatum zu den Kraftwerken im Iran und dessen Abkündigung am Montag.
Trumps Ankündigungen beeinflussen die Märkte massiv
Justin Wolfers, Volkswirtschaftsprofessor an der University of Michigan, bemerkte an den Börsen am Montag Parallelen zum Zollstreit. „Der Iran-Krieg ist in einem Punkt einem ähnlichen Muster wie der Handelskrieg gefolgt: Jedes Mal, wenn Trump seinen aggressiven Instinkten nachgegeben hat, dann sind die Märkte gefallen. Heute sehen wir das Gegenteil: Wenn er sich von seinen aggressiven Impulsen zurückzieht, dann steigen Märkte“, schrieb Wolfers auf Bluesky.
Auch ein weiteres Börsenmuster wiederholte sich am Montag: Einige Märkte, die über künftige Kurse und Ölpreise spekulieren, erlebten schon kurz vor sieben Uhr am Morgen unübliche Ausschläge, also einige Minuten bevor Trumps Meldung zur fünftägigen Verschiebung der Angriffe online ging. Der Sender CNBC legte den Verdacht nahe, dass im Hintergrund mit Insiderwissen zur nahenden Deeskalation Geld verdient wurde.
Lage im Iran weiter unklar
Trump hat sich bisher nicht zum Timing seiner Ankündigungen geäußert, es kann sich um Zufall handeln. Es ist aber aus vielen seiner Aussagen bekannt, dass er genau auf die Börsen blickt und steigende Kurse als Zeichen seines Erfolgs sieht. Auch in der Rede zur Lage der Nation Ende Februar hatte Trump über den (inzwischen wieder klar unterschrittenen) Rekordstand des Dow-Jones-Index gesprochen, immer wieder bezeichnet er hohe Renditen für die „401K“ genannten Rentenpläne in den USA als seinen Verdienst.
Ob es im Iran zu tatsächlichen Änderungen kommt, blieb auch am Montag unklar. Das Weiße Haus betonte, dass die Attacken auf Kraftwerke nur verschoben seien. Die USA und Kriegspartner Israel flogen zudem weiterhin Angriffe im Iran, ein Korrespondent des arabischen Senders Al-Dschasira meldete aus Teheran die aus seiner Sicht bisher schwersten Explosionen des Krieges. Damit wächst der Druck auf die iranische Regierung.
Aber auch in den USA glauben die meisten Kommentatoren, dass der unbeliebte Krieg mit seinen hohen Kosten von mehr als einer Milliarde Dollar pro Tag und den spürbaren Folgen an den Tankstellen Trumps Ansehen mit jedem Tag mehr schadet.


