Moskau greift weiter Wohnhäuser an und startet neue Verbalattacken auf Europa – erneut rückt Finnland in den Fokus des Kremls.
Kreml bleibt auf Kriegskurs„Finnland wird büßen“ – Moskau droht Helsinki und nimmt Europa ins Visier

Dmitri Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates und Vorsitzender der Partei „Einiges Russland“, besucht das Testgelände Kapustin Yar in der Region Astrachan. (Archivbild)
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Russland hat seinen aggressiven Kurs erneut bekräftigt. Während die russischen Streitkräfte nach ukrainischen Angaben am Freitag ein Wohngebiet in der Großstadt Charkiw mit Raketen angegriffen haben, drohte der Vize des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, dem russischen Nachbarland Finnland.
Bei dem Angriff auf Wohnhäuser in Charkiw seien zahlreiche Menschen verletzt worden, hieß es am Freitag aus der Ukraine. Nach vorläufigen Informationen hätten zwei Raketen ein Wohngebiet getroffen, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Medien.
Ukraine meldet russischen Angriff auf Wohnhäuser in Charkiw
Die genaue Zahl der Opfer sei noch unbekannt. Selenskyj warf Russland vor, trotz internationaler diplomatischer Bemühungen das Töten fortzusetzen. Die Angaben der Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig prüfen.
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Rettungskräfte löschen einen Brand nach einem russischen Raketenangriff in Charkiw.
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Während die russische Armee ihre Angriffe auf zivile Ziele in der Ukraine offenbar fortsetzt, verschärft Moskau auch gegenüber Finnland erneut den Ton. Nachdem der finnische Präsident Alexander Stubb in seiner Neujahrsansprache erklärt hatte, dass sich die Beziehungen zu Russland „für immer verändert“ hätten, reagierte Moskau mit deutlichen Worten.
Dmitri Medwedew droht: „Finnland wird büßen müssen“
„Ein gewisser Stubb behauptet, Finnlands Beziehungen zu Russland hätten sich für immer verändert. Dem stimme ich zu. Ich hoffe es auch“, schrieb Ex-Kremlchef Medwedew am Freitag auf der Plattform X. „Finnland wird für seine niederträchtige Russophobie büßen müssen“, drohte der Moskauer Scharfmacher schließlich, der seit Kriegsbeginn immer wieder mir schrillen Worten an die Öffentlichkeit tritt.
Zuvor hatte das russische Außenministerium in dieser Woche der finnischen Botschaft in Moskau bereits ein „Buch über die Geschichte der Russophobie“ übergeben, wie russische Staatsmedien berichteten. Außenminister Sergej Lawrow hatte derweil erneut Europa attackiert.
Sergej Lawrow spricht von „europäischen Russophoben“
Das „Hauptziel von Brüssel, Berlin, Paris und London“ sei es, die ukrainische Regierung an der Macht zu halten, behauptete Lawrow und bediente erneut das wahrheitswidrige russische Narrativ von einer „nationalsozialistischen Ideologie“, die es in Kyjiw gebe.
„Genau ein solches Gebilde brauchen die europäischen Russophoben neben Russland, um ihre angekündigten Pläne zur Vorbereitung einer neuen Aggression gegen unser Land zu verwirklichen“, hieß es weiter von Lawrow, der in den letzten Wochen immer wieder Europa ins Visier genommen hat.
Experten und Ukrainer rechnen nicht mit schnellem Kriegsende
Angesichts der jüngsten Wortmeldungen aus Moskau, das zuletzt die Bemühungen um einen Frieden in der Ukraine mit mutmaßlichen Falschangaben zu einem angeblichen Angriff auf eine Residenz von Kremlchef Wladimir Putin torpediert hat, rechnen Russland-Experten derweil nicht mit einem schnellen Kriegsende.
„Bislang gibt es aus Russland keine Anzeichen, dass der Kreml an ernsthaften Verhandlungen interessiert ist“, schrieb etwa der Historiker Matthäus Wehowski am Freitag auf der Plattform X. Der angebliche Angriff auf Putins Residenz diene ebenso wie die „üblichen Phrasen“ des russischen Außenministers über „Neonazis“ in der Ukraine als Vorwand für eine weitere Eskalation, erklärte der Russland-Experte.
„Leider droht der Krieg auch 2026 ungebremst weiterzugehen“
„Leider droht der russische Krieg auch 2026 ungebremst weiterzugehen“, führte Wehowski aus. „Der einzige nachhaltige Weg, den Krieg zu stoppen, wäre die Verschärfung der Wirtschaftskrise in Russland“, hieß es weiter. Nach einem Rüstungsboom herrsche in Russland mittlerweile Stagnation, so der Experte, auch die Inflation könne der Kreml „nur mit Mühe“ stoppen.
Mit einem schnellen Kriegsende sei dennoch nicht zu rechnen, erklärte Wehowski weiter. „Erst wenn Putin seine Soldaten, Raketen und Panzer nicht mehr bezahlen kann, könnte es einen Weg zu tatsächlichen Verhandlungen geben“, lautete das Fazit des Experten. „Davon sind wir leider weit entfernt.“
Nur 16 Prozent der Ukrainer glauben an schnelles Kriegsende
Auch die Ukrainerinnen und Ukrainer gehen nicht von einem kurzfristigen Ende der Kampfhandlungen aus, wie jüngste Umfragen zeigen. Laut einer Befragung des Kiev International Institute of Sociology erwarten lediglich 16 Prozent der Befragten ein Kriegsende in der ersten Hälfte des Jahres 2026. 29 Prozent der Ukrainerinnen und Ukrainer glauben demnach, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine erst 2027 ein Ende finden wird. 62 Prozent erklärten zudem, dass sie bereit sind, den Krieg „so lange wie nötig“ zu ertragen. (mit dpa)

