Ukrainische Drohnen schlagen offenbar erneut in Noworossijsk und Ust-Luga ein. Moskau schickt derweil eine „Warnung“ ins Baltikum.
Auch Fregatte offenbar getroffenUkraine attackiert wichtige Öl-Häfen – Moskau droht Baltikum

Ein Screenshot aus einem Video soll einen erneuten Angriff auf den russischen Öl-Hafen Ust-Luga zeigen.
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Die Ukraine hat erneut wichtige Erdölterminals in Russland mit Drohnen attackiert. Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Montag, ukrainische Drohnen hätten das Terminal des internationalen Caspian Pipeline Consortium (CPC) im Hafen der Stadt Noworossijsk angegriffen. Dabei seien die Pipeline an einer Anlegestelle sowie ein Terminal beschädigt worden. Vier Tanks für Erdölprodukte seien in Flammen aufgegangen, hieß es weiter.
Durch die CPC-Pipeline fließen rund ein Prozent der weltweiten Erdöllieferungen, über sie laufen 80 Prozent der kasachischen Exporte. Zu den Anteilseignern gehören die US-Erdölriesen Chevron und ExxonMobil.
Ukraine bestätigt Angriff auf Öl-Terminal in Noworossijsk
Die ukrainische Armee bestätigte am Montag, einen Terminal im Hafen von Noworossijsk angegriffen zu haben, ohne aber CPC zu nennen. „Es wurden direkte Einschläge auf das Ziel und ein großflächiges Feuer auf dem Gebiet des Terminals registriert“, erklärte die Armee bei Telegram.
Ukrainische Medien berichteten unterdessen, dass bei der Attacke auf Noworossijsk auch die russische Fregatte „Admiral Makarov“ getroffen worden sei. In sozialen Netzwerken kursierten entsprechende Videos. Unabhängig überprüfen lassen sich diese jedoch nicht. Die russische Fregatte habe bei dem Angriff jedoch „keinen kritischen Schaden“ erlitten, berichtete die ukrainische Online-Zeitung „New Voice“.
Berichte: Ukraine greift auch Ölhafen Ust-Luga erneut an
Die Ukraine hat das Erdölterminal in Noworossijsk wiederholt ins Visier genommen. Das soll angesichts der Beteiligung von US-Konzernen an der Pipeline für Verärgerung im US-Außenministerium gesorgt haben. In dem seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Krieg gegen die Ukraine greift Kyjiw immer wieder russische Energie-Infrastruktur an, um Moskaus Finanzierungsquellen auszutrocknen.
Laut ukrainischen Medienberichten und Angaben in russischen Telegram-Kanälen wurde in der Nacht auf Dienstag zudem ein weiteres wichtiges Öl-Terminal im russischen Hafen Ust-Luga im Oblast Leningrad von ukrainischen Drohnen angegriffen.
Russlands wichtigste Öl-Umschlagplätze im Visier
Foto- und Videoaufnahmen, die in sozialen Medien kursieren, sollen Explosionen im Hafengebiet zeigen, die sich den Berichten zufolge gegen 5 Uhr morgens Ortszeit zugetragen haben sollen. Unabhängig überprüfen lassen sich auch die Angaben derzeit nicht. Das ukrainische Militär bestätigte einen entsprechenden Angriff bisher nicht.

Die Ukraine hat den russischen Ölhafen Ust-Luga bereits mehrfach angegriffen. Das Foto zeigt einen Brand im Januar 2024.
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Wie auch das Erdölterminal im Hafen der Stadt Noworossijsk gehört der russische Ostseehafen Ust-Luga zu den wichtigsten Umschlagsplätzen für den Export von Rohöl und weiteren Erdölprodukten. Der westlich von St. Petersburg gelegene Hafen, weit entfernt von der ukrainischen Grenze, trägt somit maßgeblich zu den russischen Staatseinnahmen bei.
Ukraine bietet Waffenstillstand an – Moskau droht dem Baltikum
Parallel zu den erneuten Angriffen auf russische Energie-Infrastruktur hat die Ukraine Russland ein Waffenstillstandsangebot unterbreitet. „Wenn Russland bereit ist, die Angriffe auf unsere Energie-Infrastruktur einzustellen, werden wir das mit gleicher Münze zurückzahlen. Dieser Vorschlag wurde der russischen Seite über die Amerikaner übermittelt“, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montagabend in einer Videoansprache. Eine Reaktion auf Russland gab es zunächst nicht.
Moskau setzte gleichwohl am Dienstag erneut auf bedrohliche Worte gegenüber dem Baltikum – und nutzte dafür eine Behauptung, die von baltischen Staaten bereits mehrfach zurückgewiesen wurde. Dennoch unterstellte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa Estland, Litauen und Lettland nun erneut, dass sie der Ukraine die Nutzung ihres Luftraums für Angriffe auf Ziele in Russland erlauben würden.
„Wenn nicht, müssen sie mit einer Antwort rechnen“
Die baltischen Staaten hätten eine „angemessene Warnung“ erhalten, erklärte Sacharowa weiter. „Wenn die Regime dieser Länder genug Verstand besitzen, werden sie zuhören. Wenn nicht, müssen sie mit einer Antwort rechnen“, fügte Sacharowa laut Berichten russischer Staatsmedien hinzu.
Trotz ihrer entschiedenen Unterstützung für die Ukraine haben sich die baltischen Staaten aus dem Kampfgeschehen bisher herausgehalten und nach eigenen Angaben lediglich militärische, nachrichtendienstliche und humanitäre Hilfe geleistet. (mit dpa)

