Abo

Neues DokumentZufall könnte Hitler beim Stauffenberg-Attentat gerettet haben

3 min
Adolf Hitler mit Hermann Göring, Wilhelm Keitel und Martin Bormann im Juli 1944. Das Foto entstand wenige Tage nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944.

Adolf Hitler mit Hermann Göring, Wilhelm Keitel und Martin Bormann im Juli 1944. Das Foto entstand wenige Tage nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944. (Archivbild)

Neue Unterlagen aus einem Archiv werfen ein neues Licht auf das Attentat vom 20. Juli 1944 und die Umstände von Hitlers Überleben.

Ein neu entdecktes Dokument wirft neues Licht auf das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Demnach könnte eine kurzfristige Planänderung im Führerhauptquartier dazu beigetragen haben, dass der NS-Diktator den Anschlag überlebte. Wie der „Spiegel“ unter Berufung auf Recherchen des US-Forschers Rolf Windbiel berichtet, war die Lagebesprechung an diesem Tag ursprünglich offenbar an einem anderen Ort geplant.

Neue Dokumente zum 20. Juli 1944: Sollte Adolf Hitler ursprünglich in Salzburg sein?

Windbiel stieß im Salzburger Landesarchiv auf Unterlagen, wonach das Treffen möglicherweise im Schloss Kleßheim bei Salzburg stattfinden sollte. In dem damaligen Gästehaus der Reichsregierung empfing Hitler regelmäßig ausländische Staatsgäste, darunter den italienischen Diktator Benito Mussolini.

Das Schloss Kleßheim bei Salzburg.

Das Schloss Kleßheim bei Salzburg. (Archivbild)

Der Salzburger Hotelier Erwin Gutwinski schilderte 1984, er sei Mitte Juli 1944 in die Reichskanzlei beordert worden, um Vorbereitungen für den geplanten Empfang Mussolinis auf Schloss Kleßheim zu koordinieren. Der Plan wurde jedoch verworfen: Das Treffen mit Mussolini sowie die vorherige Lagebesprechung wurden kurzfristig in die „Wolfsschanze“ im damaligen Ostpreußen verlegt.

Warum das Attentat auf Hitler in der Wolfsschanze scheiterte

Historiker sehen mehrere Gründe dafür, warum Hitler den Anschlag überlebte. Die baulichen Gegebenheiten vor Ort spielten dabei eine wichtige Rolle. Wegen der Sommerhitze fand die Besprechung nicht im massiven Betonbunker statt, sondern in einer leichter konstruierten Holzbaracke, die von der „Organisation Todt“ errichtet worden war. Zudem waren die Fenster geöffnet.

Als Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg seine Aktentasche mit Sprengstoff unter dem Eichentisch platzierte, explodierte die Bombe gegen 12.42 Uhr. Die offene Bauweise der Baracke trug dazu bei, dass die Explosion weniger verheerend wirkte. Hitler erlitt nur leichte Verletzungen.

Der deutsche Offizier und spätere Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg in einer Aufnahme aus den frühen 1930er Jahren.

Der deutsche Offizier und spätere Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg in einer Aufnahme aus den frühen 1930er Jahren. (Archivbild)

Gutwinski vertrat später die Einschätzung, dass die Folgen des Anschlags in den massiven Räumen von Schloss Kleßheim möglicherweise deutlich schwerer gewesen wären.

Am Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 waren rund 200 Verschwörer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, General Friedrich Olbricht und Ludwig Beck beteiligt. Nach dem Scheitern des Attentats und dem Anlaufen der Operation „Walküre“ wurden Stauffenberg und seine engsten Mitstreiter noch in der Nacht zum 21. Juli 1944 im Berliner „Bendlerblock“ hingerichtet. In den folgenden Monaten verfolgte das NS-Regime zahlreiche weitere Beteiligte des Widerstands; viele von ihnen wurden ebenfalls hingerichtet.

Von der Nazi-Ideologie hatten sich viele der Verschwörer, teilweise nach anfänglicher Zustimmung, längst distanziert. Stattdessen rückten religiöse und humanistische Wertvorstellungen in den Mittelpunkt.

Der Evangelische Pressedienst (epd) zitierte Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, mit den Worten: „Ihre christliche Motivation kann nicht überschätzt werden.“ Der Bochumer Historiker und evangelische Theologe Professor Günter Brakelmann ergänzte: „Mitten im Krieg wird die Religion als Produktivkraft neu entdeckt.“ (jag)