KI kann beim Lernen helfen – oder schaden. Welche Fehler häufig vorkommen, wie zuverlässig die Ergebnisse sind und wie man sie vermeidet.
Hilfe oder ProblemDiese Fehler machen Schülerinnen und Schüler beim Lernen mit KI

Künstliche Intelligenz kann eine Chance, aber auch ein Risiko für Schüler sein. Auf die richtige Nutzung kommt es an. (Bild: iStock/NanoStockk)
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Künstliche Intelligenz kann Schülerinnen und Schüler beim Lernen unterstützen - oder ihnen genau das abnehmen, was sie eigentlich üben sollen. Ob sie zur Chance oder zum Problem wird, hängt deshalb stark von der Nutzung ab. Antworten nur kopieren bringt kaum Lernfortschritt. Stattdessen sollte KI als Dialogpartner verstanden werden. Welche Fehler passieren bei der KI-Nutzung am häufigsten?
Bessere Ergebnisse durch KI?
KI ist längst im Schulalltag angekommen: Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen nutzen laut einer Studie der Vodafone Stiftung KI-Systeme. Viele glauben, dass sich ihre schulischen Leistungen dadurch verbessern. Das ist durchaus möglich, denn sinnvoll eingesetzt kann man mit KI viel Zeit sparen und Ergebnisse optimieren.
Ein schwieriges Thema verstehen, Ideen für ein Referat sammeln oder die Gliederung einer Hausarbeit prüfen: Bei solchen Aufgaben kann KI durchaus nützlich sein. Sie eignet sich zum Brainstormen, Strukturieren, Ergänzen und Gegenprüfen. Wenn Schülerinnen und Schüler Rückfragen stellen, eigene Gedanken einbringen und Antworten als Ausgangspunkt zum Weiterdenken nutzen, holen sie das Beste aus der KI heraus.
Copy and Paste - fertig?
Viele Schülerinnen und Schüler machen jedoch den Fehler, das erstbeste Ergebnis der KI zu übernehmen, ohne es gegenzuprüfen oder weiterzuentwickeln. Wer komplette Aufgaben an die KI abgibt - oftmals, ohne ihr genügend Informationen und Kontext zu liefern -, bekommt häufig unzureichende Ergebnisse, die direkt nach KI aussehen. Zudem bleibt der Lerneffekt auf der Strecke.
Vage Anfrage, vage Antwort
„Erkläre mir die Französische Revolution“ - wo ist bei dieser Anfrage der Haken? Sie ist viel zu vage! Der KI fehlen Angaben zur gewünschten Ausführlichkeit, dem Zweck (Aufsatz, Referat etc.), der Klassenstufe, der Schulart und ähnliches. Die Antwort der KI wird dementsprechend allgemein ausfallen - und der Schüler hat sich zudem nicht mit dem Thema auseinandergesetzt.
Eine bessere Anfrage könnte etwa so aussehen: „Ich muss in Geschichte ein Referat über die Ursachen der Französische Revolution halten. Ich gehe in die 8. Klasse der Realschule in Bayern. Nenne mir die drei wichtigsten Punkte und liefere mir einen Vorschlag für die Gliederung des Referats. Es soll etwa fünf Minuten dauern.“ Nur auf genaue Anfragen gibt es brauchbare Antworten.
KI kann halluzinieren
Wer KI nutzt, sollte typische Schwächen der Systeme kennen. Ein problematisches Phänomen ist das Halluzinieren. Es kommt vor, dass ChatGPT & Co. Antworten erfinden, wenn sie die gewünschten Informationen nicht finden oder die Eingabe zu ungenau ist. Selten wird die KI offen zugeben, dass sie etwas nicht weiß oder kann - stattdessen werden Lücken bisweilen mit erfundenen Fakten gefüllt.
Kritisches Mitdenken und Gegenprüfen von Fakten ist daher immer Pflicht bei der KI-Nutzung. Mit den richtigen Anfragen können Schülerinnen und Schüler das Risiko für erfundene Antworten aber auch selbst senken. Ungenaue Antworten führen besonders oft zu Halluzinationen. Aber auch Anforderungen, die nicht erfüllt werden können, wie etwa „Nenne mir zehn Beispiele“, wenn es nur fünf gibt.
KI als Begleiter
„Löse diese Aufgabe für mich“ - solche Anweisungen bringen kurzfristig große Zeitersparnisse, haben aber langfristig viele Nachteile. Zum einen ist es nicht garantiert, dass die KI Aufgaben auf dieselbe Weise löst, wie es im Unterricht gelernt wurde. Zum anderen verlieren Schülerinnen und Schüler den Anschluss, wenn Aufgaben ständig komplett delegiert werden und Hausaufgaben nicht mehr der Übung dienen.
Statt sämtliche Zwischenschritte zu überspringen, sollten Schülerinnen und Schüler Künstliche Intelligenz nur als Begleiter nutzen. Sie sollten sich dort gezielt Hilfe holen, wo sie diese brauchen - die KI kann etwa Punkte, die du nicht verstanden werden, erklären und konkrete Fragen beantworten. Wer sich unsicher ist, kann seinen Rechenweg und das Ergebnis am Ende nochmal gegenprüfen lassen.
Wenn KI ständig das eigene Denken ersetzt
Studien bestätigen, dass KI-Einsatz die Leistungen und Fähigkeiten von Schülern schmälert, wenn Aufgaben häufig komplett an sie abgegeben werden. Wer die KI hingegen wie einen Tutor verwendet, profitiert von ihr. Generell sollten Schülerinnen und Schüler KI nicht vorschnell einsetzen - das Gehirn gewöhnt sich daran und es fällt mit der Zeit immer schwerer, selbst kreativ zu werden.
Auch eine korrekte KI-Nutzung wird zum Problem, wenn sie überhandnimmt. Irgendwann fällt es immer schwerer, eigene Ideen, Worte, Strukturen und Lösungen zu finden, weil man sich so sehr daran gewöhnt hat, dass die KI immer Vorschläge liefert. ChatGPT, Claude & Co. sollten daher nur gezielt und bewusst, nicht inflationär genutzt werden - auch der Umwelt zuliebe, denn jeder Prompt verbraucht Ressourcen.
Die Hausarbeit von der KI schreiben lassen?
Es muss immer bedacht werden, dass KI den Kontext nicht kennt: Damit sie brauchbare Ergebnisse liefern kann, müssen alle Rahmenbedingungen angeben werden: Informationen aus dem Unterricht, Klasse, Schulart, Bundesland, erlaubte Hilfsmittel und so weiter. Manchmal macht es mehr Sinn, sich selbst mit einem Thema auseinanderzusetzen oder einen Freund zu fragen, statt übermäßig lange Prompts zu schreiben.
Weit verbreitet ist der Fehlglaube, dass KI besonders gut zur Textgenerierung geeignet ist. Für richtig gute Texte braucht es aber sehr ausführliche Prompts und meist zahlungspflichtige Large Language Models. Ohne Nachbearbeitung werden die Texte zudem leicht als KI-generiert erkannt. Diesen Aufwand sollten Schülerinnen und Schüler lieber in einen selbst geschriebenen Text stecken - und die KI nur zum Gliedern und Brainstormen nutzen.
Schlecht ausgehen kann es für Schülerinnen und Schüler auch, wenn sie sich von der KI Zitate heraussuchen lassen. Quellenarbeit ist schließlich ganz schön zeitaufwendig und nervig - warum also nicht eine bequeme Abkürzung wählen? Es spricht zwar nichts dagegen, sich hier von der KI unterstützen zu lassen - ungeprüft sollten Zitate und Quellenangaben aber auf keinen Fall übernommen werden.
KI als Gesprächspartner
Eine KI-Anfrage funktioniert anders als eine Google-Suche. Das erstbeste Ergebnis ist nicht unbedingt das, welches übernommen werden sollte. Schülerinnen und Schüler sollten Rückfragen stellen, Anfragen konkretisieren und in den Dialog gehen. So liefert die KI am Ende genau das Ergebnis oder die Informationen, nach denen gesucht wurde.
Die Frage an die KI sollte anders formuliert werden als eine klassische Suchmaschinen-Eingabe. Schülerinnen und Schüler sollten eine ganze Frage stellen oder eine konkrete Aufgabe formulieren, anstatt nur ein einzelnes Wort einzutippen. KI-Tools beziehen ihre Informationen von verschiedenen Quellen, während Suchmaschinen nach Relevanz sortierte Websites auflisten.
Die Mischung macht's: KI mag zwar praktisch sein, sie sollte aber nicht als einzige Informationsquelle dienen. Nebenher sollten auch weiterhin Suchmaschinen, Fachbücher und Bildungsportale zur Recherche genutzt werden. Zusätzlich sollten sich Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen KI-Anwendungen vertraut machen - je nach Einsatz passt ein anderes System besser.
Künstliche Intelligenz an Schulen
Die Verantwortung für eine sachgemäße KI-Nutzung kann nicht allein den Schülerinnen und Schülern zugeschoben werden. Viele Schulen hinken hinterher angesichts der rasanten Entwicklungen und integrieren KI zu wenig in den Unterricht. Jana-Josephine Chowdhury, Botschafterin der Stiftung Bildung, meint dazu: „Für mich ist KI-Bildung einer der größten Hebel, der noch nicht richtig unterrichtet wird.“
Zwar gibt es vielfältige Projekte, Lernmaterialien und Fortbildungsangebote rund um Künstliche Intelligenz an Schulen, aber vielen Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern fehlt es an Orientierung. Vieles passiert nach dem Learning-by-doing-Prinzip, einheitliche Regeln und Vorgaben fehlen oft. (tsch)

