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Heimkosten
Pflege kann nur dann bezahlbar bleiben, wenn wir sie so oft wie möglich verhindern

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Pflegeheime sind sehr teuer. Viele Bewohnerinnen und Bewohner müssen ihr gesamtes Erspartes in die letzten Monate im Heim stecken.

Pflegeheime sind sehr teuer. Viele Bewohnerinnen und Bewohner müssen ihr gesamtes Erspartes in die letzten Monate im Heim stecken.

Die Klage über hohe Eigenanteile wird uns nicht weiterhelfen. Um stationäre Pflege zu erhalten, kann es nur einen Weg geben: Sie so oft wie möglich zu verhindern.

Es ist ein Gesetz, das wir schon Dreijährigen beibringen: Wer täglich sechs Minuten Zähne putzt, spart sich bohrende Schmerzen, Zeit auf dem Zahnarztstuhl und der Gemeinschaft einen Berg an Geld. Löcher stopfen kostet, buchstäblich beim Zahnarzt, aber auch sonst im Leben. Das gilt für die Pflege genauso.

Die steigenden monatlichen Kosten für einen Heimplatz sind ein verständlicher Grund zu klagen. Die Vorstellung, dass alte Menschen in ihren letzten Lebensmonaten alles, was sie im gesamten Leben teils mühsam angespart haben, für die Heimunterbringung ausgeben müssen, ist schwer zu ertragen. Doch Klage und Mitgefühl allein führen nicht weiter. Auch ein Hin- und Herschieben zwischen unterschiedlichen Ausgabentöpfen verspricht unter dem Rechnungsstrich keine Entlastung. Wer vorankommen will, muss zurückgehen. Bis zu der Stelle, an der man noch den günstigeren Weg hätte einschlagen können.

Denn die kostenintensive Heimunterbringung ist keine Naturgewalt. Sie ist hausgemachte Folge eines Gesundheitssystems, das lange knausrig agiert und am Ende eine umso größere Rechnung erhält. Laut einer aktuellen Pflegemodellrechnung des statistischen Landesamts werden bis 2050 in Nordrhein-Westfalen knapp 1,7 Millionen Menschen pflegebedürftig sein – etwa jede zehnte Person. Die Finanzlöcher drohen ihre gefräßigen Münder in Zukunft also noch viel weiter aufzureißen.

Pflegebedürftigkeit lässt sich oft verhindern oder zumindest verzögern

Es sei denn, wir investieren jetzt und wenden so die hohen Folgekosten ab. Denn Pflegebedürftigkeit resultiert oft aus Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Schlaganfall, Demenz, Herzerkrankungen, die sich durch gezielte Prävention zu großen Teilen vermeiden oder zumindest verzögern ließen.

Und hier galoppiert das System unter der Flagge der kurzfristigen Sparsamkeit in die Insolvenz: Kranken- und Pflegekassen geben Milliarden für Reparaturmaßnahmen aus. Unsummen landen in Herz-Operationen, Cholesterinsenkern, Betablockern oder eben in der stationären Pflege. In weitaus günstigere Angelegenheiten wie gesunde Arbeitsplätze, Sturzprävention, Fitness- und Ernährungskurse, die geeignet sind, Krankheit und Pflege zu verhindern, fließen gerade einmal fünf Prozent des Budgets.

Gesundheitsministerin Nina Warken will aus falsch verstandener Kostenkontrolle nun auch noch den als Präventionsmaßnahme geeigneten Entlastungsbeitrag für Pflegegrad 1 streichen. Ein Fehler, der Folgen haben wird. Nehmen wir Willi Schmidt, 90 Jahre alt, klar bei Verstand, aber in den Kraftreserven nachlassend. Die gewährten 131 Euro ermöglichten ihm, sich Fenster und Badezimmer putzen zu lassen. Ohne diesen Betrag sitzt er überfordert in seinem Schmutz. Im schlimmsten Fall stürzt er beim Versuch, die Fensterecken von Spinnweben zu befreien. Ein Oberschenkelhalsbruch folgt – und eine Heimunterbringung, die das 20-fache kostet.

Willi Schmidts Sohn könnte seinen Vater freilich zu Hause pflegen und seine Arbeitszeit dafür reduzieren. Doch auch er findet in Warkens Reformplänen keinen Anreiz. Die Rentenpunkte für Pflegende sollen schließlich zusammenschmelzen.

Claudia Lehnen

Claudia Lehnen

Claudia Lehnen, geboren 1978, ist Chefreporterin Story/NRW. Nach der Geburt ihres ersten Kindes begann sie 2005 als Feste Freie beim Kölner Stadt-Anzeiger. Später war sie Online-Redakteurin und leitet...

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Dass mehr Geld zu Beginn zu weniger Kosten am Ende führt, zeigt übrigens auch ein Blick auf die private Pflegeversicherung. Dort, wo die Versicherten in der Regel wohlhabender sind, ist die Rate der Pflegebedürftigen deutlich geringer. Pro Versichertem gibt man deshalb gerade mal die Hälfte dessen aus, was gesetzliche Pflegeversicherungen an Kosten stemmen. Hier für einen Lastenausgleich zu sorgen, wäre eine solidarische Maßnahme. Am Ende ist aber zentral, dass die Politik auch in der Pflege die einfache Zahnputzregel verinnerlicht: Kleine vorbeugende Maßnahmen, ersparen am Ende den großen Schmerz.