Burgruine ZoppesmurDie geheimnisvolle Ruine

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Meterdicke Mauerreste im Wald lassen ahnen, wie sich hier einst der Turm einer Ritterburg auf dem Hügel über der Wupperaue erhob. (Bild:Britta Berg)

Meterdicke Mauerreste im Wald lassen ahnen, wie sich hier einst der Turm einer Ritterburg auf dem Hügel über der Wupperaue erhob. (Bild:Britta Berg)

Leichlingen – Sagenumwoben, in einem verwunschenen Dickicht unter Bäumen versteckt, hat das vielleicht kostbarste Leichlinger Bodendenkmal bis heute kaum etwas von seinen Geheimnissen preisgegeben. Legenden, Balladen und Vermutungen ranken sich um die Burgruine „Zoppesmur“. Deren lustiger, ganz und gar nicht wissenschaftlicher, sondern vom Volksmund geprägter Name verrät schon alles über ihren Kultstatus. Er bedeutet so viel wie: Hier ist nur noch der Rest einer alten Mauer zu sehen, die einmal dem ollen Ritter Zoppes gehört hat. Aberwir haben sie in unser Herz geschlossen und stromern immer wieder einmal am Rande des Wanderwegs über ihre romantischen Hügel und malen uns die schönsten Geschichten aus. Was kann einem Bodendenkmal Besseres passieren? Die 1000 Jahre alte archäologische Sehenswürdigkeit befindet sich nordöstlich der Ortschaft Leysiefen am südlichen Wupperufer. Wer dem beliebten Rad- und Wanderweg von Nesselrath aus Richtung Fähr folgt, findet sie wenige Meter nach Eintritt in den Wald rechts des Weges. Die offizielle Denkmaltafel des Landschaftsverbandes Rheinland, auf der Spaziergänger früher mit einem Grundriss und einigen Erläuterungen zum lehrreichen Halt animiert wurden, ist leider verschwunden - vermutlich von Sammlern gestohlen, ist sie nicht erneuert worden.

An der Stelle, wo der kleine Leysiefer Bach gen Wupper plätschert und eine Bank steht, muss man über den (von den Erbauern der Burg vermutlich künstlich aufgeschütteten) Wall klettern und steht vor dem Burgberg. Säuberlich aufgeschichtete, rechtwinklige Mauerreste mit dicken Wänden zeugen von der einst planvollen Anlage. Erhaben thront die wehrhafte Befestigung über den noch erkennbaren Gräben.

Heute ist hier nichts abgesperrt. Man benötigt nur festes Schuhwerk, um sie zu erobern und kann dann auf ihren Fundamenten wandeln. Sich Küche, Verlies und Wohngemächer ausmalen. Sich vorstellen, wie der aufgestaute Bach die Wassergräben flutete. Mit ein wenig Phantasie tauchen der acht Meter breite, quadratische Wehrturm, der umlaufende Mauerring und eine Zugbrücke, die einst wohl zu dieser Höhen- und Wasserburg gehört haben, vor dem Auge auf. Hier stand die stolze Burg Leysiefen, einer der ältesten Rittersitze des Bergischen Landes im Bannkreis von Schloss Burg.

Es war nach allem, was man weiß, eine Höhen- und Wasserburg auf einem fast quadratischen Hochplateau. Balkenlöcher im Felssteinmauerwerk künden von stabilen Decken, Schieferreste vom Dach. In guter Verteidigungsstellung gebaut, war die Nordseite etwas breiter als die Südseite, während Ost- und Westflügel etwa gleich lang sind. Ihre Blütezeit lag im frühen Mittelalter. Über ihre Geschichte, ihre Bewohner, ihre einstige Größe, ihr Aussehen und die Gründe ihres Verfalls im 14. Jahrhundert ist erstaunlich wenig bekannt. Gerade das macht sie wahrscheinlich besonders geheimnisvoll. Der Name des historischen Schauplatzes geht auf das adelige Geschlecht derer von Zobbe, Zobbo oder auch Sobbe zurück. 1209 taucht ein Rodolphus Zobbe auf, den Rektor Fritz Hinrichs in seinem Standardwerk „Leichlinger Heimatbuch“ als ältesten bekannten Ahnherrn dieser Sippe nennt. 1232 soll es einen Albert, 1265 einen Albrecht Zobbe gegeben haben, zwei Ritter, möglicherweise dessen Söhne. Ein weiterer Sohn, Sibodo de Leysiefen, wird 1257 bis 1266 als bergischer Landdrost erwähnt (ein Amtmann des Landesherrn). 1263 tritt „Zobbe de Leginsipe“ in einer verlässlichen Quelle als Zeuge auf - er siegelt in einem Beistands- und Freundschaftsvertrag zwischen Herzog Walram von Limburg und der Stadt Köln. Die Herren werden eine gewisse Bedeutung gehabt haben. Ritter Adolf von Leysieffen, der letzte bekannte Spross der Zobbes, der nach 1307 verstarb, verkaufte die „Zobbesmur“ 1280 an keinen Geringeren als Graf Adolf von Berg, den berühmten Sieger in der Schlacht bei Worringen, und seine Gemahlin Elisabeth von Geldern. Von wegen Mauer! In der nämlichen Urkunde ist tatsächlich von einem „Schloss Leyensiefen“ die Rede. Es wechselte für 400 Kölnische Mark den Besitzer. Trotzdem ging die mit einem Wirtschaftshof verbundene Burg unter. Das geschah möglicherweise im Schatten der reicheren Schwester, des benachbarten Wasserschlosses Nesselrode. Dessen Vorgänger war sie offenbar, und in dessen Besitz ging sie (Ende des 15. Jahrhunderts) schließlich auch über. Warum auch immer sie verlassen wurde, ob durch Belagerung oder wirtschaftliche Not: Nach 1300 scheint der Bau verfallen zu sein. Wann die Burganlage zerstört wurde, ist nicht bekannt.

Bei archäologischen Grabungen in den 1930er Jahren kamen Keramikstücke aus dem 11. und 12. Jahrhundert zum Vorschein. Eine weitere Testgrabung, die der unermüdliche Heimatforscher Fritz Hinrichs in den 50er Jahren im Auftrag des Provinzialmuseums Bonn vornahm, ergab keine genauere Datierung der Entstehungszeit. Hinrichs nach wie vor gültiges Fazit lautet: „Die Ruinen der Zobbesmur erinnern an eine Steinburg, die nach der Fundaussage im 13. / 14. Jahrhundert erbaut und erweitert worden ist. Vorher wird vermutlich ein aus Holz und Fachwerk erbautes Wehrhaus dort gestanden haben, das dem 10. oder 11. Jahrhundert zugeordnet werden kann.“

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