Frank61Gefangen in der Sex-Flatrate

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Das All-you-can-f...-Angebot in einem Bordell in Baden-Württemberg erregt die Gemüter. (Bild: dpa)

Die Flatrate ist der Gipfel des Kapitalismus, denn sie setzt die Hemmschwelle für das Geldausgeben auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Menschheit herab. Fressen, saufen, haben. Nimm alles, du hast ja schon bezahlt. In diesem Triumph erlebter Gier liegt der Kitzel des Geschäftes, nicht in den tatsächlich konsumierten Dingen, die am Ende in der Regel sowieso erbrochen werden. Ein bisschen Barbarei für 20 Euro. Das ist irgendwie menschlich, auch wenn ich mich selbst gerade bei Unmenschlichkeit ertappe. Noch niemals in meinem ganzen Leben habe ich ein solches Angebot angenommen, denn ich bin da zimperlich. Mir wird immer schon vorher übel.

Aber an diesem Gezeter über das neueste Flatrate-Modell, die Sex-Flatrate, kann ich mich jetzt wirklich nicht beteiligen. Und das will etwas heißen, denn ich schimpfe ja gern. Aber was ist das für ein Tumult, seit zuletzt in der schwäbischen Gemeinde Fellbach vor den Toren Stuttgarts ein "Pussy Club" seine Pforten geöffnet hat, bei dem Mann einmal zahlt, und dann immer darf? Menschenrechtsorganisationen, Politiker und Kirchen schalten sich ein. Skandaaaal!!!

Ich würde den Menschenrechtsorganisationen, Politikern und Kirchen jetzt gern etwas sagen. Also hört also mal zu: Es gibt viele Gründe, Prostitution und die mit ihr einher gehende Ausbeutung zu verabscheuen. Diese Gründe haben damit zu tun, dass vor allem in den gesetzlich nicht geregelten Grauzonen Frauen von Schwerverbrechern verschleppt, genötigt, geschlagen, gedemütigt und beraubt werden. Das ist eine Katastrophe. Das Flatrate-Modell alleine ist keine, denn sie demütigt den Kunden. Den Mann. Und da kann ich mitreden, ich bin einer. Jetzt sag' mir bloß nicht, dass du diesen umgekehrten sexuellen Countdown des Mannes nicht kennst.

Eins, zwei, drei - null.

Nur dass diese Null nicht für die Zündung, sondern das Verlöschen steht. Sagte ich eins, zwei, drei? Ach Quatsch, so viel Zeit hat kein Freier, auch noch das dritte Mal zu versuchen. Zu Hause wartet ja die Familie. Also: Eins, zwei - null. Aber meistens geht es doch wie dann später bei der Sportschau: eins - null. Die Wissenschaft hat dafür einen Fachbegriff: Refraktärphase. Oder auf Kölsch: Wat fott es, es fott.

Selten wurde eine Zielgruppe mit einem Flatrate-Modell derart hinters Licht geführt wie der Freier. Weil er das aber nicht zugeben kann, strengt er sich an, bis ihm die Halsschlagader hervorquillt und das Blut in die Augen läuft. Ganz falsche Stelle übrigens. In der Zeit, die während all der Mühsal verstreichen muss, trinkt er die überteuren Getränke, mit denen die Frauen ihr Geld verdienen.Das kann nicht die problematische Seite der Prostitution sein.Die liegt ganz woanders.

Bis demnächst auch, euer Frank61

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