KarnevalDas Bickendorfer Büdche in Lower Manhattan

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Aus den Lautsprechern dröhnen die Höhner, Brings & Co, die Luft ist stickig, von der Decke baumeln rot-weiße Girlanden - willkommen im „Lorely", einer kölschen Kneipe in New York.

Schon von draußen ist das „Bickendorfer Büdche“ von den Bläck Fööss zu hören, drinnen ist das Lokal brechend voll, die Luft stickig, rot-weiße Luftballons und Girlanden baumeln unter der Decke. Aus den Lautsprechern dröhnen Höhner, Brings und Co. Es fühlt sich an wie Südstadt oder Zülpicher Straße in Köln, tatsächlich aber ist es das Börsenviertel in Lower Manhattan.

Im „Loreley“ können Exiljecken auch im fernen New York den Rosenmontag feiern. Die einzige kölsche Kneipe in der US-Metropole gehört Michael Momm, einem Kölner Musiker, der vor 27 Jahren hergezogen ist. Seit 2003 veranstaltet er jedes Jahr seine legendären Karnevalspartys. Bis zu 400 Leute tummeln sich dann in der Loreley, hauptsächlich Deutsche.

Karneval ist das Heimweh am stärksten. Schlimmer als an Weihnachten und Ostern zusammen.

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Cindy geht als Matrose. „Karneval ist das Heimweh am stärksten. Schlimmer als an Weihnachten und Ostern zusammen“, sagt sie. Cindy kommt aus Köln und arbeitet seit zwei Jahren in New York. Auf den Flachbildschirmen hinter der Theke im Loreley flimmern abwechselnd amerikanische Sportsendungen und Militärwerbung. Doch keiner schaut hin, heute gilt nur der Karneval. Und dass Kölsch nicht nur in 0,2-Liter-Stangen, sondern in allen möglichen Gläsern serviert wird, bis hin zum Ein-Liter-Maßkrug – auch egal!

So mancher Gast bringe aus lauter Dankbarkeit Geschenke aus der Heimat mit, sagt Momm. Der 54-Jährige zeigt stolz einen Karnevalsorden vom Traditionscorps Kölsche Funkentöter. „Ich habe mittlerweile gut 200 Stück.“ Im Laufe des Abends wird die Party immer ausgelassener, die Feiernden tanzen auf Tischen und Bänken, eine Polonaise nach der anderen geht durch die Loreley, es wird gebützt, was das Zeug hält.

Während die Bläck Fööss „Heimweh nach Kölle“ in den Raum schmettern, liegen sich die Menschen in den Armen und verdrücken die eine oder andere Träne. Einer der wenigen Amerikaner im Raum fragt, was wohl das Besondere an diesem Köln sei, dass alle so ein Heimweh haben. So genau kann das keiner erklären. „Komm einfach mal an Karneval zu uns“, sagt einer.

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