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Schwarze in DeutschlandDie Farbe bestimmt das Sein

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In Deutschland kämpfen Schwarze mit einem negativen Image - Wissen wird ihnen kaum zugetraut. (Bild: Caro)

In Deutschland kämpfen Schwarze mit einem negativen Image - Wissen wird ihnen kaum zugetraut. (Bild: Caro)

KÖLN - Die Deutschen würden - wenn ihre Meinung gefragt wäre - zu 76 Prozent Barack Obama wählen, sagen die Meinungsforscher. Einen Schwarzen. Schwarze Menschen in Deutschland zögern bei der Frage, ob dies zu einer veränderten Einstellung auch ihnen gegenüber beiträgt. Ijoma Mangold, schwarzer deutscher Autor, wagte sich mit einer positiven Antwort vor. Die Vorstellung dessen, was „wir mit Schwarz assoziieren“, dürfte Obama mit seiner Rede in Berlin im Juli auch für Deutschland neu gefüllt haben. Weil auf Obama keines der üblichen Klischees passe, „löse sich das Schwarz von seiner sozialen Konnotation“, schrieb Mangold. Mit anderen Worten: Schwarz steht nicht mehr für eine vorgezeichnete Lebensgeschichte.

Genau das ist es aber, was viele schwarze Deutsche auch heute noch empfinden. „Als ich kürzlich aus meinem Auto stieg, fragte mich ein älteres Ehepaar kopfschüttelnd, woher ich denn das Geld habe, ein Auto zu fahren“, sagt Marie Theres Aden-Ugbomah. Sie wurde in Deutschland als Tochter eines nigerianischen Vaters geboren, hat studiert und leitet heute das Pädagogische Zentrum Aachen e. V. Eigentlich kein ungewöhnlicher Lebensweg, aber doch einer, den viele Menschen nicht mit ihrer Hautfarbe zusammenbringen. „Die wenigsten Deutschen gehen überhaupt davon aus, dass es auch schwarze Deutsche gibt.“ Sich in Ämtern und Firmen zu bewegen sei daher überhaupt nicht selbstverständlich, sagt Aden.

Negatives Image

Schwarzafrikaner werden in ihrer Mehrheit als Flüchtlinge oder genauer als Wirtschaftsflüchtlinge und damit ungeprüft über das Negativimage des afrikanischen Kontinents wahrgenommen. „Viele afrikanische Staaten werden mit Krieg und Chaos gleichgesetzt“, sagt Abdoulaye Maty, der als studierter Betriebswirt in Köln eine Migrantenselbstorganisation für Afrikaner leitet. Im öffentlichen Leben Deutschlands spielten schwarze Menschen - einmal abgesehen von einigen Fußballern oder TV-Sternchen - keine erkennbar positive Rolle, ergänzt Marie Theres Aden. „Die Leuchttürme fehlen.“

Dabei leben geschätzt rund eine Million Menschen mit schwarzer Hautfarbe in Deutschland. In Köln sollen es 15 000 sein. Abdoulaye Maty geht davon aus, dass rund 50 Prozent von ihnen arbeitslos sind. Denn in Deutschland, so haben Migrantenorganisationen festgestellt, finden allenfalls schwarze Akademiker einen Job, alle anderen haben es schwer. Da Schwarze aus historischen Gründen nicht als besondere Bevölkerungsgruppe registriert werden, fallen Kinder oft als Zielgruppe von Integrationsförderung durchs Raster. Schwarze Jugendliche, so Aden, fühlten sich oftmals ausgegrenzt. Und nicht nur, weil sie schon mal vor Discos zurückgewiesen würden. Die Mehrheit lande in der Haupt- und Sonderschule. „Sie haben es deutlich schwerer, einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz zu finden.“ Es gebe Betriebe, die keine Schwarzen haben wollten.

Frühe Zurückweisung, aber auch schlechtere Sprachkenntnisse und soziale Startchancen sind auch für Abdoulaye Maty der Grund dafür, dass schwarze Jugendliche schlechter motivierbar seien und zunehmend zu Aggressionen neigten. „Viele kommen auf die schiefe Bahn.“ Der Volkswirt will deshalb gesellschaftliche Kräfte mobilisieren, um die Bildungs- und Berufschancen dieser Jugendlichen zu verbessern. „Misslungene Integration ist letztlich teurer als rechtzeitige Hilfe.“ Außerdem müssten endlich die „Potenziale“ wahrgenommen werden und nicht nur immer die Defizite. Dass es falsch war, die über die Jahre hier ausgebildeten Ingenieure nach Hause zu schicken, wisse man ja jetzt.

Im Vergleich zu England, Frankreich und den Niederlanden ist Deutschland trotz aller Zuwanderung immer noch ein ethnisch homogenes Land. Umso mehr, sagt der Autor Ijoma Mangold, bliebe das Land angewiesen „auf dieses Gesicht von Barack Obama, das davon erzählt, dass es an der Zeit ist, sich ein paar neue Schubladen zuzulegen“. An der Universität Halle wird der „Wilhelm Amo-Preis“ vergeben, ein Preis für besondere intellektuelle Fähigkeiten. Amo, 1753 gestorben, war der erste bekannte Philosoph und Rechtswissenschaftler afrikanischer Herkunft in Deutschland.

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