StadtführungHinterhöfe mit Charme

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Die Elsaßkaserne. (Bilder: Esch)

Die Elsaßkaserne. (Bilder: Esch)

Innenstadt – Auf der Rückseite des denkmalgeschützten Gebäudes der ehemaligen Reservefeuerwehr an der Quentelstraße gerät die Kunsthistorikerin Asja Bölke ins Schwärmen: "Darin gibt es wirklich tolle Treppenhäuser. Aber sie gehören zu Privatwohnungen. Ich kann sie Ihnen also leider nicht zeigen." Die Teilnehmer ihrer Führung mit dem vielversprechenden Titel "Hinterhöfe - die verborgene Seite der Südstadt" nehmen das leicht: "Dann müssen wir wohl alleine wiederkommen und einfach einmal klingeln," scherzt einer von ihnen.

Doch das wird nicht nötig sein, denn plötzlich erscheint eine Bewohnerin im Hof und öffnet bereitwillig die Haustür, an deren Glasscheibe sich die Veedelsbesucher seit geraumer Zeit die Nase platt drücken. "Wollen Sie vielleicht einmal hereinkommen?", fragt die freundliche Dame, und schon strömt die 20-köpfige Gruppe in das Haus. Einen wunderschönen Eingangsbereich mit einer fast schlossartigen Treppe und einem alten Wandgemälde können sie dort bestaunen.

Weil sich dem Besucher von Hinterhöfen der Südstadt oft ganz unerwartete Einblicke eröffnen, hat Asja Bölke im Auftrag der Antoniter-City-Tours zum dritten Mal eine atmosphärische Führung dorthin veranstaltet. Aus verschiedenen anderen Vierteln und Städten sind die Teilnehmer angereist. Martina Rosenkranz lebt seit vier Wochen in der Südstadt und nutzt die Tour, um ihre neue Heimat zu entdecken. Und bei der zweieinhalbstündigen Tour kann sie eine Menge über das schöne Viertel erfahren. Auf dem Gelände der ehemaligen Schokoladenfabrik Stollwerck startet die Führung. Über den großen und grünen Hinterhof der dort nach dem Abriss der Fabrik neu entstandenen Wohnhäuser geht es auf eine Wiese, wo die letzten Reste des Unternehmens zu sehen sind, das die Südstadt und ihr Erscheinungsbild so sehr geprägt hat: Einige Maschinen aus der ehemaligen Produktionshalle der Firma Stollwerck bilden dort ein Industriedenkmal.

Ein alter Turm ist mit seiner gelb-roten Backsteinfassade ebenso als Teil der ehemaligen Schokoladenfabrik zu erkennen wie ein Eckhaus im Hintergrund. "Da hat der Chef gesessen," erzählt Asja Bölke. Während die Führungsteilnehmer anschließend den Severinswall herunterbummeln, erfahren sie, dass dort in den engen Häusern die "Schokoladenmädchen", die spanischen Arbeiterinnen der Stollwerck-Fabrik, zu Hause waren.

Romantisches Flair

In der Elsaßstraße hat die Führerin ein weiteres anschauliches Beispiel für das ehemalige Arbeiterleben in der Südstadt: "Das hier war die berüchtigte Elsaßkaserne, ein Ort, wo auch einmal Pisspötte aus den Fenstern flogen, als die SA aufmarschierte", erzählt sie. Asja Bölke steht vor einem großen düsteren Backsteingebäude. In dessen Hinterhof tut sich der Gruppe ein unerwartetes Bild auf: Auf einer großen Grünfläche mit einem Sportplatz veranstalten Erholungssuchende ein Picknick. Im Hintergrund verbreitet die Rückseite eines alten Gebäude romantisches Flair. "Das gehört schon zur Maria-Hilf-Straße. Wer hier wohnt, hat Geld", so Bölke.

Wie dicht die verschiedenen Welten in der Südstadt zusammenliegen, zeigt die Kunsthistorikerin aber am allerliebsten an einem ganz besonderen Hinterhof an der Wormser Straße.

Dort führt sie die Gruppe durch einen unscheinbaren Hofeingang zu einem Gebäude, das dort wohl niemand vermutet: Hinter hohen Bäumen verborgen steht eine schon fast märchenhaft anmutende Villa, einst erbaut als Eigenheim von dem Besitzer der Mietskasernen, die davor stehen.

www.antonitercitykirche.de

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