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TischeishockeyFoulspiel mit dem Legostein

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Gäste aus ganz Deutschland kamen jetzt zum ersten Tischeishockey-Turnier in Siegburg zusammen. (Bild: js)

Gäste aus ganz Deutschland kamen jetzt zum ersten Tischeishockey-Turnier in Siegburg zusammen. (Bild: js)

Siegburg – Oliver Treptow stellt den flachen Legostein behutsam vor die Fünf-Pfennig-Münze. Mit einer kaum wahrnehmbaren Drehung verändert er noch einmal den Schusswinkel. Dann macht seine Hand einen Ruck nach vorne. Der Legostein stößt die Fünf-Pfennig-Münze an. Diese saust gegen die Ein-Pfennig Münze, den Puck des Spiels. Sie wiederum stößt gegen die Bande und gleitet von da pfeilschnell in die Gegenrichtung quer über das Spielfeld. Aber nicht in das Tor von Lars Neideck.

„Mann, die vielen Chancen“, hadert Treptow mit sich selbst. Am Ende wird Neideck gegen ihn gewinnen. Und auch noch das Endspiel gegen einen weiteren Teilnehmer des Tischeishockey-Turniers im Kranz-Parkhotel. Es ist ein Treffen der Spezialisten, sogar Vizeweltmeister sind dabei. Und dennoch geht es ganz entspannt zu.

Nur als es auf das Finale zugeht, ist hier und da ein Hauch von Ehrgeiz zu erkennen. Tischeishockey ist nichts für Fanatiker. Obwohl seit 1979 jedes Jahr ein Weltmeister in dieser Disziplin ermittelt wird. Letztlich hat der Journalist Peter Linden, der das Spiel Ende der 70er Jahre erfunden hat, nur einem alten Kinderspiel eine feste Form gegeben. Das Hin- und Herschieben von Münzen auf dem Boden wird in eine runde Form mit einer Bande verlegt. Zwei Spieler treten gegeneinander an.

Eines jeden Mannschaft besteht aus fünf Fünf-Pfennig-Münzen. Eine Ein-Pfennig-Münze ist der Puck. Warum nicht Cent-Stücke? „Die haben ein anderes Gewicht“, erklärt eine Spielerin. Sie hat bei der Euro-Umstellung extra Pfennig-Münzen gehortet. Um es etwas anspruchsvoller zu machen, werden die Spieler nicht mit den Fingern, sondern mit einem flachen Legostein (zwei mal vier Noppen) angestoßen. Und nicht geschoben. Sonst ist das ein Foul und der Gegner darf weitermachen.

In Siegburg, der Heimat von Oliver Treptow, fand jetzt zum ersten Mal ein Tischeishockey-Turnier statt. Etwa 15 Teilnehmer kamen dafür aus ganz Deutschland, von Hamburg bis München. Sie kamen aber auch für den Karneval. Denn wenn sich die Spieler treffen, dann geht es nicht nur ums Spiel. „Das ist immer ein schöner Familienurlaub mit einem super Kinderprogramm“, berichtet der Münchner Lars Neideck (43) von den jährlich ausgetragenen Weltmeisterschaften. Die nächste findet Ende August in Weston-super-Mare statt, einem englischen Ferienort in North Somerset.

„Das Hotel liegt direkt am Meer“, freut sich Silke Kossmann. Die 39-Jährige ist aus Bamberg nach Siegburg zum Turnier gekommen. „Die Ehrgeizigen sind die Männer“, sagt sie. „Wir Frauen sind mehr für den Spaß zuständig“. Das lasse sich auch an der Weltrangliste ablesen. Da steht die Oberfränkin auf Rang 24. Damit der Puck richtig über die Kunststoffscheibe rutscht, wird diese mit Gleitpulver bestreut. Manche pinseln dann noch, damit es schön gleichmäßig verteilt ist. Die Pfennig-Münzen sind beklebt, damit man die Teams besser auseinander halten kann. Und damit es mehr Spaß macht. Denn vor allem darum geht es.

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