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Trizonesien-Lied sorgte 1949 für Aufregung

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Der Rosenmontagszug um 1950.

Der Rosenmontagszug um 1950.

"Die Deutschen werden wieder frech", lautet im Frühjahr 1949 die Schlagzeile der altehrwürdigen britischen "Times". Nur vier Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der braunen Schreckensherrschaft wittert die Besatzungsmacht von der Insel aufkeimenden Revanchismus in Deutschland. Und es ist ein Kölner, der den Unmut der Briten erregt, ausgerechnet mit einem Karnevalshit: Texter, Komponist und Sänger Karl Berbuer und sein "Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien".

Am Elften im Elften 1948 stellt der gelernte Bäcker, damals 48 Jahre alt und bereits bekannt durch jecke Hits wie "Heidewitzka, Herr Kapitän", das "Trizonesien-Lied" im Rundfunk vor. Den Titel hat er kurzfristig noch ändern müssen. Eigentlich hieß das Werk "Bizonesien-Lied. Doch kurz vor dem 11. November wird die britisch-amerikanische Bizone mit der französischen Zone zur Trizone vereinigt.

Bald schmettert man den Song in ganz Deutschland. Und beim ersten internationalen Radrennen in Köln erklingt bei einer Siegerehrung nach den Hymnen Belgiens und der Schweiz das "Trizonesien-Lied" - als deutsche Ersatz-Nationalhymne. Daß das Ausland zunächst irritiert ist, verwundert bei oberflächlicher Betrachtung des Songs keineswegs: "Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien, Hei-di-tschimmela, tschimmela-bumm, Wir haben Mägdelein mit feurig-wildem Wesien... Wir sind zwar keine Menschenfresser, doch wir küssen umso besser... Mein Lieber Freund, Die alten Zeiten sind vorbei, ob man da lacht, ob man da weint, Die Welt geht weiter, eins, zwei, drei..."

Ziemlich selbstbewußt - jedoch, wer genau hinhört, entdeckt schnell, was Berbuer (der 1977 gestorben ist) wirklich will. Die Verballhornung des im Dritten Reich zur Religion erhobenen "Deutschen Wesens" zum "Wesien", das ist alles andere als Nazi-Ideologie. Mit Berbuers Menschenfressern, die umso besser küssen, hat sich sogar die Wissenschaft beschäftigt. In einer Untersuchung "Zur psychologischen Funktion des Karnevalsschlagers" steht darüber geschrieben: "Der in Selbstironie verpackte Wunsch, die nationale Isolation zu überwinden".

Und auch das Ausland versteht bald und lernt den Song lieben: Vor einem Fußballspiel in einem englischen Kriegsgefangenenlager zwischen Einheimischen und deutschen Gefangenen stimmt die Kapelle zunächst die englische Hymne "God save the King" an, dann das "Trizonesien"-Lied - und alle salutieren.

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