Eine Datenanalyse zeigt: Auf allen drei Ausweichrouten über den Rhein bricht der Berufsverkehr regelmäßig zusammen.
Datenanalyse zur NordbrückeBonn erstickt im Stau – ADAC zieht nach Sperrung Bilanz

Die Situation auf der A4 zwischen dem Kreuz Köln-West und der AS Klettenberg hat sich durch die Sperrung der Bonner Nordbrücke und der Fahrbeschränkungen für Lkwi durch die Gewichtsbeschränkung der Brücke in Höhe des Container-Bahnhofs Eifeltor deutlich verschärft. Foto: Arton Krasniqi
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Welche Folgen die Sperrung der Bonner Nordbrücke für die Region Köln/Bonn auf Dauer haben könnte, dazu liegen erste Erkenntnisse vor. Auf den drei Ausweichrouten A4 mit der Rodenkirchener Brücke in Köln, der B56 mit der Kennedybrücke und der A562 (Konrad-Adenauer-Brücke) in Bonn haben sich die Staus deutlich verlängert. Auch auf der B9 stockt der Verkehr gewaltig.
Das geht aus einer Datenanalyse des ADAC Nordrhein hervor. Dazu hat der ADAC die Staudauer der vergangenen Woche (15. bis 21. Juni) mit den Zahlen aus der Woche vor der Sperrung (4. bis 10. Mai) verglichen.
„Bonn leidet zu den Hauptverkehrszeiten extrem unter der Sperrung der Nordbrücke. Unsere Analyse zeigt, wie wichtig es ist, dass der ambitionierte Zeitplan für den Neubau der linksrheinischen Vorlandbrücke eingehalten wird. Jeder Tag, an dem die Brücke gesperrt ist, stellt die Menschen in Bonn und der Region auf eine harte Belastungsprobe“, sagt ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold.
Jeder Tag, an dem die Brücke gesperrt ist, stellt die Menschen in Bonn und der Region auf eine harte Belastungsprobe
Vor allem auf der Route über die Kennedybrücke (B56) brauchen Autofahrer aktuell viel Geduld. Zwischen Bonn-Vilich (Anschlussstelle A59) und dem Endenicher Ei steckten Pendler stadteinwärts 93 Stunden in Stau und stockendem Verkehr fest - ein Zuwachs von 66 Prozent. Stadtauswärts summierten sich die Staustunden in der vergangenen Woche auf 107 (plus acht Prozent).
Mehr Zeit müssen Autofahrer auch bei der Rheinquerung über die Konrad-Adenauer-Brücke einplanen. Auf der A562 zwischen dem Kreuz Bonn-Ost und der Anschlussstelle Bad Godesberg hat sich die Staudauer mehr als verdoppelt. Sie stieg in der Summe beider Richtungen von 16 auf 36 Stunden.
Wer linksrheinisch von der Anschlussstelle Bad Godesberg über die B9 Richtung Innenstadt fährt, kommt bis zur Berliner Freiheit ebenfalls nur langsam voran. Auf diesem Abschnitt mit der Adenauerallee erhöhte sich die Stauzeit um 150 Prozent, von 14 auf 35 Staustunden. In Gegenrichtung (Berliner Freiheit bis Bad Godesberg) nahm sie von zwei auf sieben Stunden zu „Die Zahlen zeigen, dass man auf der Adenauerallee über eine temporäre Rücknahme der Fahrradspuren nachdenken kann. Hier gibt es für Radfahrer vernünftige Ausweichrouten über die Kaiserstraße oder entlang des Rheinufers“, sagt Suthold.
Auch auf der A555 zwischen dem Kreuz Bonn-Nord und dem Kreuz Köln-Süd gab es längere Staus. Die Dauer stieg um 76 Prozent von 38 auf 67 Staustunden. In Richtung Bonn bleibt die Stausituation auf diesem Abschnitt moderat, hier betrug die Staudauer vergangene Woche drei.
Auch die A4 in Köln bleibt nicht verschont. Zwischen dem Kreuz Köln-Süd und dem Dreieck Heumar (Rodenkirchener Brücke) stieg die Stauzeit laut Verkehrsdatenbank in der Summe beider Richtungen um knapp 35 Prozent von 78 auf 105 Stunden.
Entspannung zwischen Heumar und Bonn-Ost
Rückläufig war die Staudauer im auf der A59 zwischen dem Dreieck Köln-Heumar und dem Kreuz Bonn-Ost. In Richtung Bonn sank die Stauzeit auf diesem Abschnitt um 36 Prozent, in Richtung Köln um 45 Prozent. Betrachtet man jedoch nur den A59-Abschnitt vom Dreieck Bonn-Nordost bis zum Kreuz Bonn-Ost stieg die Staudauer hier von zwei auf fünf Stunden. Der ADAC Nordrhein empfiehlt, genau zu überlegen, welche Fahrten im Bonner Stadtgebiet unbedingt mit dem Auto zurückgelegt werden müssen. Im Nahbereich sei das Fahrrad eine gute Alternative. Einpendler sollten laut ADAC prüfen, ob sie P&R-Anlagen am Stadtrand nutzen und auf den ÖPNV umsteigen können. Pendlern, die flexible Arbeitszeitmodelle nutzen können, rät der ADAC, antizyklisch zu fahren und die Stoßzeiten zu meiden. Home-Office-Tage machten verkehrstechnisch am Mittwoch oder Donnerstag am meisten Sinn, da an diesen Wochentagen die Staugefahr am größten ist. Am Wochenende entspannt sich die Situation gerade auf den Autobahnen deutlich.
So werden die Staus berechnet
Der ADAC nutzt zur Stauermittlung Fahrzeugflotten mit ihren Geschwindigkeitsdaten. Nutzer von Online-Navigationsgeräten, Smartphone-Apps sowie Onboard-Units der Fuhrparks großer Speditionen liefern ständig anonymisiert und automatisiert ihre Positions- und Geschwindigkeitsinformationen der Straßen. Das sind im Durchschnitt rund zwei Milliarden Daten am Tag. Diese Live-Daten werden zur Berechnung von Verkehrsstörungen verwendet.
