Köln – Das Winterwetter mit Schnee, Eis und Temperaturen von bis zu minus 20 Grad beherrscht nach wie vor große Teile Deutschlands. Auf Straßen und Schienen kam der Verkehr in NRW am Dienstag erneut zu Stillstand. Durch liegengebliebene Lkw steckten auf der A2 bei Bielefeld Auto- und Lkw-Fahrer die ganze Nacht im Schnee fest – Helfer verteilten warme Getränke, Snacks, Decken und Sprit für leergesaugte Benzintanks. Bei der Deutschen Bahn blieb der Fernverkehr auf einigen Strecken komplett eingestellt.
Auf der A2 gab es in der Nacht zum Dienstag und noch bis zum Vormittag mehr als 30 Kilometer Stau in beide Richtungen. Was ist da passiert?
Aus Sicht der Autobahn GmbH Westfalen wurde das Verkehrschaos maßgeblich durch Lastwagenfahrer mitverursacht, die sich nicht an das Autobahn-Fahrverbot bis 22 Uhr gehalten haben. Viel zu viele Lastwagenfahrer hätten das Verbot missachtet, sagte Autobahn-Sprecher Bernd Löchter am Dienstag.
Nach Überzeugung eines Branchensprechers konnten Fahrer die Verbote teils gar nicht verstehen. „Schuld ist bei vielen ein Kommunikationsproblem, wenn auf diese Fahrverbote nicht reagiert wird“, sagte der Sprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung, Martin Bulheller. Ukrainische, weißrussische, kasachische Fahrer könnten Schilder in lateinischer Schrift vielfach gar nicht lesen, geschweige denn deutsche Verkehrsdurchsagen verstehen.
Mehr als 40 Prozent der Lastwagen in Deutschland kämen aus dem Ausland, vielfach mit Fahrern aus diesen osteuropäischen Ländern. Zudem fehlten bundesweit 35.000 bis 40.000 Lastwagen-Parkplätze. In der Schneenacht seien die Parkplätze überfüllt gewesen. „Wo sollten die Lkw denn hin?“, fragte Bulheller.
Wie sind die weiteren Aussichten für das Wetter?
Die Meteorologen rechnen damit, dass die Schneefälle abnehmen, die Temperaturen sollen aber vorerst eisig bleiben – womöglich bis tief in die nächste Woche hinein. „Dieses Wetter ist keine Geschichte für ein paar Tage“, sagt Karsten Brandt, Meteorologe vom Wetterdienst Donnerwetter.de, „man könnte sagen: Der Winter ist gekommen, um zu bleiben.“
Die Ursache dafür liegt in der Großwetterlage mit einer nordöstlichen bis östlichen Strömung, die Brandt als „Moskau-Berlin-Paris-Express“ bezeichnet. Solche Wetterlagen gelten als stabil. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir im späteren Februar oder im März noch einmal so einen Winterausbruch erleben“, sagt Brandt. Bei solch einer Wetterlage sei das eher die Regel als die Ausnahme.
Dieser Winter wird von vielen Menschen als extrem empfunden – stimmt das aus meteorologischer Sicht?
„In NRW fallen die Temperaturen noch bis auf minus 16 Grad, deutschlandweit werden sicher auch minus 20 und kälter gemessen“, sagt Brandt, der eine Wetterstation in Hellenthal-Udenbreth oben auf dem Weißen Stein betreibt, „da kann man gut auf Rekordjagd gehen – ungewöhnlich sind diese Temperaturen aber eigentlich nicht.“
In der Eifel und im Venn werde das Thermomete auf minus 13 und minus 15 Grad fallen – „Lufttemperatur wohlgemerkt“, sagt Brandt, „am Boden ist es noch kälter. Solche Wetterverhältnisse kommen halt mal vor – zwar seltener als früher, aber alle paar Jahre darf man damit rechnen.“

Auch für diesen LKW endete die Fahrt in einer Rutschpartie.
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Wann sind das letzte Mal solche Temperaturen gemessen worden?
„Im Winter 2012 gab es auch solch eine Phase im Februar, in der es sehr kalt war“, sagt Brandt. Ob man den aktuellen Winter damit vergleichen kann, lässt sich noch nicht bewerten. „Da muss man jetzt abwarten, wie der Februar weitergeht.“ Noch deutlich arktischer war der Winter des Jahres 2010 – damals waren auch der Dezember und der Januar sehr kalt.
Es hat ab Januar viel Niederschlag gegeben. Was bedeutet das für den Zustand der Böden?
„Da gibt es eine kleine gute Nachricht“, sagt Brandt, „dieser Winter war ab Januar sehr feucht, es gab viel Schnee, das kleine Rhein-Hochwasser der vergangenen Tage weist ja auf einen gewissen Wasser-Überschuss hin.“ Die Niederschläge hätten „ein bisschen“ geholfen: „Die obersten 60 bis 70 cm der Böden sind wieder komplett durchfeuchtet“, sagt Brandt, „das ist nicht selbstverständlich.“
Aber eine Entwarnung gibt es nicht. Brandt sagt: „Das Wasser muss den Pflanzen dann zur Verfügung stehen, wenn die Vegetation es braucht, und das ist noch keineswegs sicher.“
Wie geht es dem Wald in diesem Winter?
Wie nicht anders zu erwarten, kommt die Natur mit den äußeren Umständen ganz gut zurecht. „Waldbäume sind nicht so empfindlich. Sie treiben nicht beim ersten warmen Sonnenstrahl aus und gegen den Frost haben sie eine Art Frostschutzmittel eingelagert“, sagt Jan Preller, Förster beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW.
„Sind die Blätter weg, fällt der Baum in so etwas wie einen Winterschlaf. Seinen Wassergehalt im Stamm reduziert er auf ein Minimum.“ Einige Waldpflanzen – wie etwa der Bärlauch – sind gar auf Frostperioden angewiesen, um sich zu vermehren.
Für die Holzernte sind die eisigen Temperaturen gut – aus ganz praktischen Gründen: Bisher war es im Wald sehr nass und matschig; die Maschinen können auf dem durchweichten Untergrund nicht optimal arbeiten.
Wie kommen Schädlinge wie der Borkenkäfer mit den frostigen Temperaturen zurecht?
Generell verbringen Insekten den Winter meist als Eier, Puppen oder Larven im Boden, der Laub- beziehungsweise Nadelstreu oder unter der Rinde von Bäumen. Die Umwandlung körpereigener Stoffe hebt die Frosthärte der Insekten und macht sie sehr robust. Das gilt, wie die Fachleute bedauernd feststellen, auch für Borkenkäfer.
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Die Kombination aus heißen, trockenen Sommern, heftigen Stürmen im Herbst und milden Wintern soll die Vermehrung des Borkenkäfers begünstigen – stimmt das denn nicht?
„Doch, das ist auch so“, sagt Nicole Fiegler von Wald und Holz NRW, man müsse aber beim Borkenkäfer die unterschiedlichen Entwicklungsstufen in Betracht ziehen. Die ausgewachsenen Käfer überwintern im Boden, relativ gut kältegeschützt und vor allem ziemlich unempfindlich gegen Frost.
Die Larven und Jungkäfer hingegen suchen Unterschlupf unter den Rinden der Bäume – für die Larven kann es dort bei den aktuellen Temperaturen zu kalt werden. „Deren Entwicklung ist zu diesem Zeitpunkt nicht abgeschlossen“, sagt Nicole Fiegler, das mache sie immerhin anfällig.
Größerer Probleme als ein strenger Winter bereitet den Käfern ein steter Wechsel zwischen Milde und Frost – dann können sie ihren natürlich Frostschutz nicht schnell genug umstellen. (mit dpa)



