Achtmal waren Clowns in der Pflegeeinrichtung „Am Alten Stadttor“ in Bad Münstereifel zu Gast und brachten Abwechslung in den Alltag.
Auftritt im PflegeheimClowns machen Senioren in Bad Münstereifel eine Freude

Begeistert klatschen die alten Damen mit, wenn die Clowns Polly und Locke ein Lied anstimmen.
Copyright: Ulla Jürgensonn
In die Freude mischt sich Wehmut. „Wie, kommen die nicht mehr?“, fragt eine alte Dame traurig, als sie hört, dass der Auftritt der beiden Clowns der letzte war. Achtmal haben die Spaßmacher ein bisschen Abwechslung in den Alltag der Bewohner und Bewohnerinnen der Pflegeeinrichtung „Am Alten Stadttor“gebracht.
Als sie sich zum letzten Mal aufmachen zur Runde durch die Stationen, sind auch Suzan Erentok und Klaus Renzel ein bisschen wehmütig. Aber das sollen ihnen die alten Leute natürlich nicht anmerken. Schließlich wollen die beiden – mit Künstlernamen: Polly Polka und Locke Krause – einfach nur Freude machen.
Die beiden sind erfahrene Bühnenprofis, sie als Schauspielerin, Sprecherin und Regisseurin, er als Pantomime, Musiker und Comedian. Auch als Clowns sind sie schon lange unterwegs, in Kliniken oder wie in Bad Münstereifel in Pflegeeinrichtungen. „Ich habe in den Jahren viele gehen sehen“, sagt Suzan Erentok.
Die Rolle als Clown holt einen auf den Boden zurück.
Freundschaften seien entstanden, und bei manchen Besuchern habe sie instinktiv gewusst: „Den Menschen sehe ich heute zum letzten Mal.“ Klaus Renzel, der schon vor 35 Jahren in Münster der erste Klinikclown war, sieht das Positive: „Die Rolle als Clown holt einen auf den Boden zurück. Wir schenken den alten Leuten Lebensqualität.“ So reflektiert sind Locke und Polly nur, solange sie keine roten Nasen tragen.
Mit dem Accessoire wechseln sie gewissermaßen die Persönlichkeit, werden albern, übermütig, aber nie übergriffig. Sie habe gewissermaßen einen innerlichen Piloten, der dafür sorge, dass sie niemanden überfordere, sagt Polly. Auf Station 1 ist die Freude groß, als die beiden lustigen Gestalten – Locke sprießt eine Blume auf dem ansonsten kahlen Kopf, Polly trägt knallrote Stulpen an Armen und Beinen – aus dem Aufzug steigen.
Schlagartig herrscht gute Laune
Das Kartenspiel bleibt unberührt auf dem Tisch liegen, schließlich werden die Hände zum Mitklatschen benötigt, als die Clowns Musik machen. „Die haben eine tolle Ausstrahlung“, findet eine Bewohnerin. Monika Wetzig pflichtet ihr bei: Sie freue sich, auch wenn der Besuch nicht lange dauere. Schlagartig herrscht gute Laune im Aufenthaltsraum.
Die Wirkung der Clowns ist verblüffend. Als Locke auf der Gitarre einen Tango spielt und mit Polly einige Tanzschritte andeutet, sagte eine alte Dame energisch: „Die Küsserei hier hört jetzt auf.“ Einrichtungsleiterin Karola dos Santos Ramos ist perplex: Die Frau sei hochgradig dement und sage kaum je ein Wort, geschweige denn einen ganzen Satz.
Der Verein „Rote Nasen“ organisiert Auftritte in Heimen
Die Auftritte der Clowns hatte die Pflegeeinrichtung bei einem Preisausschreiben gewonnen, im Nachgang zu einem Projekt der BKK. Die habe sieben Jahre lang ermöglicht, dass Clowns in Seniorenheimen aufgetreten seien.
Der Verein „Rote Nasen“, der in Berlin beheimatet ist, habe dafür in ganz Deutschland mit Klinikclowns zusammengearbeitet. Nachdem das Projekt geendet habe, habe Bringliesel, eine Plattform, über die pflegebedürftige Menschen einkaufen können, acht Clown-Visiten verlost.
Die Seniorenresidenz „Am Alten Stadttor“ wird von Compassio, einem bundesweit tätigen Anbieter in der Seniorenpflege, betrieben. Die Einrichtung an der Trierer Straße feiert am Samstag, 8. August, ab 14 Uhr ihr 15-jähriges Bestehen mit einem Sommerfest. Höhepunkt wird der Auftritt des Howard-Carpendale-Doubles Udo Menningen sein.

