Abo

St.-Michael-GymnasiumBad Münstereifeler Schüler zeigten, wie absurd Krieg ist

3 min
Die Schülerinnen und Schüler bilden auf der Bühne zwei Gruppen. Die einen tragen T-Shirts in Pink, die anderen sind in Oliv gekleidet und zeigen eine Flagge mit dem Reichsadler.

Aufgeteilt in Widerstandskämpfer und Kollaborateure, glaubten beide Seiten, für das Gute einzustehen.

Sartres Stück „Tote ohne Begräbnis“ boten die Schülerinnen und Schüler in Bad Münstereifel in einer eigenen Interpretation.

Besser hätten die Schülerinnen und Schüler des St.-Michael-Gymnasiums den Verlauf ihrer Theateraufführung kaum zusammenfassen können als mit ihrem gemeinsamen Aufmarsch im Theaterkeller. Unter den Zuschauern war bereits erwartungsvolle Stille eingetreten, als plötzlich von außen laute Gesänge in den Raum schallten. Sekunden später polterten die Nachwuchsschauspieler durch die Eingangstür, aus voller Kehle „O, du schöner Westerwald“ singend.

Widerstandskämpfer waren am rosafarbenen T-Shirt zu erkennen

Auf der Bühne angekommen, formierten sie sich zu zwei Gruppen, den in pinkfarbene Shirts gekleideten Widerstandskämpfern und den oliv-grünen Kollaborateuren. Die nicht weniger lautstark vorgetragenen Ziele beider Parteien während des Zweiten Weltkrieges verdeutlichten schon in den ersten Minuten: Es wird laut, es wird rau und auch ein wenig skurril.

Als Vorlage für die Aufführungen am Wochenende diente dem Literaturkurs der Q1 die düstere Erzählung „Tote ohne Begräbnis“ von Jean-Paul Sartre, die dem Publikum die auch fernab von der Front vorherrschenden Schrecken des Krieges vor Augen führte.

In der Zelle warteten die Verhafteten auf ihr Verhör

Eine kleine Gruppe der damals in Frankreich aktiven Résistance wurde von den Nazi-Kollaborateuren gefangen genommen und für weitere Verhöre in eine kleine Zelle gesperrt. Erste Dialoge ließen erahnen, dass auch ihr Weg des Widerstandes nicht ohne unschuldige Opfer vonstatten gegangen ist, und tiefe Verzweiflung machte sich unter ihnen breit.

Auf mitreißend emotionale Art präsentierten die Schülerinnen und Schüler den Umgang der einzelnen Insassen, die alle auf ihre persönliche Art auf diese hoffnungslose Lage reagierten. Der Jüngste unter ihnen, Francois (in wechselnder Besetzung gespielt von Alex Schellenberg und Darius Pantea), droht schon früh der seelischen Belastung zu erliegen, und auch die übrigen verfallen immer mehr der Angst vor Folter und dem nächsten Verhör.

Wir haben auch viele komische Elemente eingebaut, indem wir zum Beispiel Kuscheltiere als Folterinstrumente nutzen.
Simon Parschau, Schüler

In einigen Details unterschied sich die Aufführung am St.-Michael-Gymnasium jedoch deutlich vom Original. „Wir haben auch viele komische Elemente eingebaut, indem wir zum Beispiel Kuscheltiere als Folterinstrumente nutzen“, erklärte Simon Parschau, der die Rolle des Folterers Landrieu übernommen hatte.

Diese so niedlich wirkenden Stofftiere sollten dennoch nicht dazu dienen,  die Situation an sich zu verharmlosen, wie Lehrer und Regisseur Thorsten Krause betonte. „Wir wollten keine echten Folterszenen zeigen, das hätte für das Stück keinen Mehrwert gebracht. Vielmehr wollten wir verdeutlichen, wie unwirklich und albern Menschen miteinander umgehen können.“

Schmerzensschreie der Gefolterten waren zu hören

Wie schon Sartre in seinem Original auf die Absurdität vieler Handlungen von Menschen in derartigen Situationen anspielt, wurde auch bei der Theateraufführung der Q1 großer Wert auf diesen scheinbaren Konflikt zwischen Handlung und Erscheinungsbild gelegt.

„Dieser Kontrast zwischen ernster und aggressiver Sprechweise und verspielten Bildern wirft noch einmal ein ganz anderes Licht auf die Situationen“, so Krause. Waren eben noch im Hintergrund die Schmerzensschreie eines Gefolterten zu hören, diente schon im nächsten Augenblick eines der Kuscheltiere als Tanzpartner für die Insassen, die sich damit selbst von ihrer hoffnungslosen Lage ablenken wollten.

Die Moralvorstellungen verschoben sich

Den jungen Akteuren gelang es von der ersten Minute an, ihr Publikum in diese Abgründe menschlicher Handlungen und Gefühle einzusaugen. Waren die Widerstandskämpfer zunächst noch die klaren Sympathieträger, näherten sie sich mit ihren Handlungen und den sich stets weiter verschiebenden Moralvorstellungen mehr und mehr den Gräueltaten der Nazi-Kollaborateure an.

„Konflikte und Folter sind leider auch heute noch in vielen Teilen der Welt sehr aktuell“, erklärte Thorsten Krause. Solche Themen dürfe man nicht ausblenden und die Aufführung zeige deutlich, wie absurd Kriege und ihre Folgen für alle Beteiligten seien.