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Tierische Tour de FranceZwei Männer fahren mit einer Ape und einer Ente nach Taizé

4 min
Gerd Weinand (l.) steht neben seiner Ape (l.), Torsten Pormann neben seinem 2CV.

Aufsehen werden sie in jedem Fall erregen: Gerd Weinand (l.) und Torsten Pormann fahren mit Ape und Ente nach Taizé.

Sie erregen überall Aufsehen: Gerd Weinand und Torsten Pormann fahren mit einer Ente und einer Ape nach Taizé.

Jede Reise ist ein Aufbruch ins Ungewisse. Über die Tour von Gerd Weinand und Torsten Pormann lässt sich aber schon jetzt zweierlei mit Sicherheit sagen: Sie werden nicht schnell unterwegs sein. Und sie werden Aufsehen erregen. Die beiden sind am Freitag von Euskirchen zu ihrer Fahrt nach Taizé aufgebrochen. Weinand in einer Piaggio Ape, einem dreirädrigen italienischen Kleintransporter, Pormann in einer alten Ente, einem Citroën 2CV.

Wenn es ein Rennen wäre, so wären die Chancen sehr ungleich verteilt. Zwar ist die Ente schon 47 Jahre alt, die Biene – so die Übersetzung des italienischen Namens und ein Hinweis auf ihren unermüdlichen Arbeitseinsatz in ihrem Heimatland – erst elf Jahre. Aber die Ente kommt mit ihren 27 PS auf rund 120 Stundenkilometer, die Bienemit mit zehn PS maximal auf 65 km/h.

Auf der Fahrt von Euskirchen nach Taizé geht's nicht um Geschwindigkeit

Doch um Geschwindigkeit geht es ja gar nicht bei der tierischen Tour de France. Im Gegenteil. Die Männer wollen in der Gemeinschaft von Taizé eine Woche der Besinnung verbringen. Die Entschleunigung beginnt schon auf dem rund 600 Kilometer langen Weg dahin. Es gehe darum, anders als im Alltag Stress zu vermeiden, sagt Pormann. „Obwohl wir doch eigentlich alt und klug sind, tappen wir immer wieder in die Stress-Falle“, sagt der 64-Jährige: „Mit unseren Autos sind wir zur Langsamkeit gezwungen.“

Wenn man einmal da gewesen ist, zieht Taizé einen an wie ein Magnet.
Gerd Weinand

Oder auch, wie Weinand sagt: „Wir genießen die Langsamkeit.“ Der 78-Jährige hat Erfahrung darin, langsam nach Taizé zu fahren. Vor drei Jahren hat er den Weg mit einem Motorroller absolviert – und am Ziel Torsten Pormann kennengelernt. Weil er ihn auf die Oldtimer-Ente angesprochen hatte. Und der 2CV-Fahrer seinerseits den Roller spannend fand. Seitdem sind sie Freunde.

Gerd Weinand und Torsten Pormann kleben ein Plakat auf die Fahrertür der Ente..

Vor dem Start bekleben die beiden Männer ihre Autos noch mit einem Plakat, das sie für die Tour entworfen haben.

Blick in das Innere des Kleintransporters mit Matratze und Gepäck.

Der dreirädrige Kleintransporter ist zum Wohnmobil umfunktioniert, mit Matratze, Campingtoilette und Bildern an der Wand.

Was zieht die beiden Männer hin zu der ökumenischen Glaubensgemeinschaft im Burgund? Der Ort tue ihnen gut, sagen sie. Als er vor drei Jahren zum ersten Mal dort gewesen sei, habe er den Spirit gefühlt, formuliert Torsten Pormann. „Wenn man einmal da gewesen ist, zieht Taizé einen an wie ein Magnet“, schildert Gerd Weinand: „Alles an dem Ort strahlt Frieden aus.“ Luxuriös ist das Leben dort nicht. Immerhin bekommt Weinand wegen seines fortgeschrittenen Alters ein Einzelzimmer.

Die Ape ist zum Wohnmobil umgerüstet

Statt von üppigem Essen und Rotwein – wie andere Frankreich-Reisende – schwärmen die Männer vom Abendgebet in der riesengroßen Kirche, in der es statt Stühlen Kniebänkchen gibt. Dazu fällt Torsten Pormann eine Anekdote ein: Vor drei Jahren habe er versucht, sich auf eines dieser Kleinmöbel zu setzen. Und landete prompt wie ein Käfer auf den Rücken.

An das bescheidene Leben können sich die beiden unterwegs schon mal gewöhnen. Die Ape ist umgerüstet zum Wohnmobil. Auf der Ladefläche liegt eine Matratze, rundherum ist das Gepäck verstaut. Sogar eine Campingtoilette hat Platz gefunden. Pormann wird die beiden Nächte der Drei-Tages-Tour im Zelt verbringen. Ein bisschen angenehm will er es sich und seinem Freund aber doch machen. In den alten Koffer, der hinten auf die Ente geschnallt ist, hat er Töpfe und einen Gaskocher gepackt.

Auf den letzten Drücker wird ein Abschleppseil besorgt

Gerd Weinand, der schon auf vielen Pilgerpfaden unterwegs war, stellt eines klar: „Das ist keine Pilgerfahrt.“ Zum einen sei Taizé kein Pilgerort. Zum andern: „Beim Pilgern geht es darum, im Gehen mit Gott in den Dialog zu kommen.“ Was man sich beim Knattern des kleinen Zweitakt-Motors nur schwer vorstellen kann. Auf kleine Pannen unterwegs sind die Reisenden eingerichtet. Sie haben ein bisschen Werkzeug dabei, auch Zündkerzen. Einen 2CV in Frankreich reparieren zu lassen dürfte kein Problem sein. Aber eine von Piaggio hergestellte Ape?

Am Vorabend fällt ihnen ein, dass ein Abschleppseil ja auch nicht schlecht wäre. Was früher in jedem Auto zur Grundausstattung gehörte, muss auf den letzten Drücker noch eingekauft werden. Mit Gottvertrauen und Humor gehen die beiden die lange Strecke an. Beide Autos werden mit einem Plakat beklebt. „Ape vs. 2CV“ steht darauf, und: „Hamburg – Euskirchen – Taizé“. Denn Torsten Pormann hat schon vor dem Start einiges an Kilometern hinter sich: Er kommt aus Seevetal in der Nähe von Hamburg.

Was wäre eine Tour de France – und sei es auch eine tierische – ohne gelbes Trikot? Torsten Pormann hat an alles gedacht und für jeden gleich einen Satz der legendären Shirts drucken lassen – natürlich auch mit Biene und Ente. Das gelbe für den Führenden der Gesamtwertung, auch wenn es die in diesem Fall ja gar nicht gibt. Das grüne für den besten Sprinter und das mit den roten Tupfen für den besten Bergfahrer, was angesichts der Motorleistung von Selbstironie zeugt. Auf das weiße für den besten Nachwuchsfahrer haben die beiden allerdings verzichtet.