Heinz-Gerd Müller hat der Geschichte des heiligen Alderikus nachgespürt. In Füssenich erinnert eine Kapelle an den Laienbruder und Schweinehirten.
HistorieIn Füssenich wurde ein Schweinehirte zum Heiligen

Malerisch zwischen alten Bäumen liegt die Alderikus-Kapelle am Ortsrand von Füssenich.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Es ist ein überraschender Ort in der nicht sehr abwechslungsreichen Landschaft der Zülpicher Börde. Ein grüne Insel, zwischen dem Laub der alten Bäume sieht der Wanderer oder Radfahrer schon von weitem den Turm einer Kapelle hervorlugen und das Weiß der Mauern schimmern. Hier möchte man rasten, zur Ruhe kommen. Die Alderikus-Kapelle liegt nicht weit vom Füssenicher Ortsrand entfernt.
Bis heute führt die Fronleichnamsprozession alljährlich zu dem kleinen Gotteshaus, dessen Geschichte Heinz-Peter Müller nachgespürt hat. Müller veröffentlicht auf der Homepage seines Historyclubs Texte zur Zülpicher Stadtgeschichte. Eigentlich wollte er ja aufhören, erzählt er. Aber das ist nicht so einfach, wenn man eine Leidenschaft für die Historie hat und dazu eine treue Leserschaft. Also hat er weitergemacht.
Bücher werden durch Spenden finanziert
Ob der Text über die Alderikus-Kapelle als Büchlein erscheinen wird, weiß er noch nicht. Denn seine Veröffentlichungen finanziert er über Spenden, verschenkt die gedruckten Exemplare dann an Seniorenheime und andere Einrichtungen. Die Kapelle selbst ist nicht sehr alt, sie wurde erst Anfang des vergangenen Jahrhunderts errichtet.

Eines der bunten Fenster zeigt den Heiligen Alderikus.
Copyright: Ulla Jürgensonn

Heinz-Peter Müller schreibt Bücher über die Zülpicher Geschichte.
Copyright: privat/H.-P. Müller

Aus der Quelle hinter der Kapelle fließt nur wenig Wasser. Doch es gibt Menschen, die ihm heilende Wirkung zuschreiben.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Viel älter ist die Legende, die sich um den Ort rankt. Die erzählt, dass der junge Alderikus, der aus einer königlichen französischen Familie stammte, irgendwann um das Jahr 1200 auf einer Pilgerreise ins Kloster Füssenich kam. Dort übernahm er als Laienbruder die niedrigsten Dienste: Er hütete die Schweine.
Bei einer Epidemie in Füssenich steckte er sich an, lag bei der Schweineherde fiebernd im Sterben. Als er Durst hatte, sandte ihm Gott einen Engel, der ihm befahl, mit seinem Hirtenstab in den Boden zu stechen. Müller schreibt: „Und das Wunder geschah: Sofort spritzte aus der gemachten Öffnung kristallklares Wasser, mit der er sich und die gesamte Herde erquickte.“
Das Wasser der Quelle soll bei Augenleiden helfen
Bis heute wird dem Wasser der Quelle, die hinter der Kapelle in ein kleines Becken eher im dünnen Strahl rinnt als sprudelt, heilende Wirkung bei Augenleiden nachgesagt. 1904 gab es in Füssenich Pläne, an der Kapelle eine Kapelle zu bauen. Damit wurde 1913 begonnen, doch dann begann der Erste Weltkrieg. Erst 1920 wurde der Bau vollendet. 10.000 Mark waren damals für das Projekt veranschlagt worden, das Grundstück hatte ein Bürger zur Verfügung gestellt.
Detailliert schildert Heinz-Peter Müller die Bauarbeiten, aber auch die Ausstattung des kleinen Gotteshauses, das seit 1993 auf der Denkmalliste der Stadt Zülpich steht. Rechts und links vom Altar zeigen zwei bunte Fenster den heiligen Alderikus und den heiligen Hermann-Joseph von Steinfeld. Sogar eine Seite aus dem Auftragsbuch der Glasmalerei Oidtmann aus Linnich, die die insgesamt sechs Buntglasfenster geliefert hat, kann man auf der Homepage des Historyclubs anschauen.
Der Text, reich bebildert mit historischen wie aktuellen Motiven, folgt dem Weg des Quellwassers ebenso wie der Geschichte des Füssenicher Klosters. Ein Kapitel ist dem Ehrenmal und den sechs Gedenkstelen gewidmet, die in dem kleinen Park an der Kapelle an die Füssenicher erinnern, die aus den beiden Weltkriegen nicht zurückgekehrt sind.
