Die Rochus-Musikschule nutzt die Sommerferien für einen dringend benötigten Umbau. An der Frontseite entsteht gerade ein neuer Anbau, der mehr Räume bieten soll.
Mehr PlatzDie Rochus-Musikschule in Bickendorf bekommt einen Anbau

Bis Anfang Januar sollen die Arbeiten beendet sein, der Schulbetrieb läuft ohne Einschränkungen weiter: Patrick Kuhl und Philipp Matina von Matina Bau, Ariane Skupch und Norbert Krämer (v.l.) sind da sehr optimistisch.
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Die Sommerferien haben begonnen, punktgenau auch die Arbeiten für den neuen Anbau der Musikschule, die gerade ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert hat. Das letzte runde Jubiläum – 2016, zum Zehnjährigen – war ebenfalls mit Veränderungen verbunden. Denn die katholische Kirchengemeinde hatte gerade ihr neues Gemeindezentrum Bios Inn bezogen und neue Kita-Räumlichkeiten eingeweiht. So konnte man das alte Kindergartengebäude neben St. Rochus der Pfarrmusikschule überlassen.
Verglichen damit nimmt sich der geplante Anbau mit einer Fläche von etwa 50 Quadratmetern, der an der Frontseite des Gebäudes entsteht, eher bescheiden aus. „Wir brauchten dringend neue Räume für die Verwaltung und Gespräche mit den Eltern“, erklärt Ariane Skupch, die die Musikschule zusammen mit Krämer leitet und für den Geschäftsbereich des gemeinnützigen Vereins zuständig ist. „Auch die Lehrkräfte hatten sich einen eigenen Raum gewünscht.“
Kosten belaufen sich auf einen mittleren sechsstelligen Betrag
Investiert wird außerdem in die ökologische Nachhaltigkeit. Die alte Gasheizung wird durch ein Luft-Luft-Wärmepumpen-System ersetzt, das sommers wie winters für angenehme Temperaturen sorgt. Betrieben wird es von einer Photovoltaikanlage, die auf dem Dach installiert wird. Die Kosten belaufen sich auf einen Betrag in mittlerer sechsstelliger Höhe. Der Verein finanziert diese teils über einen Kredit, teils kann er auf Rücklagen zurückgreifen.
Diese waren einst für ein ehrgeiziges Projekt angespart worden, denn im Garten sollte ein zweigeschossiges Gebäude mit einer Grundfläche von rund 100 Quadratmetern, einem Konzertsaal und weiteren Unterrichtsräumen entstehen. Doch dann kam einiges dazwischen. Zunächst die Corona-Pandemie, die trotz der Solidarität zahlreicher Eltern, die ungeachtet des Unterrichtsausfalls und der Zoom-Stunden weiter Geld überwiesen, ihre Spuren hinterließ: „Etwa 15 Prozent der Schüler haben wir damals verloren“, so Skupch.
Gestiegene Baukosten sorgten für eine Verschiebung des Projekts
2022 folgte der Ukraine-Krieg, der aufgrund der Erhöhungen bei Material- und Energiepreisen die Baukosten enorm steigerte. Schließlich, wenige Monate später, das sogenannte „Herrenberg-Urteil“ des Bundessozialgerichts, das es Musikschulen nach einer Übergangsfrist bis Ende 2026 enorm erschwert, Lehrkräfte lediglich auf Honorarbasis einzustellen. Bei einer festen Anstellung aber werden für die Schulen Zahlungen in die Sozialversicherungen fällig: „Eine krasse Umstellung, wenn nicht noch eine andere Regelung gefunden wird, werden viele private Musikschulen das nicht überleben“, meint Ariane Skupch.
Die Rochus-Musikschule bereitet sich auf die Umstellung vor. Von den 60 Lehrkräften sind mittlerweile 25 fest angestellt, im vergangenen November wurden die Gebühren für die Stunden um 20 Prozent erhöht: „Da sind etwa zehn Prozent der Schüler abgesprungen“, berichtet Skupch. Vor allem aber hat die Musikschule ein neues Konzept entwickelt: Bei „Spiel mit“ handelt es sich um ein Kursprogramm für Kinder im Grundschulalter, bei dem maximal zehnköpfige Gruppen zunächst spielerisch Grundlagenkenntnisse über Noten oder Rhythmen erlernen. Außerdem werden sie in Modulen wie der Gitarren-Gang oder den Streichhörnchen in unterschiedliche Instrumentengruppen eingeführt und können irgendwann entscheiden, womit sie weitermachen möchten.
„Die Instrumente verleiht die Schule auch, für Eltern ist das günstiger, sie müssen nicht gleich eine teure Geige kaufen“, erklärt Ariane Skupch. Auch koste die Teilnahme an „Spiel mit“ nur 220 Euro pro Halbjahr, beim Einzelunterricht geht es erst bei 92 Euro pro Monat los. Skupch liegen aber nicht zuletzt die pädagogischen Vorteile am Herzen: „Die Kinder spielen von Anfang an in Bands oder kleinen Orchestern mit, das wirkt der zunehmenden Vereinzelung entgegen“, sagt die Schulleiterin. „Aber auch der Vorstellung, Musik sei ein Hobby, das man mit einer Stunde pro Woche abhaken kann. Es sollte wie beim Fußball sein: Unter der Woche trainiert man zusammen, am Wochenende trifft man sich mit seinen Kumpels zum Spielen.“
Insgesamt sieht Ariane Skupch für die Musikschule, die derzeit 900 Schüler, Dependancen in Longerich und Neuehrenfeld sowie eine Warteliste hat, optimistisch in die Zukunft. „Wir können uns auch behaupten, weil uns die katholische Kirchengemeinde die Räume zu sehr günstigen Konditionen überlässt.“ Und auf der Feier zum 20-jährigen Bestehen wurde deutlich, wie wichtig die Schule der Gemeinde ist: „Sie zieht Leute an, die sonst nicht so viel mit Kirche zu tun haben.“
