Pünktlich zum fünften Jahrestag des Hochwassers in Bickendorf ist ein zentraler Baustein der Flutprävention der Stadt Köln fertig: Das Regenrückhaltebecken.
Fünfter JahrestagWie die Flut Köln-Bickendorf verändert hat
Mit einem haarsträubenden Quietschen zieht der Kranführer einen meterlangen Stahlstreben aus dem Erdreich, die einen Betonkasten umgeben haben. Es ist der drittletzte von knapp drei Dutzend. „Der Berliner Verbau war dazu nötig, die Baugrube zu stabilisieren“, erklärt Bauleiter Bastian Lehmann von der Firma Meyer. Diese ist als Totalunternehmer damit beauftragt worden, das neue Regenrückhaltebecken der Stadtentwässerungsbetriebe zu bauen. Das unterirdische Becken ist die zentrale Maßnahme, um eine Überflutung wie vor fünf Jahren in Zukunft zu verhindern. „Das Becken fasst 500.000 Liter, das sind 2000 Badewannenfüllungen“, erklärt Christian Gattke, Geschäftsbereichsleiter Wasserwirtschaftliche Grundlagen und Investitionen der Steb Köln, auf der Baustelle des Lindweiler Hofs.

Detlef Nitz steht vor seinem Haus an der Subbelrather Straße, die Hochwassermarke zeigt den Wasserstand vom 14. 7. 2021.
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Hier stand bis vor fünf Jahren die Förderschule für geistige und emotionale Entwicklung. Die Schule bestand aus mehreren einzelnen, eingeschossigen Flachbauten. Viele Räume, wie ein Musikraum, eine Lehrküche, ein Schwimmbecken und ein Lagerraum, waren im Keller. Das Wasser, das an diesem 14. Juli 2021 unaufhörlich von morgens bis abends vom Himmel fiel, stand schließlich 40 Zentimeter hoch auf dem Gelände.

Geschäftsinhaber Michael Pferrer (l.) und Anwohner Detlef Nitz stehen vor der Baustelle Lindweiler Hof. Das denkmalgeschützte Gutshaus bleibt stehen, drumherum werden verschiedene Schulgebäude entstehen.
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Neben der Förderschule, die es jetzt nicht mehr gibt, unterhält die Steb ein Pumpwerk an der Subbelrather Straße. Wegen einer topografischen Senke sammelt sich hier an der Einmündung Teichstraße bei Starkregen immer besonders viel Wasser. Nicht umsonst heißt die Straße, wie sie heißt. Anfang des 20. Jahrhunderts lag hier auch der sogenannte Kradepohl, ein Dorfteich, dessen Wiederherstellung sich viele engagierte Nachbarn auf dem Schulgelände gewünscht hatten. Das Pumpwerk pumpt das Wasser aus dem Kanal unter der Subbelrather Straße in den höher gelegenen unter der Äußeren Kanalstraße, doch am 14. Juli 2021 war alles Pumpen vergebens. Auch das Pumpwerk selbst wurde von den Wassermassen zerstört.
Elektrik, Pumpen und Notstromersatz-Anlage wurden in Bickendorf erneuert
Die Steb haben deshalb verschiedene Maßnahmen in den vergangenen fünf Jahren umgesetzt: Das Pumpwerk wurde mit neuen Pumpen ausgestattet, die Elektrik komplett erneuert. „Die Pumpleistung wurde um 50 Prozent erhöht“, berichtet Christian Gattke. Auch die Notstromersatz-Anlage, die damals ausfiel, wurde erneuert. „Um das Bauwerk selbst zu schützen, bekommt es auch noch druckdichte Türen“.

Bastian Lehmann leitet die Schulbaustelle Lindweiler Hof, Christian Gattke von der Steb erklärt die Funktion des Regenrückhaltebeckens.
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Detlef Nitz, der gegenüber wohnt, war am 14. Juli 2021 nicht zu Hause. „Als ich am Tag danach zurückkam, lagen all die zerstörten Dinge auf dem Bürgersteig, die die Anwohner aus ihren Kellern geräumt hatten. Auch bei mir stand das Wasser 1,20 Meter hoch im Keller.“

Die Teichstraße mündet in die Subbelrather Straße: Der Regen, der am 14.7.2021 wie aus Kübeln fiel, überflutete die zentrale Verkehrsader von Bickendorf. Zahlreiche Keller liefen voll.
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Zum Glück hatte er ein Jahr vorher eine Elementarschaden-Versicherung abgeschlossen, die für die Schäden aufkam. „Die ganze Elektrik musste erneuert werden.“ Vor seinem Hauseingang hat er nun zwei Schienen anbringen lassen. Dort kann er im Fall der Fälle mobile Schutzwände einlassen, um das Eindringen des Wassers zu verhindern.
Steb steuern die Kanalkapazität
Christian Gattke ist überzeugt, dass das Wasser in der Subbelrather Straße auch bei einem Starkregenereignis wie im Jahr 2021 nicht mehr so hoch stehen würde wie damals. „All die Maßnahmen, die wir seither ergriffen haben, sorgen dafür, dass es höchstens noch 10 Zentimeter hoch in der Straße stehen würde, nicht mehr 50 wie damals.“ Eine der Maßnahmen, die quasi aus der Ferne funktioniert, ist die Steuerung eines Flutwehrs in der Scheibenstraße. „Damit können wir die Kapazität des Kanals regulieren“, erläutert der Fachmann.

In dem Eckhaus an der Teichstraße 2 war bis zum 14. Juli 2021 ein Kiosk. Inzwischen steht das Haus leer und verwahrlost zusehends.
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Detlef Nitz hat von seiner Wohnung im zweiten Stock aus einen Logenblick auf die Baustelle des Lindweiler Hofs, wo jetzt mehrere Schulgebäude mit einer Kapazität von 1000 Schülern plus Kindertagesstätte entstehen. Zunächst soll sie das Interim werden für das Montessori-Gymnasium, das seit Jahren Sanierungsbedarf hat. Danach wird es vermutlich eine Gesamtschule. Auf dem Regenrückhaltebecken werden einmal Jugendliche toben. Darauf wird einer von mehreren Schulhöfen entstehen. „Mir kommt das alles etwas beengt vor“, sagt der ehemalige Lehrer, der 30 Jahre an der Gesamtschule Holweide tätig war.

Die Pumpen im Pumpwerk der Steb wurden erneuert.
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Viele Anwohner hatten im Februar noch bei einer Bürgerversammlung ihre Zweifel an der Dimension der geplanten Schule angebracht. Zwei vier- und fünfgeschossige Gebäude, und dazu noch eine Mensa würden dem denkmalgeschützten Gutshaus Licht und Luft nehmen. Die nicht vorgesehenen Parkplätze für ein komplettes Lehrerkollegium samt zu erwartendem Hol- und Bringverkehr, machen den Anwohnern Sorgen. „Schon jetzt ist hier zu den Stoßzeiten ziemlich viel los“, sagt Nitz.

Das Regenrückhaltebecken der Steb fasst 500.000 Liter Wasser.
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Aber immerhin wird die Schule „wasserdicht“ sein. Dafür hat die Stadt Köln nun gesorgt. 2,5 Millionen Euro hat das Rückhaltebecken gekostet. Die Ertüchtigung des Pumpwerks noch einmal 1,1 Millionen Euro. Die Steb werden außerdem noch auf 25 Meter Länge eine besondere Entwässerungsrinne in die Subbelrather Straße einbauen, die das Wasser von der Straße schneller in das Rückhaltebecken ableitet. Im Baugrund des Schulneubaus hat die Firma Meyer zusätzlich sechs Rigolen verbuddelt. „Das sind Plastikelemente, die aussehen wie umgedrehte Wasserkästen“, erklärt Bauleiter Lehmann. Die Vorrichtungen können vorübergehend Wasser speichern und sollen der Überlastung der Kanalisation entgegenwirken. Alles Regenwasser, das auf das Schulgelände fällt, soll künftig auch dort bleiben und in den Rigolen landen, beziehungsweise, versickern. „Es wird die Kanalisation nicht zusätzlich belasten“, sagt Christian Gattke.
Anwohner wie Detlef Nitz, werden den Bau der Schule weiterhin gespannt und kritisch beobachten. Das Ortsbild von Bickendorf hat der Starkregen vom 14. Juli 2021 nachhaltig verändert. Kleine Plaketten entlang der Subbelrather Straße zeigen, wie hoch das Wasser damals stand. Das riesige Eckhaus an der Teichstraße 2, in dessen Erdgeschoss bis zum Tag des Hochwassers ein Kiosk war, steht inzwischen komplett leer. Teilweise eingeschlagene Scheiben und Zeitungspapier in den Fenstern machen es zu einem Fanal der Zerstörung. Die meisten Anwohner haben ihre Häuser wieder instandgesetzt und bauliche Maßnahmen umgesetzt. Die Steb haben 34 Anwohner hierzu individuell beraten. Alle hoffen, dass ihnen ein weiteres Jahrhundert-Hochwasser erspart bleibt. Was alle Bemühungen wert sind, wird sich aber erst dann zeigen, wenn der Regen wieder unaufhörlich vom Himmel fällt, so wie damals, am 14. Juli 2021.
