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Erinnerung und MahnungNeue Stolpersteine für NS-Opfer aus Bad Münstereifel

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Sechs Personen stehen vor einem Fachwerkhaus, drei von ihnen halten Porträts ihrer Vorfahren in der Hand.

Zur Stolpersteinverlegung waren Nachkommen der Familie aus Irland und den USA nach Bad Münstereifel gereist.

In Bad Münstereifel wurden Stolpersteine erstmals auch für Überlebende der nationalsozialistischen Gräuel und nicht-jüdische Opfergruppen verlegt.

Sehr bewegend war es für Michael Meyer, von der Geschichte seiner Familie im Jülich-Haus in Bad Münstereifel zu berichten. Zwischenzeitlich übernahm Tochter Judith Meyer einen Abschnitt seiner Rede, bis die aufkeimenden Tränen niedergerungen waren. Nachdem für Theodor Jülich, Urgroßvater von Michael Meyer und Namensgeber des Hauses an der Heisterbacher Straße, in der Vergangenheit bereits ein Stolperstein verlegt worden war, folgten am Montag vier weitere, die an Opfer der Nationalsozialisten erinnern.

Die jüngsten Exemplare stellen ein Novum für die Stadt dar, wie Bürgermeister Sebastian Glatzel erklärte: „Erstmals werden in unserer Stadt Stolpersteine für Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung sowie für einen nichtjüdischen Verfolgten verlegt.“ Dies habe der Stadtrat im März beschlossen, um künftig auch an diese zu erinnern.

Überlebende Opfer sprachen erst spät über die Zeit der Verfolgung

Zu den Gästen, die zu der Stolpersteinverlegung gekommen waren, zählten auch zahlreiche Familienmitglieder, die aus Irland und den USA angereist waren. „Mein Vater Karl Müller musste zwei Jahre lang Zwangsarbeit nahe der Westfront leisten“, erklärte Christoph Müller: „1957 ist er dann in die USA ausgewandert. Er wollte vergessen. Aber wir dürfen diese Vergangenheit niemals vergessen.“

Die Stolpersteine sind von weißen Rosen umgeben.

Vier weitere Stolpersteine vor dem Jülich-Haus erinnern an die Opfer der Nationalsozialisten.

Auch Franziska Müller (geborene Jülich), sowie deren Tochter Christa Meyer (geborene Müller), denen die Flucht aus dem Lager in Köln-Müngersdorf gelang, sind in den Gedenksteinen verewigt. „Über diese Zeit hat meine Mutter lange kaum geredet“, berichtete Michael Meyer: „Erst spät begann sie zu erzählen und ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Diese Aufzeichnungen haben die Zeit überdauert. Vieles, was wir heute über unsere Familie und ihre Erlebnisse in diesen schweren Jahren wissen, wissen wir durch sie.“

Der vierte neue Stolperstein in der Heisterbacher Straße trägt den Namen von Ferdinand Müller. Ein Mann, der die Geschicke Bad Münstereifels in der Nachkriegszeit mitgeprägt hat, wie Bürgermeister Sebastian Glatzel erklärte: „Ferdinand Müller gehörte 1918 zu den Mitbegründern der Münstereifeler Ortspartei der SPD und war 1948/49 Bürgermeister.“ Stolpersteine seien eine sehr geeignete Form des Erinnerns, da jüdische Bürger ein selbstverständlicher Teil der Stadtgesellschaft gewesen seien.

„Bad Münstereifel hat sich bewusst dafür entschieden, ihre Namen dort sichtbar zu machen, wo diese Menschen gelebt haben“, so Glatzel: „Ihre Geschichte zeigt, dass rechtliche Gleichstellung allein Antisemitismus und Ausgrenzung nicht beseitigte. Deshalb sind die Stolpersteine Erinnerung und Mahnung zugleich. Sie machen die Namen der Verfolgten im Alltag unserer Stadt sichtbar. Lassen sie uns gemeinsam Antisemitismus, Hass, Extremismus und Gleichgültigkeit entgegentreten.“