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StraßensanierungGemeinde Blankenheim beendet die Flickschusterei in Reetz

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Dirk Dombrofski, der mit den beiden Frauen am Straßenrand steht, zeigt auf ein Schlagloch.

Mehrere Zentimeter tief sind teilweise die Löcher im Straßenbelag: Dirk Dombrofski, Tiefbautechniker der Gemeinde Blankenheim, an einem besonders auffälligen Schaden der Straße Oberdorf in Reetz, neben ihm Bürgermeisterin Jennifer Meuren (l.) und Fachbereichsleiterin Maria Nelles.

Die 60 Jahre alte Straße Oberdorf in Blankenheim-Reetz wird von Grund auf erneuert. Die Baumaßnahme soll 1,55 Millionen Euro kosten. 

Für rund 1,55 Millionen Euro wird auf einer Länge von 639 Metern in diesem Jahr die Straße Oberdorf in Reetz grundhaft saniert. Damit hat dann eine jahrzehntelange Flickschusterei ein Ende.

„Das ist bei 60 Jahre alten Straßen durchaus üblich.“ Dirk Dombrofski, Tiefbautechniker bei der Gemeinde Blankenheim, steht an der Straße Oberdorf in Reetz. Vor ihm klafft auf dem wie ein Flickenteppich wirkenden Asphalt ein mehrere Zentimeter tiefes Loch. Und darin findet sich eine Mischung, die es als Ergebnis von Stichproben zur Baugrunduntersuchung der Straße in sich hat:

Die Schadstoffbelastung ist höher als erlaubt

Die Schadstoffbelastung liegt demnach bei den sogenannten PAK-Werten (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) drastisch höher als erlaubt. Zu viel von dem vor 60 Jahren beim Bau der Straße noch alltäglichem Gemisch aus Teer, Öl und Asphalt ist verbaut worden. Das ist schon lange verboten. Hinzu kommt: Der alte Flickenteppich ist stellenweise gefährlich dünnhäutig geworden.

Die PAK-Lage wird nun im kommenden Jahr – die Bauarbeiten beginnen vermutlich in der zweiten Jahreshälfte – entsprechend entsorgt. Damit beim Aufbruch so wenig wie möglich schadstoffbelasteter Staub entsteht, werden die Teile sofort auf Lastwagen verladen und abgefahren zur Sondermülldeponie. Das sonst übliche Zerkleinern vor Ort entfällt. Für die Anwohner empfiehlt sich natürlich dennoch – nicht nur aus Lärmschutzgründen –, während der Bauarbeiten direkt vor ihrem Haus Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Ein Blick auf die alte Straße, im Hintergrund die Kirche.

Flickenteppich: die Straße Oberdorf in Reetz unterhalb der Pfarrkirche.

Was dann in knapp einjähriger Bauzeit und in vier oder fünf Abschnitten neu entsteht, wird den Reetzern viel Gutes, aber auch gewisse Nachteile bringen. Denn es wird nur noch 16 Stellplätze am Straßenrand geben, vor allem im oberen Teil ab Zemerweg bis zur Straße Am Backofen.

Im unteren Abschnitt ab der Talstraße über die Ecke mit der Pfarrkirche und am Bürgerhaus bis zur Einmündung Am Schäferspesch sind keine öffentlichen Pkw-Stellplätze mehr vorgesehen. Weitere Stellmöglichkeiten fallen aufgrund von Fahrbahnverengungen und der Anlage eines neuen, durchgehenden Bürgersteigs weg.

Bei starken Niederschlägen droht eine Überspülung

Das werde durchaus einen gewissen Mehrweg für Besucher bedeuten, gab Planer Lorenz im Gemeinderat zu. Er hatte in einer Bürgerversammlung in Reetz Ende November die Pläne vorgestellt, denen jetzt grundsätzlich der Gemeinderat zustimmte. Zwei Ergebnisse der Anmerkungen und Fragen der Anwohner wurden damals vom beauftragten Fachbüro aufgenommen. Zum einen besteht aufgrund der Lage der Straße, die sich an einem Hang entlang ortsauswärts zieht, seit jeher die Gefahr einer Überspülung durch Oberflächenwasser bei starken Niederschlägen.

Das Wasser fließt in Höhe Heltenstraße von den Wiesen oberhalb der Bebauung auf die Straße Oberdorf, wo es in die Kanalisation gelangen soll. Das klappt offenbar aber nicht immer. Deshalb soll im Zuge der grundhaften Sanierung ein neuer Kanal verlegt werden, der auf den Wiesen das Wasser aufnimmt und es unter der neuen Straßendecke hindurch in einen schon vorhandenen, bislang wenig genutzten Kanal an der Straße Auf dem Birnbaum weiterleitet. Von dort aus wird das Wasser unterhalb der Talstraße auf Wiesen und Weiden geleitet.

Über viele Jahre wurde immer nur ein Loch nach dem anderen geflickt.
André Weber, Ortsvorsteher

Zum anderen wollte das Planungsbüro offenbar in Fehleinschätzung der Örtlichkeit auch kurz vor der Einmündung der Gasse Am Schäferspesch mit einer künstlichen Verengung eine verkehrsberuhigende Maßnahme einbauen. Doch das, so die Anwohner in der Bürgerversammlung, mache die Einmündung für Pkw-Fahrer noch schwieriger, als es jetzt schon sei. Die Idee ist gestrichen worden.

Doch das sind für die Anwohner am Oberdorf alles in allem vermutlich eher Kleinigkeiten. Man sei vielmehr froh, dass es endlich losgehe, so Ortsvorsteher André Weber: „Über viele Jahre wurde immer nur ein Loch nach dem anderen geflickt.“ Das reiche nicht mehr. Ist der grundhafte Neubau dann Mitte 2027 fertig – auch alle Versorgungsleitungen sollen, wenn nötig, erneuert werden, die Versorger sind angefragt –, wird auch die unterhalb verlaufende Talstraße, die eine Kreisstraße ist, vom Kreis Euskirchen erneuert.

Auf Reetz kommen so erst mal eher unruhige Zeiten mit Einschränkungen und Umleitungen zu. Die grundsätzliche Erreichbarkeit aller Häuser soll aber erhalten bleiben. Und am Ende sind im Ort die beiden wichtigsten Straßen erneuert.

Kosten wird die Maßnahme die Anwohner nichts: Seit 2024 übernimmt das Land die einstigen Anliegeranteile der Ausbaukosten. Allenfalls, wenn Hausanschlüsse für Wasser oder Abwasser erneuert werden müssten, könnten Kosten anfallen, wie das bisher auch der Fall ist.


Weitere Straßenbauprojekte in Blankenheim

Die Sanierung der Straße Oberdorf in Reetz ist eines von mehreren aktuellen und mittelfristigen Straßenbauprojekten in der Gemeinde Blankenheim.

Schon im Gang ist die Erneuerung der Nürburgstraße durch Blankenheimerdorf bis zum Kreisverkehr am Ortseingang von Blankenheim und der Straße Unter dem Heltenbusch in Blankenheim. Für voraussichtlich 2027/28 stehen die Pützgasse in Mülheim, die Straße zwischen dem Gewerbegebiet und dem Schulzentrum auf dem Finkenberg und die Hüttenstraße in Ahrhütte auf der Agenda.

Und dann wartet noch ein besonderes Großprojekt: Gebe die Bezirksregierung grünes Licht, so Bürgermeisterin Meuren, würden die alten schmalen Kopfsteinpflastergassen und Sträßchen im historischen Ortskern von Blankenheim saniert.

Neben der Gemeinde hat auch der Kreis Euskirchen als Baulastträger zwei seiner Straßen im Gemeindegebiet im Ausbauprogramm: Im Frühjahr rücken die Straßenbauer an der Ortsdurchgangsstraße in Ripsdorf an, in Reetz nach dem Ende der Baumaßnahme im Oberdorf an der Talstraße.