Statt der Ahrstraße sollen in Blankenheim zunächst Johannesstraße, Klosterstraße und Am Hirtenturm saniert werden.
StraßensanierungBlankenheim sagt den Buckelpisten den Kampf an

Klosterstraße und Parkplatz am Curtius-Schulten-Platz: Die Pflanztröge kommen weg, die Stellflächen werden vergrößert. Das alte Kopfsteinpflaster wird komplett ausgehoben, die Steine entweder abgesägt und wiederverlegt oder durch neue ersetzt.
Copyright: Stefan Lieser
Die leeren Kassen der Gemeinde machen bei der Sanierung des historischen Ortskerns von Blankenheim eine Kurskorrektur nötig. Statt der Ahrstraße soll jetzt die Sanierung der sichtlich ramponierten Kopfsteinbeläge dreier Gassen vorgezogen werden. Das kostet bis zu 3,474 Millionen Euro, für die es aber erhebliche Summen an Fördergeld geben könnte.

Auch dieser Pflasterstein muss raus. Städteplaner Bernd Niedermeier an der Johannesstraße.
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Beginnen könnte das Projekt, für das die Sanierung der Ahrstraße zurückgestellt worden ist, im Frühjahr 2027 – wenn einige noch ungeklärte Voraussetzungen bis dahin erfüllt sind. Das stellt das, was Bernd Niedermeier, Stadtplaner der Aachener Planungsgruppe MWM, jetzt dem Ausschuss für Gemeindeentwicklung erläuterte, unter einen gewissen Vorbehalt.
Für Fußgänger besteht Stolpergefahr
Es geht um die Gassen Johannesstraße, Klosterstraße und Am Hirtenturm, die an bis zu 400 Jahre alten Fachwerkhäusern oder etwa dem Gildehaus entlangführen. Der Kopfsteinbelag vor der Bebauung ist natürlich jüngeren Datums, stellt heute aber einen dringend sanierungsbedürftigen „Flickenteppich“ dar.
Zu 70 Prozent sei in den drei Gassen Natursteinpflaster verlegt worden, daneben gebe es weitere Pflasterarten und aufgetragenen Teer oder Beton. Von einem einheitlichen Höhenniveau kann ohnehin keine Rede sein. Im Gegenteil: Auf der „Buckelpiste“ besteht für Fußgänger erhöhte Stolpergefahr.
Pkw sollten in Schrittgeschwindigkeit fahren, tiefergelegte Sportwagen das Viertel lieber meiden. Dass da was geschehen muss, sagt einem also schon der Augenschein, auch wenn manche Blankenheim-Touristen den Charme des alten Straßenpflasters schätzen.
Zustand der Kanäle ist unbekannt
Der „Flickenteppich“ ist allerdings nicht einfach zu ersetzen, denn auch die Rahmenbedingungen sind hier besondere. Er sei skeptisch, ob alle der alten Häuschen über ein so solides Fundament verfügten, dass schwere Straßenbauarbeiten vor der Haustür ohne Bedenken durchzuführen seien, merkte Stephan Klaes (UWV) in der Ausschusssitzung an.
Darüber hinaus ist nach Angaben von Maria Nelles, Fachgebietsleiterin bei der Gemeinde Blankenheim, unklar, in welchem Zustand die unter dem alten Pflaster verlegten Versorgungsleitungen, vor allem die Kanäle, sind. Man müsse das jetzt untersuchen und zu einem Ergebnis kommen, um eventuell nötige Arbeiten ausschreiben zu können, bevor man mit den Straßenbauarbeiten beginne.
Was werden die Archäologen sagen?
Schließlich muss die Gemeinde auch noch mit den Anwohnern über das Vorhaben reden, was bisher offenbar noch nicht geschehen ist. Unklar ist aber auch, was die Archäologen der Bodendenkmalpflege zu dem Projekt sagen werden, bei dem der gesamte vorhandene Straßenaufbau ausgehoben und von Grund auf neu aufgebaut werden muss.
Man habe bisher Unterschiedliches bei vergleichbaren Projekten erlebt, so Niedermeier. Mal gehe die Fachbehörde eine Baumaßnahme ohne Widerstände mit, mal veranlasse sie immer wieder lange und teure Bauunterbrechungen.
Niedermeier hat jedenfalls schon mal ein Ortsbegehung in Blankenheims historischem Ortskern gemacht und dabei festgesellt, dass „70 Prozent“ des Straßenbelages erhalten werden könnten. Er soll nur ausgehoben und abgesägt werden, um ein einheitliches Niveau zu erreichen. Ähnlich wurde der Straßenbelag in Teilen der Bad Münstereifeler Altstadt erneuert.
Viele Pflastersteine sind nicht mehr zu gebrauchen
30 Prozent der verlegten quadratischen Kopfsteinpflastersteine in Blankenheims Gassen aber seien Ausschuss, so der Planer, und müssten durch optisch ähnliche Steine ersetzt werden. Auch die Oberflächenentwässerung der drei Gassen – teilweise schon seit Jahren defekt – soll erneuert werden. Niedermeier will so die Mitte der Johannesstraße, der Klosterstraße und der Gasse am Hirtenturm gestalten.
Vor Treppen oder Hauseingängen der Bebauung soll hingegen ein neues rechteckiges und gebundenes – damit unkrautfreies, wie er meint – Pflaster verlegt werden. Vorhandene runde Reifenabweisersteine an den Hausecken oder kleine Fassadenbeete sollen zudem erhalten werden.
Auf der Platzmitte sollen Fontänen sprudeln
In der Johannesstraße, der Klosterstraße und Am Hirtenturm ist so die Ausgangslage klar, anders sieht das am Platz zwischen dem Alten, Rathaus, das gerade zu Eigentumswohnungen umgebaut wird, und dem Gebäude mit dem Blankenheimer Eiscafé aus. Dieses Haus steht zum Verkauf.
Niedermeier schlägt, wenn die aktuell unterschiedlichen Platzniveaus angeglichen sind und das Pflaster auch hier neu verlegt ist, für die Platzmitte ein „Fontänenfeld“ vor. Das ist seit einigen Jahren bei neu gestalteten Innenstadtplätzen wie etwa in Bitburg oder Prüm besonders beliebt.
Breitere Parkplätze für immer breitere Autos
Umgebaut werden soll auch der kleine Parkplatz am Curtius-Schulten-Platz, der nicht Teil des Sanierungsprojekts ist. Die Zahl der Stellplätze – das gilt auch für zwei an der Johannesstraße – soll erhalten werden. Die Markierungen werden allerdings erneuert: Breitere Autos machen das entsprechend den aktualisierten Empfehlungen nötig.
Dadurch wird der Parkplatz etwas weiter als bisher in den Curtius-Schulten-Platz hineinragen, optisch abgetrennt durch neu zu pflanzende Sträucher. Die bisherigen Pflanztröge werden ersetzt. Das alles kann zwischen 2,098 und bis zu 3,474 Millionen Euro kosten, so Bernd Niedermeier unter allem Vorbehalt mit Blick auf mögliche Preissteigerungen in den einzelnen Kostengruppen.
Bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten könnten aus dem Straßenbauförderprogramm des Landes bezahlt werden, 70 Prozent der Restsumme aus Mitteln der Städtebauförderung. Am Ende würden so um die 200.000 Euro Eigenanteil bei der Gemeinde verbleiben, schätzt Rudi Huth (FDP) in einer überschlägigen Kalkulation zum jetzigen Zeitpunkt.
Der Ausschuss stimmte dem Vorhaben einstimmig zu und empfahl das auch dem Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am 16. Juli. Wenn auch der einverstanden ist, könnten die Arbeiten im kommenden Winter ausgeschrieben werden, Baubeginn wäre dann im März/April 2027, Bauende Mitte/Ende 2028.
