Die Gemeinde Blankenheim plant testweise eine Freigabe des Weihers zum Schwimmen und Bötchenfahren im kommenden Sommer.
Auf dem WeiherBlankenheimer wollen Badevergnügen wie in früheren Zeiten schaffen

Baden und Bötchenfahren im Strandbad: Das belegt dieses Foto aus den 1960er-Jahren.
Copyright: Archiv Wolfgang Doppelfeld
Schwimmen und Bötchen fahren auf dem Schwanenweiher in Blankenheim mit Blick auf die Burg und die alten Häuschen. Diese Idylle gab es einmal – und sie kommt vielleicht wieder. Der Gemeinderat soll entscheiden: 8000 Euro würde ein Testlauf fürs Weiher-Planschen und die Ruder- oder Tretbootfahrt im Sommer 2027 kosten.
Wolfgang Doppelfeld, dessen Archiv historischer Fotografien seines Heimatortes eine unerschöpfliche Fundgrube ist, musste nicht lange suchen. Zwei Schwarz-Weiß-Fotos beweisen, wovon ältere Blankenheimer schwärmen: Bötchen fahren, ein Besuch im Bad mit Sprungturm am und auf dem Schwanenweiher, der auch schon mal Schlossweiher, Weiher oder gräflicher Fischteich genannt wird. Das gab es vor Jahrzehnten, das könnte es im Sommer 2027 wieder geben.
Das Blankenheimer Strandbad wurde 1964 eröffnet. Der Freibad-Neubau wurde 2015 geschlossen und 2018 abgerissen. Er stand an der Stelle der heutigen Freizeitanlage entlang des freigelegten Giesenbachs und der Gastronomie „Ahr Zeit“. Der Steg des einstige Bötchenverleihs in Höhe der Weiherhalle existiert noch heute.
2024 wurde der Plan für den Weiher zurückgestellt
2024 hatte sich der Gemeinderat kurz mit der Idee befasst, Badebetrieb und Bootsverleih wiederzubeleben, das Ganze aber zurückgestellt. Man wollte abwarten, wie der neue Giesentalpark angenommen wird. Nach dem Sommer 2026 sind die Ergebnisse aus Sicht der Verwaltung eindeutig: „Der freigelegte Bach wird das Bedürfnis nach Abkühlung und Wassererlebbarkeit nicht vergleichbar erfüllen und führt in Hitzeperioden wie in diesem Jahr zu wenig Wasser.“ Wassererlebbarkeit gibt es eben am besten am Weiher.
In diesen Tagen verspricht die grünliche Brühe eher wenig Badevergnügen. Aber: Der Schein trügt möglicherweise. 2024 war nach Angaben der Verwaltung die Wasserqualität geprüft und für gut befunden worden. Eine Kontrolluntersuchung habe das bestätigt. Einmal jährlich wird der Weiher gemäht, was gerade wieder nötig sein dürfte, blickt man auf die bis knapp unter die Wasseroberfläche reichenden Schlingpflanzenbündel.

Der alte Bootsanleger existiert noch – samt Verbotsschildern.
Copyright: Stefan Lieser

Der Weiher in Blankenheim ist derzeit nicht zum Baden freigegeben. In einem Testlauf könnte sich das im Sommer 2027 ändern.
Copyright: Stefan Lieser
Für die Testsaison 2027 soll die Wasserqualität erneut überprüft werden, so Bürgermeisterin Jennifer Meuren. Sie habe das Thema auch deshalb wieder zur Beratung vorlegen lassen, weil sie in jüngster Zeit vermehrt von Jugendlichen und Kindern danach gefragt worden sei. Auch bei einer im vergangenen Jahr durchgeführten Umfrage zur Jugendbeteiligung in Blankenheim wurde der Wunsch nach einer weiteren Schwimmmöglichkeit im Gemeindegebiet – neben dem Freilinger See – geäußert.
Um den Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen, wolle man den denkbaren Schwimmbereich zunächst auf mögliche Gefahrenquellen und Unterwasser-Hindernisse untersuchen. Es sollen Wasser- und Sichttiefen überprüft werden. Zwei Einstiegstellen wären denkbar: Eine unterhalb der „Ahr Zeit“ am Platz vor dem See, wo ohnehin schon Stufen gebaut sind, eine andere am alten Bootsverleihsteg.
Blankenheim muss eine Haus- und Badeordnung verabschieden
Ein Kinder- oder Nichtschwimmerbereich sei nicht vorgesehen, so der Verwaltungsentwurf zum Thema, zudem müsse der Bereich um die vorhandene Fontäne von der Schwimmnutzung ausgeschlossen werden.
Und dann geht natürlich kein Schritt in den Weiher ohne den zuvor geschaffenen Erlaubnisrahmen. Die vorhandenen „Schwimmen verboten“-Schilder müssten durch neue ersetzt werden, die den Badebetrieb regeln. Der Gemeinderat müsse eine „Haus- und Badeordnung“ verabschieden, es müssten Nutzungsregeln erlassen und Hinweise zum Verhalten bei besonderen Wetter- und Gewässerbedingungen festgelegt werden. Umkleiden will man für den Testbetrieb nicht bauen, die vorhandenen WC-Anlagen der „Ahr Zeit“ seien ausreichend.
Am 8. Oktober steht das Thema im Gemeinderat auf der Tagesordnung
Dass das alles erlaubt sein kann, wenn es politisch gewollt ist, hat sich die Verwaltung 2024 bestätigen lassen, so Meuren. Damals sei im Rahmen einer Begehung und Dokumentation durch Juristen der Deutschen Gesellschaft für Badewesen die Frage einer Schwimmerlaubnis im Weiher positiv beantwortet worden. Einer Schwimmaufsicht bedürfe es dafür nicht.
Doch kann es tatsächlich wahr werden? Ein Seeeinstig über die Badeleiter in Höhe der Stufen könnte zu einem Nutzungskonflikt führen: Mit der Übergabe an einen neuen Pächter der „Ahr Zeit“-Gastronomie – der jetzige geht laut Meuren in den Ruhestand – ist auch das Aufstellen von Sonnenliegen zum Chillen beim Sundowner-Cocktail zwischen Restauration und Seeufer geplant. Ob die, die nur liegen und entspannen wollen, und die, die eine Runde im Weiher drehen wollen, sich ins Gehege kommen, bleibe abzuwarten, so die Bürgermeisterin.
Neben dem Planschen im See würde auch die Tradition des Bötchenfahrens mit Burgblick wiederbelebt. Auch das belegt ein von Blankenheims Ortshistoriker Wolfgang Doppelfeld in seinem Fotoarchiv vorhandenes Foto. Der Steg befand sich am noch heute vorhandenen Holzaufbau in Höhe der Weiherhalle. Man ruderte damals offenbar schlicht den See mal rauf, mal wieder runter. Ein kurzes, aber Laune machendes Vergnügen. Die Verwaltung könnte nun etwa den bekannten Bootsverleiher am Freilinger- oder Kronenburger See anfragen, ob er für einen Sommer dabei wäre.
Alles das sind Pläne, die bei älteren Blankenheimern freudige Erinnerungen wachrufen. Ganze Generationen Blankenheimer Kinder haben im Weiher-Freibad das Schwimmen gelernt, heißt es. In der jüngsten Sitzung des Fachausschusses aber wurden die Pläne zunächst gestoppt. Die SPD-Fraktion war zwar wie die FDP dafür, doch bei der UWV-Fraktion gab es Bedenken: Man sei nur für den testweisen Bötchenbetrieb auf dem Weiher, hieß es. Für die größte Fraktion, die der CDU, stellte Sprecherin Martina Schmidt den Antrag, das Thema im Gemeinderat weiter zu beraten. Das fand eine Mehrheit. Am 8. Oktober könnte es dort zu einem Beschluss kommen.
