380 Jecke feierten im Dahlemer Vereinshaus eine Sitzung voller Lokalkolorit, Tanz und Humor – der „Eifel-Gürzenich“ zeigte sich in Bestform.
KarnevalDer Eifel-Gürzenich in Dahlem war herrlich jeck – Viel Lokalkolorit

„Ne Dahlemer Jong“, alias Daniel Klinkhammer, erzählte von der vergeblichen Suche nach der perfekten „Spielerfrau“.
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380 Jecken erlebten im Vereinshaus eine fast ausschließlich von Aktiven der KG Dahlem veranstaltetet Kappensitzung. Das Ergebnis: einfach jeck!
„Hier fühlen sich die Leute wohl, der Saal ist auch immer gut geschmückt, beides ist wichtig.“ Maria Kitlas, die auch in dieser Session als „Vogelscheuche“ das Dorfgeschehen in Dahlem aufs Korn nahm, hatte eine einfache Erklärung dafür, warum die Sitzung der KG wie in den Vorjahren einfach ein Riesenerfolg war. Und sie trägt seit Jahren das ihre dazu bei. Die Aktiven auf der Bühne, die direkt aus dem Ort sind, machen eben das Vereinshaus zum jecken „Eifel-Gürzenich“.
Sechs Tänze zeigten allein die Garden der KG Dahlem
Sechs Tänze zeigten die verschiedenen Garden der KG: Die Dancing Girls, die Dahlemer Mariellcher, die Hüppemäusjer, die Showtanzgarde Soulsisters (Thema: „Blick in die Zukunft“), das Männerballett als „Bauarbeiter“ und KG-Solomariechen Lucy Pabst kamen auf die Bühne. Für Sitzungspräsident Arthur Klinkhammer gab es da nur einen Wermutstropfen: Eine Tollität der KG konnte er den Jecken im Saal in dieser Session leider nicht präsentieren. Man arbeite aber dran, dass das im kommenden Jahr anders werde.
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Damit waren auch die Jecken im Saal einverstanden. Auch ohne Prinz oder Prinzessin hatten sie im Vereinshaus viel Spaß. „Mich hat man als den mit Abstand hässlichsten Vogel bezeichnet“, grinste Andy Kissel. Und das nur, weil er sich als Kostüm für zwei dicke goldene Ketten und eine Sonnenbrille mit goldenen Bügeln entschieden hatte – für ein „Bling-Bling-Rapper-Outfit“.

Dahlem – die Energiewendegemeinde. Maria Kitlas trug zwei Mini-Windräder auf dem Kopf.
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Das Muster von Hütchen und Kostüm konnte man wahlweise als Tarnfleck oder Post-Batik betrachten. Die finale Deutung des Ganzen musste offenbleiben. Er selber wisse jedenfalls auch nicht, „was das eigentlich sein soll“, grinste der gebürtige Kölner, der in Dahlem lebt.
Da bezog „Vogelscheuche“ Maria Kitlas, von der Bühne zurückgekehrt und flugs das Kostüm übergestreift, klarer Position: Auf dem Kopf trug sie einen Haarreif mit zwei Windkraft-Rotortürmen aus Pappe. „Die sind noch aus einer Damensitzung zum Thema Energie sparen“, so Kitlas. Man konnte es aber auch als lokalpolitisches Statement verstehen: Dahlem - die Energiewendegemeinde!
Dahlemer sein und jeck sein – das ist kein Widerspruch
Dahlemer sein und jeck sein – das ist kein Widerspruch. Das musste man Daniel Klinkhammer als „Ne Dahlemer Jung“ bei seiner närrischen, teilweise selbstironischen Rede auf der Bühne nicht erklären. „Ich werde heiraten!“, hatte er bei seinem KG-Sitzungsauftritt vor einem Jahr versprochen. Und Wort gehalten. Jubel beim Publikum. Mittlerweile 38 Jahre alt, habe er in der Zwischenzeit Lehren aus lange vergeblicher Liebesmüh„ bei der Suche nach der „perfekten Spielerfrau“ gezogen.
Als ehemaliger Kicker bei der SG Schneifel in Stadtkyll habe das doch diejenige sein müssen, deren Sonntagsnachmittagsglück darin bestehe, mit ihm „im Mannschaftsbus zu den Auswärtsspielen bis in den Hunsrück“ zu fahren. Dort aber angekommen, habe die Gute ihm zusehen müssen, wie er den Anderen auf dem Spielfeld zusehe. Für die „Erste“ sei er leider nie gut genug gewesen – Dauerkarte Ersatzbank. Da fand sich auch keine „Spielerfrau“. Also änderte er seine Strategie, weg vom Fußball, hin zur neuen Angebeteten, dann auch Angetrauten.
Wir wollen nach wie vor versuchen, möglichst viel selbst zu machen, das ist unser Standard.
Klinkhammers Auftritt wurde bejubelt – weil er seine Rede zwar technisch vielleicht nicht immer perfekt vortrug, dafür aber Authentisches und eben Erlebtes aus und für Dahlem erzählte. Er war so, wie ihn die Dahlemer kennen. Jeck und im Ort verwurzelt – wenn das zusammenkommt, ist eine Sitzung im „Dahlemer Gürzenich“ am schönsten.
„Dann lebt hier der Karneval“, war Birgit Barrelmeier, bei der KG Dahlem das „Mädchen für alles“, überzeugt. „Wir wollen nach wie vor versuchen, möglichst viel selbst zu machen, das ist unser Standard“, bestätigte Alt-KG-Vorsitzender Thomas Schwarz das Erfolgsrezept der Dahlemer Narren, das eine lange Tradition hat. „Die meisten Besucher hier sind auch aus dem Ort“, so Barrelmeier.
Doch nur auf „Eigengewächse“ kann selbst die KG Dahlem nicht setzen. Von „außerhalb“ kamen befreundete Jecken wie die Blaskapelle „Gemötliche Jonge“ aus Blankenheimerdorf mit 30 Musikern, der KV Ruut-Wiess Lommersdorf mit großem Gefolge und Dreigestirn und das jecke Kabarett-Trio „Eifelherzen“ aus Sieberath. „Dä Landarzt“, alias Lothar Bormann aus Rheinland-Pfalz hatte seine Dahlem-Premiere in der „Bütt“.

