Die Hälfte der Dreigestirns-Zeit ist für Prinz Niklas I., Bauer Clemens und Jungfrau Aenne bereits vorbei. Das Trifolium zog deshalb Zwischenbilanz.
„Absolute Respektlosigkeit“Dreigestirn verrät, was an manchen Jecken nervt

In der Hofburg gönnt sich das Dreigestirn zwischendurch auch mal ein paar Vitamine, um fit für den Rest der Session zu bleiben.
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Schon als Jugendlicher hat Niklas Jüngling ein Sparkonto für seinen Traum, einmal Prinz Karneval zu werden, eröffnet. In dieser Session ist daraus Wirklichkeit geworden.
„Die Begeisterung für das Thema Dreigestirn ist nullkommanull verloren gegangen und hat auch nicht den Zauber verloren“, sagte der 33-Jährige am Mittwoch (28. Januar), als das Trifolium in der Hofburg eine Halbzeitbilanz zog.
Kölner Dreigestirn hat in dieser Session rund 420 Auftritte
Von den 420 Auftritten hat das Dreigestirn inzwischen gut die Hälfte absolviert. „Die Leute tragen uns durch die Stadt“, sagt Bauer Clemens. „Überall merkt man, dass die Leute das Dreigestirn lieben. Man hatte vorher nur eine Ahnung, wie das wird. Aber die Erwartungen wurden bezüglich Intensität und Emotionalität um das Zehnfache getoppt.“
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Die drei Jecken aus den Reihen der Prinzen-Garde hatten in den vergangenen Jahren durch Einsätze in der Wache, schon viele Termine mit den jeweiligen Dreigestirnen. Nun sei es doch ein ganz anderes Gefühl, selbst vorn auf der Bühne zu stehen.
„Wenn behauptet wird, dass die Prinzen-Garde nicht mehr begeisterungsfähig ist, kann ich das überhaupt nicht bestätigen. Da fließen in unseren Reihen auch mal Tränen bei gestandenen Männern, wenn sie uns sehen“, sagt Jungfrau Aenne. „Unser Motto ‚Leidenschaft, Gemeinschaft, Tradition‘ passt. Es ist eine Riesen-Ehre, das Amt auszuüben.“

Jungfrau Aenne, Prinz Niklas I. und Bauer Clemens (v.l.) auf dem Dach der Hofburg mit Blick auf den Kölner Dom.
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Der härteste Tag der Session liegt auch schon hinter dem Dreigestirn. Am vergangenen Samstag standen 18 Termine auf dem Programm. Vom Biwak der Luftflotte am frühen Morgen bis zur Kostümsitzung nach Mitternacht war alles dabei. „Da weiß man anschließend, was man getan hat“, sagt Prinz Niklas. Selbst an Weiberfastnacht wird es mit 17 Auftritten nicht so wild.
Die drei Freunde haben alle unterschiedliche Lieblingsmomente bisher erlebt. Prinz Niklas denkt gerne an die Aufzeichnung der ZDF-Mädchensitzung zurück. Da ist er beim Lied „Einmal am Rhein“ zu Freundin Katrin ins Publikum gegangen und hat mit ihr Walzer getanzt. Emotional aufwühlend war für ihn der Besuch auf der Palliativstation der Uniklinik. „Da habe ich gemerkt, wie viel Freude und Kraft die Ämter schenken.“
Bauer Clemens hatte aus seiner Heimat Effeld am Niederrhein eine Abordnung in der Hofburg zu Besuch. Jungfrau Aenne hatte sich gewünscht, mit seinen Mitstreitern die Gemeinschaftsgrundschule Spoerkelhof in Rheinkassel zu besuchen, in die seine beiden Töchter Johanna und Lena gehen.

Zwischendurch bleibt dem Dreigestirn auch mal Zeit, für ein paar Spaßmomente, wie beim Darts-Wettbewerb im Brauhaus Sion.
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„Die Schule hat keine Turnhalle. Stattdessen wurden wir im Pfarrheim empfangen. Der Kölsch-Chor hat für uns gesungen. Vor allem das Lied ‚Ahle Kess‘, das StadtRand für uns bei der Proklamation gesungen hat, hat viel bei uns ausgelöst“, sagt Stefan Blatt. „Ich habe meine Töchter jedenfalls noch nie so glücklich gesehen, wie da.“
Trotz der positiven Erlebnisse gibt es auch Schattenseiten, von denen das Dreigestirn zu berichten wusste. „Drei Prozent der Begegnungen sind negativ“, sagte Niklas. „Vor allem im Foyer herrscht zu fortgeschrittener Uhrzeit eine absolute Distanz- und auch Respektlosigkeit. Ich wurde einmal beim Herausgehen von hinten am Cape gezogen, weil jemand ein Foto machen wollte. Das gehört sich nicht – weder beim Dreigestirn noch bei anderen freilaufenden Jecken.“

Im Vringstreff erhielt das Dreigestirn von Pfarrer Hans Mörtter (l.) und Hendrik Biergans (JTI) den „bronzenen Rievkooche“ von Künstler Cornel Wachter.
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Am Dienstag war das Trifolium im Vringstreff und kehrte beeindruckt zurück. „Dem einen oder anderen würde ein wenig mehr Demut im Karneval ganz guttun, indem sie die eigenen Eitelkeiten zurückstellen. Denn am Ende des Tages machen wir hier nur Blödsinn und feiern Fastelovend.“
„Wir wollen ein Dreigestirn für alle Kölsche sein“
In der Südstadt hatte der Prinz auch schon passende Worte gefunden. „Wir wollen ein Dreigestirn für alle Kölsche sein und sie auch besuchen“, sagte er dort. „Wir waren gefühlt jeden Tag im Gürzenich. Aber die kleinen Termine, wo man den Menschen in die Augen schauen kann und sieht, welche Freude unsere Ornate verbreiten, das sind die, wofür wir Dreigestirn werden wollten.“
Als das Dreigestirn mit der Kölner Allstar-Band und den Vringstreff-Gästen „Unsere Stammbaum“ sang, hatte der Prinz Gänsehaut. „Uns ist wichtig, dass die Spaltung in der Gesellschaft aufhört und wir Kölschen enger zusammenrücken. Das hier sind die Momente, die wir nach Aschermittwoch in unseren Herzen tragen und an die wir uns erinnern werden.“

Die Blinden und Sehbehinderten durften die Ornate des Dreigestirns ertasten und erfühlen.
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Ähnlich beeindruckend war anschließend der Besuch bei der 71. Sitzung des Blinden- und Sehbehindertenvereins im Ostermann-Saal des Sartory. Dort durften die Gäste die Ornate des großen Dreigestirns und des Kinderdreigestirns ertasten. „Da war ich vorher noch nie und es war toll, dass es überhaupt keine Berührungsängste gab“, sagte Bauer Clemens von Blanckart.
„Die Leute haben gestrahlt, als sie uns abgetastet haben – trotz aller Einschränkungen. Ich habe einer Frau die Prinzenspange überreicht und die ist vor Glück in Tränen ausgebrochen.“ Am Abend erfüllte sich der 42-Jährige dann noch einen Wunsch, indem er nach Hause fuhr, bei seiner Frau Lara übernachtete und morgens seine Tochter Alba zur Spielgruppe bringen konnte.
„Ich bin ein extremer Familienmensch. Dass die räumliche Distanz zur Familie in der Dreigestirns-Zeit so extrem ist, war mir nicht so bewusst“, gestand er. Jungfrau Aenne hat auch noch einen Wunsch an das jecke Volk: „Unser Terminplan ist sportlich. Wir versuchen trotzdem nahbar zu sein und Fotowünsche zu erfüllen.“
Aber manche seien mit ihren Handys überfordert und hätten den Selfie-Timer auf zehn Sekunden stehen. „Dann steht man da und wartet auf den Auslöser, während die nächsten drängeln.“ Am 17. Februar müssen die drei Tollitäten wieder ihre Insignien abgeben. Bis dahin wollen sie aber noch jeden Moment im jecken Treiben aufsaugen und ihren Kindheitstraum genießen.
