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Gürzenich-OrchesterDas bietet die Saison 2026/27

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Fünf Menschen rahmen die Statue eines Karnevalisten ein.

Vorstellung des Gürzenich-Programms für die Saison 2026/27: Michael Rosinus, Stefan Englert, Andrés Orozco-Estrada, Natascha Müllauer, Dirk Wissmann. 

Das kommende Programm des Gürzenich-Orchesters steht im Zeichen der Opern-Eröffnung, eines Jubiläums – und der Roten Funken. 

Passen Rote Funken und Gürzenich-Orchester zusammen? Irgendwie schon: Die Funken sind ein Sprössling des romantischen Kölner Karnevals, und die Klangkultur des Gürzenich-Orchesters wurzelt gleichfalls stark in der romantischen Tradition. Und romantisch im weitesten Sinne – eben mittelalterlich-romantisch – ist schließlich der imposante Gewölbekeller des Funken-Domizils Ulrepforte, wo die Gürzenicher, herzlich begrüßt von Funken-Präsident Dirk Wissmann, jetzt das Konzertprogramm für die kommende Saison (hier bitte nicht: Session) vorstellten. Der Hintergrund der ungewöhnlichen Kooperation ist die musikalische Kulturpartnerschaft zwischen Rheinischer Musikschule, Gürzenich-Orchester und den „Funke rut-wiess“. Wird sie auch einmal dazu führen, dass Gürzenich-Kapellmeister und Generalmusikdirektor Andrés Orozco-Estrada in Funken-Uniform im Kölner Rosenmontagszug mitfährt?

Besonders karnevalistisch fiel die Präsentation seitens des Geschäftsführenden Direktors Stefan Englert und eben des kolumbianischen Orchesterchefs freilich nicht aus – das hatte auch wohl im Ernst niemand erwartet. Das neue Programm reagiert, um damit anzufangen, auf Aktualitäten in der kulturpolitischen Nachbarschaft: Die Tatsache, dass im September die Oper am Offenbachplatz wiedereröffnet wird (oder doch werden soll) – wie man hört: mit dem „Rosenkavalier“ –, färbt kräftig auch auf die Gürzenich-Agenda ab. Orozco-Estrada startet am 11. September in die Saison mit Auszügen aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“ – nach dem unsterblichen „Amerikaner in Paris“. Mitwirkender in diesem Eröffnungskonzert: der Bürgerchor.

Orozco-Estrada baut in Köln seine bereits angelegten Zyklen aus

Im Januar kombiniert er Bartóks „Wunderbaren Mandarin“ mit dem dritten Aufzug von „Parsifal“, im März 2027 bringt Sakari Oramo, künstlerischer Partner des Orchesters seit der laufenden Saison, Bergs unvollendete „Lulu“-Oper auf die philharmonische Bühne (im Februar-Konzert lässt es der Finne mit Sibelius und Nielsen nordisch zugehen, einen Kontrapunkt setzt die Gürzenich-Debütantin Senja Rummukainen mit Dvoráks Cellokonzert). Im April wird Susanna Mälkki Wagners Wesendonck-Lieder und einen von Lorin Maazel zusammengestellten „Ring ohne Worte“ dirigieren.

Weiterhin baut Orozco-Estrada seine bereits angelegten Zyklen aus: Brahms im ersten Abokonzert (Oktober) mit dem „Schicksalslied“ und der ersten Sinfonie, die Bernsteins Chichester Psalms rahmen (für den Chorpart konnte der Wiener Singverein aus der früheren künstlerischen Heimat des Gürzenich-Chefs gewonnen werden); Mahler im Dezember mit der sechsten Sinfonie und Bartók im Mai 2027 mit dem „Konzert für Orchester“ (dem ein neues Werk von Matthias Pintscher und Hindemiths Violinkonzert mit dem in Köln beheimateten Weltgeiger Frank Peter Zimmermann vorangestellt sind).

Klassik und Romantik werden abgedeckt von Riccardo Minasi mit einem reinen Schumann-Programm (in der Mitte das Cellokonzert mit Anastasia Kobekina, die wie Minasi beim Gürzenich-Orchester debütiert), Antonello Manacorda (unter anderem Beethovens drittes Klavierkonzert mit Paul Lewis) und Michael Sanderling (Mozarts Klavierkonzert KV 450 mit dem gefeierten Kölner Klavierprofessor Pierre-Laurent Aimard und Bruckners siebter Sinfonie).

Das Gürzenich spielt zum 40-jährigen Bestehen der Kölner Philharmonie

Hinzu kommen acht Sonderkonzerte, die Abonnenten des „Hauptprogramms“ mit exklusivem Abo-Rabatt und vorzeitiger Zugriffsmöglichkeit besondere Vorteile einräumen. Dazu zählen neben dem erwähnten Saison-Eröffnungskonzert zwei Sonntagsmorgen-Konzerte: ein von Julie Rossland geleitetes Konzert mit Grieg (Klavierkonzert mit Eric Lu) und Tschaikowsky sowie ein von Emmanuel Tjeknavorian dirigiertes Programm mit dem Organisten Cameron Carpenter (unter anderem Saint-Saëns’ „Orgelsinfonie“). Hinzu kommen zwei Konzerte mit Spezialisten der Alten Musik: im Januar Mozart (Sinfonie KV 550 und Requiem) unter Ton Koopman, und im März die Matthäus-Passion unter Rubén Dubrovsky. Der französische Star-Oboist François Leleux bestreitet im Dezember das Weihnachtskonzert mit Bach, Mozart, Schubert und Berlioz.

Das Gürzenich-Orchester vergisst auch nicht das 40-jährige Bestehen der Kölner Philharmonie in der kommenden Spielzeit: Am 14. September präsentiert Orozco-Estrada aus diesem Anlass ein Montagskonzert mit seinen Favorit-Komponisten Mendelssohn, Widmann und Strauss, dazu die erst jüngst entdeckte Fassung von Brahms’ „Gesang aus Fingal“ für gemischten Chor.

Getreu seiner Selbstaufforderung „Ran an die Menschen“ betreibt der stadtkölnische Klangkörper auch in der neuen Saison engagiert seine „Diffusion“ in die Breite der Rheinmetropole: Es gibt weiterhin Familien- und Schulkonzerte sowie drei Konzerte, die Jugendlichen „Bock auf Klassik“ machen sollen; es soll ein Klub für Alleinstehende ins Leben gerufen werden, die zusammen ins Konzert gehen; und es soll dreimal im Jahr bei „musikalischen Frühschoppen“ im Belgischen Haus Gelegenheit setzen, hinter die Kulissen der Orchesterarbeit zu schauen. Orozco-Estrada wird schließlich eine Reihe von Gesprächskonzerten mit Haydns „Tageszeiten“-Sinfonien nicht nur dirigieren, sondern auch moderieren.