Der Bundespolitiker wohnt nahe dem Brüsseler Platz. Für unsere neue Serie „Kölner Plätze“ meldet er sich zum Interessenkonflikt in einem Gastbeitrag zu Wort.
Karl LauterbachDer Brüsseler darf kein toter Platz werden

Karl Lauterbach (SPD) gab als Bundesminister für Gesundheit mehrfach Pressekonferenzen auf dem Brüsseler Platz, wie hier 2024.
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Ich erlebe den Brüsseler Platz als sehr lebendig. Hier sind immer sehr viele junge Leute, aber auch Menschen, die drumherum leben. Jung und Alt begegnen sich, die Stimmung ist gelöst, es wird viel diskutiert und gelacht. Das ist eine Umgebung, die ich als sehr anregend empfinde – und friedlich. Ich wohne in der Nähe, nicht direkt am Platz. Ich bin aber regelmäßig dort. Besonders gern gehe ich in das Café Belgique, weil sich das über die vielen Jahre nicht verändert und seinen sehr belgischen Charakter behalten hat. Aber ich esse auch gern am Platz, wenn es die Zeit erlaubt.
Zeitweise war der Brüsseler Platz total überlaufen. Um den Kiosk herum gab es sehr viel Bierlaune. Auch das hatte seinen Charme, war aber sicherlich nicht ganz einfach für die Anwohnenden. Die Leute standen mit einem Bier herum, versorgten sich am Kiosk und sorgten für einen enormen Lärmpegel. Das war zum Teil unerträglich. Wenn man einem solchen Lärm immer wieder ausgesetzt ist, dann ist das natürlich schädlich, das ist gar keine Frage. Grenzwerte müssen eingehalten werden.
Aber dass die Gastronomie direkt am Platz jetzt abends nicht mehr lange öffnen darf, halte ich für einen Verlust. Ich habe Sorge, dass die Lebendigkeit am Brüsseler Platz ein Stück weit absterben könnte. Das darf kein toter Platz werden, davon haben wir in Köln schon genug. Ich glaube, dass es einen Kompromiss geben muss. Man muss am Platz sitzen und dort abends essen und auch ein Glas Wein oder ein Bier trinken können, im Sitzen und mit einer geregelten Bedienung. Die Gastwirte müssten darauf achten, dass ihre Gäste nicht zu laut werden. Und auf dem Platz selbst, also für die Leute, die dort stehen oder umhergehen, sollte ein Alkoholverbot gelten. Das wäre meiner Ansicht nach ein guter Kompromiss.
Immerhin hat der Brüsseler Platz den Vorteil, dass die Feinstaubbelastungen dort nicht so hoch ist wie an den Ringen oder an den Durchfahrtstraßen. Dort ist die Lebensqualität wirklich reduziert. Natürlich muss man auch die Lärmbelastung am Brüsseler Platz ernst nehmen, das ist ganz klar. Aber die Regeln dürfen nicht so streng sein, dass es kein Leben mehr gibt am Platz.
Zur Person
Karl Lauterbach (SPD) vertritt seinen Wahlkreis im Kölner Norden seit 2005 im Bundestag. Der promovierte Mediziner und Gesundheitsökonom war von 2021 bis 2024 Gesundheitsminister und führte das Land als solcher durch die Corona-Pandemie. Er wohnt nahe dem Brüsseler Platz.
Unsere neue Serie „Kölner Plätze“ rückt einmal im Monat einen Ort in Köln in den Fokus. Dieser Beitrag ist Teil der zweiten Folge zum Brüsseler Platz.
Reden auch Sie mit uns über den Brüsseler Platz: Wie erleben Sie ihn? Was hält Sie hier? Was fehlt? Ergänzen Sie die Aufgabenliste! Vielleicht haben Sie eine besondere Geschichte zu erzählen, die Sie mit dem Brüsseler Platz verbindet. Oder haben Sie besonders schöne, auch bezeichnende oder historische Fotos des Platzes? Dann senden Sie eine Mail an ksta-koeln@kstamedien.de.
