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AufforstungIn den Eifelwäldern beginnt das Frühjahrspflanzen

Lesezeit 4 Minuten
Ein Mann gräbt im Wald den Boden um.

Lebhaft geht es in der Pflanzsaison auf den Flächen zu, die durch Stürme und Kaferfraß kahl geworden sind und nun für die kommenden Jahrzehnte neu bepflanzt werden.

In den Eifelwäldern gibt es viele vermeintliche Brachflächen. Doch so brach sind diese gar nicht – die Natur arbeitet momentan rund um die Uhr.

Zerstört und chaotisch sehen viele Flächen in den Eifelwäldern aus. Stürme und die Attacken des Borkenkäfers haben mancherorts einst bewaldete Hügel kahl werden lassen. Doch Stillstand herrscht auf den vermeintlichen Brachflächen nicht. Ganz im Gegenteil: Hier passiert viel, im Kleinen wie im Großen. So ist die Natur unermüdlich an der Arbeit. Winzige Samen bringen neues Leben. Und auch die Waldarbeiter haben jetzt Hochsaison, denn das Frühjahrspflanzen ist im Gang.

So auch bei German Lippert, zuständiger Revierförster im Revier „Ländchen“, das große Teile des Gemeindegebiets Hellenthal umfasst. Sein Hauptaugenmerk richtet sich in diesen Tagen auf zwei Flächen, die im Bereich Hinterseiffen/Pützfuhr liegen. Die Waldflächen auf beiden Seiten des kleinen Seitentales haben in den letzten Jahren arg Federn lassen müssen. Spektakulär waren die Folgen des Sturms „Burglind“ im Januar 2018, bei dem auch eine hochgewachsene Fichte auf ein Haus im Hinterseiffen gestürzt war.

„Der Sturm hat da schwer reingeschlagen“

„Der Sturm hat da schwer reingeschlagen, und im Laufe der Jahre hat die Fläche sich aufgelöst“, sagt Lippert. Und auch der Borkenkäfer sei dort aktiv gewesen. „Wir waren in jedem Jahr zwei- bis dreimal hier“, sagt der Förster. Nun ist die Fläche kahl. Doch die geschulten Augen der Forstfachleute sehen, wie die Naturverjüngung aktiv ist. Erlen und Ahornbäume, Birken und Nussbäume haben sich bereits angesiedelt. In den nächsten Tagen werden sie Gesellschaft bekommen, wenn die Mitarbeiter von Wald und Holz junge Bäume einsetzen.

Die Fichte, immer noch Brotbaum der Holz- und Forstwirtschaft, wird dann nicht mehr dabei sein. Denn dem Klimawandel hat die Baumart nicht viel entgegenzusetzen. Trockenheit und Borkenkäfer sorgen für ein Absterben der Monokulturen. Fast nur noch Holz aus Kalamitäten wie der Borkenkäferplage sei in den vergangenen Jahren geerntet worden, betont Lippert. „Wir waren auch immer unter dem nachhaltigen Hiebsatz der Forsteinrichtung von 5500 Festmetern“, sagt er.

Fünf Flächen mit rund sieben Hektar werden in der Gemeinde Hellenthal in diesem Frühjahr bepflanzt. Insgesamt verfügt die Gemeinde über rund 1000 Hektar Wald, von denen derzeit etwa 20 Hektar Kahlflächen sind. Rund 1,6 Hektar stehen hier in dem Seitental am Hinterseiffen zur Wiederaufforstung an. Mit einem Waldentwicklungskonzept und einem Wiederbewaldungskonzept unterstützt der Landesbetrieb Wald und Holz NRW die Waldbesitzer dabei, die richtigen Baumarten herauszufinden. Auf einem Infoportal im Internet können sie herausfinden, welche Baumart für ihren Boden besonders geeignet ist.

Welche Bedingungen herrschen in 70 Jahren?

Denn welche Bedingungen in 70 Jahren herrschen könnten und welche Sorten dafür geeignet sind, ist fraglich. Deshalb wird auch empfohlen, vier verschiedene Baumarten auf eine Fläche zu setzen und so einen Mischwald zu produzieren, erläutert Försterin Isabell Klink vom Regionalforstamt. „Hier haben wir uns für den Waldentwicklungstyp Douglasie-Buche entschieden“, erklärt sie. 35 Prozent Laubwaldanteil solle die Fläche bekommen.

Neben Douglasien und Buchen sollen am Hinterseiffen auch Küstentannen und Weißtannen sowie Sandbirken gesetzt werden. Die Tannen müssten aber angesichts des hohen Wildbestandes mit einem Gatter vor Verbiss geschützt werden. „Das ist für die Tiere wie eine Käse-Sahne-Torte inmitten eines Berges aus trockenem Brot“, sagt sie schmunzelnd. Doch nicht die ganze Fläche ist umgattert. Die restlichen Pflanzen würden im Herbst mit einem Anstrich gegen Verbiss geschützt.

„Die Tanne durchwurzelt den Boden besser, da hoffen wir auf bessere Wasserversorgung und Stabilität“, so der Leiter der Regionalforstamtes, Christoph Böltz. Die Pflanzen, die sich selbst angesiedelt hätten, würden auf keinen Fall ausgerissen, sondern im Bewuchs integriert. Nicht einfach sei es, genug Pflanzenmaterial zu bekommen, beschreibt Lippert die Schwierigkeiten. „Die Produktion der klimaresistenten Arten ist noch sehr gering, während die Nachfrage sehr groß ist“, sagt er.

Denn, so ergänzt Klink: In NRW betrügen die Kahlflächen rund 135 000 Hektar, etwa 15 Prozent der gesamten Waldfläche. Auf Probleme bei der Lagerung weist Böltz hin. „Samen von Nadelbäumen können fast unbegrenzt gelagert werden, aber Bucheckern, Eicheln oder Kastanien müssen eigentlich direkt im nächsten Frühjahr gesät werden“, sagt er.


Das Pflanzgut

Rund 27 000 Pflanzen sind für die Wiederaufforstung angeliefert worden und kurzfristig in einem Einschlag untergebracht. 23 000 davon sind für Hellenthal vorgesehen, der Rest geht in das Schleidener Revier.

Neben 10 000 Douglasien wurden 8200 Buchen, 2000 Küstentannen, 1400 Birken, 800 Weißtannen und 600 Ahorn geliefert. „Wurzelnackt“, also ohne Pflanzballen, wurden sie geliefert. Darum mussten sie nach ihrer Ankunft „eingeschlagen“, also im Wurzelbereich mit Erde bedeckt werden


Der Tag des Waldes

1971 rief die FAO, die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, den 21. März als Internationalen Tag des Waldes aus. Seit 2012 ist er offizieller Aktions- und Thementag der Vereinten Nationen. Damit soll auf die Bedrohung der Wälder durch Zerstörung und den Klimawandel aufmerksam gemacht werden.

Das Thema in 2023 lautet „Wälder und Gesundheit“. Christoph Böltz, Leiter des Regionalforstamtes Hocheifel-Zülpicher Börde: „Gegenüber anderen Thementagen wie dem Tag des Bieres ist der Tag des Waldes im Zusammenhang mit dem Klimawandel vielleicht der deutlich wichtigere Tag.“

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