„Sie alle sind Helden“Bei Gedenkfeier mit Faeser und Reul steht Dank im Mittelpunkt

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Vertreter der Hilfsorganisationen, die während der Flut im Kreisgebiet im Einsatz waren, standen bei der Gedenkstunde im Mittelpunkt.

Euskirchen – Die Sonne scheint, ein leichter Wind weht. Welch ein Kontrast an diesem 14. Juli zum gleichen Tag im vergangenen Jahr. Nachdem 2021 die Flutkatastrophe über den Kreis Euskirchen hereingebrochen war, ist dieser 14. Juli nun ein Tag zum Innehalten. Zum Gedenken. Und auch zum Danksagen.

Der Dank steht am Nachmittag vor dem auf halbmast geflaggten Kreishaus im Fokus. Bundesinnenministerin Nancy Faeser und ihr NRW-Amtskollege Herbert Reul sind der Einladung von Landrat Markus Ramers nach Euskirchen gefolgt, Bundestags- und Landtagsabgeordnete, die Bürgermeister ebenso.

Auch zahlreiche Vertreter von Feuerwehr, THW und den Hilfsorganisationen sind da, die in dieser schrecklichen Nacht und in den Tagen und Wochen danach alles getan haben, um den Menschen zu helfen.

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NRW-Innenminister Herbert Reul lobte den Einsatz der Helfer.

26 konnten sie nicht helfen. 26 Menschen haben im Kreis Euskirchen in der Flutnacht ihr Leben verloren. Dass es nicht mehr geworden sind, das heben alle Redner deutlich hervor, ist das Verdienst der Helfer. Ihr eigenes Leben haben sie in dieser Nacht oft aufs Spiel gesetzt, um ihren Mitmenschen zu helfen.

Als die Schäden offenbar sind, haben Zigtausende angepackt, großen Mut bewiesen, sind über sich hinausgewachsen. „Die Not war groß, die Hilfsbereitschaft noch größer“, sagt Reul. Den Dank der gesamten Bundesregierung richtet Faeser aus – und kleidet ihn in prägnante Worte: „Sie alle sind Helden.“

Großer Dank geht an Helfer in der Flutnacht im Kreis Euskirchen

Einem besonderen Helden widmet sich auch Reul: Hubert Schilles, der Mann, der losgezogen ist und den Grundablass der Steinbachtalsperre, die Reul nach der Gedenkstunde ebenfalls besuchen wird, freizubaggern. Der seinen Beitrag geleistet hat, um die Heimat der Menschen unterhalb der Talsperre zu schützen. Der nicht einmal ein Dankeschön dafür hat haben wollen – das sei doch selbstverständlich gewesen. Diese Haltung ist es, die Reul nachhaltig beeindruckt – und für die Schilles exemplarisch steht. „Wir sollten uns viel mehr auf die konzentrieren, die etwas tun“, sagt Reul: „Die sind viel mehr wert als die, die alles wissen.“

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Bundesministerin Nancy Faeser bei ihrem Besuch am Kreishaus.

Dass die Katastrophe mit dem Jahrestag nicht beendet ist, machen Ramers, Reul und Faeser deutlich. Zum einen wird der Wiederaufbau noch viel Kraft erfordern. Noch mehr das Heilen der Wunden, die die Katastrophe in die Seelen der Menschen geschlagen hat.

Und auch die staatlichen Stellen seien auf allen Ebenen gefordert, das Land krisenfester aufzustellen. Konzepte müssen her, Warnmöglichkeiten. All das, was in diesen Tagen durchdekliniert wird, nennen sie: Sirenen, Cell-Broadcasting, und, und, und.

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Die Gedenkstele für die 26 Opfer der Flut im Kreis Euskirchen wurdeam Donnerstagnachmittag enthüllt.

Doch Reul, der die Realität im Katastrophengebiet und in seiner ebenfalls vom Hochwasser getroffenen Heimatstadt Leichlingen vor Augen hat, macht sein Misstrauen gegenüber „schnellen Antworten“ sehr deutlich: Die Rufe nach mehr Zentralisierung könne er „nicht mehr hören“. Konzepte und Reden seien das eine, die Realität etwas ganz anderes.

Gedenkstele am Kreishaus

Mit einer Gedenkstele, die von der aus Mechernich-Lückerath stammenden Künstlerin Anna von Laufenberg entworfen wurde, wird fortan an die 26 Todesopfer erinnert, die die Flutkatastrophe allein im Kreis Euskirchen forderte. „Hier am Kreishaus, wo Tausende Notrufe eingegangen sind und von wo aus die Rettungseinsätze koordiniert wurden“, sei der richtige Ort, in einem würdevollen Rahmen der Opfer zu gedenken, sagte Landrat Markus Ramers.

 Scharfkantige Gebilde im oberen Bereich des Kunstwerks symbolisieren die Trümmer, die die Flut in den Orten hinterlassen hat – organische Formen im unteren Teil visualisieren das Wasser, „das sich mit erschreckender Kraft seinen Weg gebahnt hat und dessen Spuren auch heute noch vielerorts zu sehen sind“, erläuterte die Künstlerin, was sie in ihrem Entwurf darstellen wollte. Gefertigt wurde die Stele aus rostendem Stahl. (thw)

Der Zukunft des Katastrophenschutzes widmen sich Reul und Faeser gleichermaßen. Der sei viel zu lange das Stiefkind der Politik gewesen, sagt Reul. Und Faeser verweist darauf, dass „wir uns in Deutschland viel zu lange in Sicherheit gewogen haben“, da das Land über viele Jahre nicht von einer derartigen Naturkatastrophe getroffen worden sei. Wenn in der Bevölkerung das Bewusstsein für Risiken und Gefahren höher sei, könne auch der Staat die Sicherheit besser gewährleisten.

Das Gemeinsame Kompetenzzentrum beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sei ein erster Schritt: Schnell reagieren, schnell warnen, schnell helfen seien die Ziele. Und: „Der effiziente Schutz der Menschen muss im Vordergrund stehen – und nicht Zuständigkeits- oder Verwaltungsfragen“, sagt Faeser. Denn die Frage, ob eine Katastrophe wie die vom vergangenen Jahr wieder passieren kann, könne sie nur ehrlich beantworten: „Ja.“

„Was wir vor Ort leisten können, tun wir gerne“, sagt Ramers. Und verweist auf die Bedeutung der Menschen. 95 Prozent der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr im Kreis werden ehrenamtlich geleistet. „Von Menschen mit Herz und Verstand. Sie sind das Herz unseres Bevölkerungsschutzes“, sagt der Landrat.

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Und: „Am Ende des Tages wird es in der Katastrophe auf jeden Einzelnen von uns ankommen.“ Dass die Menschen im Kreis dies trotz allem Leid nach der Flut eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, macht den Landrat zu Recht stolz.  

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