Lokalsportkoordinator Thomas Schmitz nahm am Jogginglauf in Kreuzweingarten teil. Für ihn war es der erste Wettbewerbsstart überhaupt.
Selbstversuch in Kreuzweingarten„Meine beiden Ziele habe ich mir erfüllt“

Vom Start weg war Benoit Paques (Nr. 4) vorne. Er gewann den siebten von bisher sieben Eifel-Cup-Läufen.
Copyright: Thomas Schmitz
Der Mensch braucht Ziele. Für Sportler, die auch der Spezies Mensch angehören, gilt das sowieso. Jetzt will ich mich nicht als Sportler bezeichnen, aber: Mein Name steht nun zum ersten Mal auf der Ergebnisliste eines Laufes.
Ich war nie eine richtige Sportskanone. Ehrenurkunden von Bundesjugendspielen kannte ich nur aus den Kinderzimmern von Mitschülern und Freunden. Meine Trainer und Mitspieler in der Jugend des SV Frauenberg (respektive des SC Wißkirchen und des TuS Ülpenich, als der SVF mit diesen Vereinen kooperierte) würden mir auch kein allzu großes Fußballtalent bescheinigen. Ich war jemand, den man kurz vor Schluss einwechselte, um Zeit von der Uhr zu bekommen oder der linker Verteidiger spielen konnte, wenn zu wenige Mitspieler da waren. Meine „Karriere“ war deshalb, bis auf einen kurzen Versuch im Seniorenfußball Ende der 90er-Jahre, schon mit der C-Jugend beendet. Talent hatte ich höchstens im Basketball während der Schulzeit – aber mit einer Körpergröße von 1,74 Meter und damals ein absoluter Hänfling war ich ein Zwerg unter Riesen.
Laufen bedeutet für Lokalsportchef Thomas Schmitz pure Effizienz
Was ich aber schon immer gut konnte: Laufen – zwar wenig ausdauernd, dafür aber umso langsamer. Über die Jahre hinweg ist Jogging für mich zu einem ständigen Begleiter geworden. Zumindest wenn es nicht regnet, nicht zu kalt und nicht zu heiß ist. Laufen bedeutet für mich Effizienz: In möglichst kurzer Zeit verbrennt man am meisten Kalorien. Und man braucht nicht viel. Ein paar ordentliche Schuhe sollten es aber schon sein, wie ich nach vielen Jahren mit Knieschmerzen wegen der falschen Schuhe gelernt habe.
Aber seit einem Jahr bin ich schmerzfrei, und die Zeiten wurden – auch wegen der neuen Schuhe – immer besser. Keine, mit denen man beeindrucken könnte. Aber wenn man mittlerweile zwei Minuten pro Kilometer schneller unterwegs ist als noch vor zwei Jahren, merkt man doch einen gewissen Effekt. Deshalb reifte in mir jüngst ein Entschluss, nachdem ich mich mit Janina Stach und Kerstin Sauer von der Laufabteilung des TuS Kreuzweingarten-Rheder getroffen hatte, um einen Vorbericht zum Römerkanal-Volkslauf, der Teil der Eifel-Cup-Laufserie ist, zu schreiben. Er lautete: Ich mache mit.
Die Zweifel wurden mit dem Blick aufs Thermometer immer größer
Natürlich nicht über die volle Distanz von 10,35 Kilometern, sondern die Joggingrunde, die man ganz entspannt laufen soll. Ich kann jetzt schon verraten: Ganz so entspannt waren die 4,6 Kilometer dann doch nicht. Wenn ich so für mich alleine jogge, liegt die Distanz immer zwischen vier und fünf Kilometern. Aus Versehen waren es zuletzt mal fast sieben Kilometer gewesen, aber das brauche ich vorerst nicht noch mal.

Ist bereit für die Abkühlung: Thomas Schmitz.
Copyright: privat/Janina Stach

Schnellste Frau auf Gesamtplatz sieben: Nora Schmitz.
Copyright: Thomas Schmitz
Am Donnerstag meldete ich mich an. Doch schon am Freitag wurden die Zweifel groß – mit Blick aufs Thermometer und die Wettervorhersage. Denn da war ja was: Ich jogge nur, wenn es nicht regnet, nicht zu kalt und nicht zu heiß ist. Zwei von drei Voraussetzungen konnte ich ausschließen, aber die dritte wurde übererfüllt. Als ich mich Samstagnachmittag auf den Weg nach Kreuzweingarten machte, zeigte das Auto-Thermometer mitten in Euskirchen 37 Grad.
Verlaufen kann man sich zum Glück in Kreuzweingarten nicht
Mein vorher gesetztes Ziel, nicht Letzter werden zu wollen, schraubte ich noch einmal hinunter auf: ins Ziel kommen ohne Kreislaufkollaps. Immerhin wurde ich dann etwas beruhigt: In Kreuzweingarten war es vier Grad kühler, der Sportplatz lag größtenteils im Schatten, es ging eine Brise und der Hauptteil der Strecke liegt im Wald. Das wird schon klappen.
Die nächste Sorge, weil es ja meine Premiere war: Kann ich mich unterwegs verlaufen? Hier beruhigte mich Kerstin Sauer. Streckenposten weisen den Weg. Gleichzeitig warnte sie mich ein wenig vor der längeren Bergaufpassage zu Beginn der Strecke, die dann im freien Feld endet, wo man für ein paar Hundert Meter der prallen Sonne ausgesetzt ist. Diese Kombination sei nicht ganz ohne.
Die erste Erkenntnis: Die anderen Läufer machen sich alle warm!
Was mir dann als Nächstes auffiel: Die Läufer machten sich alle warm. Liefen sogar schon ein paar Meter. Wenn ich zu Hause jogge, mache ich vorher vielleicht ein paar Kniebeugen (in Neudeutsch: Squats), ein paar Liegestütze und ein paar Sit-ups. Das war mir dann aber irgendwie zu peinlich. Also vertraute ich einfach auf die Außentemperatur und ging alibimäßig ein paar Meter.

Auf Gesamtplatz 24 kam der Bundestagsabgeordnete Detlef Seif ins Ziel, der sich hier an der Streckendusche kühlte.
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Der eine – Lokalsportkoordiantor Thomas Schmitz (r.) – hat's und ist geschafft, der andere – Landrat Markus Ramers – hat noch 10,35 Kilometer vor sich.
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So „aufgewärmt“ und mit all meinen Zielen im Hinterkopf begab ich mich zum Start und stellte mich zunächst einmal ganz nach hinten. Nicht die allerbeste Entscheidung, wie ich schnell feststellte, denn obwohl ich der viert- oder fünftälteste der 18er-Gruppe war, war ich beim Start nicht der langsamste. Auf dem Sportplatz kann man noch überholen, aber auf der ersten Waldpassage nur schwer. Und da fiel mir dann auf, dass ich wirklich nur alleine laufen gewohnt bin, und zwar in dem Tempo, das mir mein Körper vorgibt. Sich hinter jemandem einzureihen, ist nicht meins. Als ich die Möglichkeit besaß, überholte ich ein paar Läuferinnen und Läufer und genoss die Freiheit vor mir.
Die Ankunft auf dem Sportplatz ist ein großartiges Gefühl
Die von Kerstin Sauer angekündigte Aufstiegspassage nahm ich noch locker hin, mitten in der Sonne wurde man von einem der Streckenposten mit einer Wasserpistole nass gespritzt. Dann ging es wieder in den Wald und es lief ganz gut. Bis es kurz vor dem Ende ein weiteres Mal bergauf ging. Und meine Stimmung ein wenig kippte. Ich merkte, wie die Kräfte schwanden. Kurz vor dem Sportplatz laufen die große und kleine Runde zusammen – und während ich gerade meine große Runde abschloss, näherte sich von links bereits Laufroutinier Norbert Schneider, der trotz dick bandagiertem Knie schon das Ziel vor Augen hatte.
Beim Einlauf auf den Sportplatz wurde ich vom TuS-Vorsitzenden Heinrich Hettinger mit Namen begrüßt und von Zuschauern, darunter meinen Söhnen, angefeuert. Das ist schon ein großartiges Gefühl – und das wäre ein schöner Abschluss gewesen, wenn nicht noch die kleine Runde folgen müsste.
Mit Wasserpistolen kühlten Streckenposten die Läufer
In der hieß es für mich nur, sie zu überstehen. Kerstin Sauer, die ich zwischenzeitlich überholt hatte, war wieder locker an mir vorbeigezogen. Aber als ich dann am Ende von zahlreichen Wasserpistolen abgeschossen wurde und es tatsächlich ins Ziel schaffte, war ich wie euphorisiert. Die Freude stieg, als ich dann mein Ergebnis hörte. Ich hatte tatsächlich beide Ziele erreicht: Ich war angekommen und wurde nicht Letzter. Im Gegenteil: Von den acht gestarteten Männern (die drei Starter aus der Jugendklasse klammere ich aus) wurde ich Vierter!
Und weil der Mensch ja Ziele braucht, könnte es durchaus sein, dass der Jedermannlauf in Kreuzweingarten nicht mein letzter gewesen ist. Es muss halt nur alles passen: Es darf nicht regnen, nicht zu kalt sein und nicht zu heiß. Obwohl: Eigentlich ist das Wetter doch egal.
Siebter Streich im siebten Lauf von Benoit Paques
Auch im siebten Rennen der Saison war Benoit Paques (RFCL Liege Trakks) erneut nicht zu schlagen. Beim Römerkanal-Volkslauf über 10,35 Kilometer, der für den Eifel-Cup gewertet wird, kam er nach 35:15 Minuten als Erster ins Ziel vor Marco Müller (SV Mutscheid, 37:01 Minuten) und Daniel Bauer (TuS Kreuzweingarten-Rheder, 38:22 Minuten). Paques hat alle sieben Läufe der Saison gewonnen.
Schnellste Frau auf Gesamtplatz sieben war Nora Schmitz (LC Euskirchen/Peters Sportteam, 42:10 Minuten) vor Franziska Walbrül (TuS Kreuzweingarten-Rheder, 46:35 Minuten) und Olga Kojadin (LC Euskirchen, 47:26 Minuten).
Der Bundestagsabgeordnete Detlef Seif kam als 24. (50:37 Minuten) ins Ziel, Landrat Markus Ramers als 49. (57:03 Minuten).

