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Ärger mit AbrechnungenKunden im Kreis Euskirchen sind frustriert über Westnetz

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Auf einem Hausdach sind Solarpaneele angebracht.

Auf vielen Dächern im Kreis Euskirchen, wie hier in Lommersum, sind PV-Anlagen zu finden.

Weil es immer noch Ärger mit Westnetz gibt im Kreis Euskirchen, hat der CDU-Abgeordnete Detlef Seif ans Bundeswirtschaftsministerium geschrieben.

Wer in eine Photovoltaikanlage investiert, tut dies meist aus mehreren Gründen: für die Energiewende, für mehr Unabhängigkeit und nicht zuletzt als wirtschaftliche Investition. Doch im Versorgungsgebiet der Westnetz GmbH wächst der Unmut vieler Anlagenbetreiber.

Sie müssen lange auf ihr Geld warten, beklagen lange Bearbeitungszeiten, ausbleibende Abrechnungen und Schwierigkeiten bei der Kommunikation mit dem Netzbetreiber. Inzwischen hat das Thema auch die politische Ebene erreicht. Der Bundestagsabgeordnete Detlef Seif (CDU) hat sich mit einem Schreiben an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche gewandt.

Darin schildert er zahlreiche Beschwerden aus seinem Wahlkreis und fordert eine Prüfung möglicher struktureller Defizite bei der Westnetz GmbH. „In den vergangenen Monaten haben mich vermehrt Beschwerden über die Abwicklung von Netzanschlüssen, Einspeisevergütungen, Abschlagszahlungen und Abrechnungen für Solaranlagen erreicht“, schreibt Seif.

Die Energiewende darf nicht daran scheitern, dass Menschen resignieren, weil die praktische Funktionsfähigkeit nicht gewährleistet ist.
Detlef Seif (CDU)

Die Hinweise seien vielfältig und nicht auf einen Ort beschränkt. Auch die Kreisbauernschaft Euskirchen habe entsprechende Fälle aus der Landwirtschaft zusammengetragen. Nach Darstellung des Bundestagsabgeordneten geht es dabei nicht um einzelne Verzögerungen, sondern um ein wiederkehrendes Muster.

Genannt werden lange Wartezeiten beim Zählereinbau, fehlende oder schwer nachvollziehbare Abrechnungen, ausbleibende Abschlagszahlungen sowie mangelnde Erreichbarkeit und unklare Zuständigkeiten. Die Folge seien finanzielle Belastungen und erhebliche Planungsunsicherheit für private Anlagenbetreiber, landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen.

Viele Kunden haben schlechte Erfahrungen gemacht

„Die Energiewende darf nicht daran scheitern, dass Menschen resignieren, weil die praktische Funktionsfähigkeit nicht gewährleistet ist“, betont Seif in seinem Schreiben. Wer Bürger und Unternehmen zur Investition in erneuerbare Energien ermutige, müsse auch sicherstellen, dass Anschluss, Messung, Abrechnung und Vergütung zuverlässig funktionierten.

Die Kritik deckt sich mit den Erfahrungen vieler Betroffener. Einer von ihnen ist der Bad Münstereifeler Theo Streit. Der Rentner und frühere Industrie-Manager betreibt seit Jahren eine Photovoltaikanlage und wartet nach eigenen Angaben seit Monaten, inzwischen eher seit einem Jahr, auf eine korrekte Abrechnung.

Betroffener ärgert sich vor allem über die Kommunikation

„Auch der Wechsel zur e-regio wurde von Westnetz bisher nicht vollständig abgeschlossen“, berichtet Streit. Zwar sei er inzwischen Kunde des regionalen Energieversorgers, der zum Jahresbeginn die Netze in den Städten Bad Münstereifel und Euskirchen von Westnetz übernommen hat. Doch offene Vorgänge aus der Zeit bei Westnetz seien weiterhin nicht geklärt.

Wenn Stromkunden ihre Rechnung nicht bezahlen, wird es schnell dunkel. Als Einspeiser wartet man dagegen monatelang auf sein Geld.
Theo Streit, Bad Münstereifeler

Besonders ärgerlich sei für ihn die Kommunikation: „Falls man dort überhaupt jemanden erreicht, bekommt man oft unsinnige Erklärungen oder Zusagen, die anschließend nicht eingehalten werden.“ Für Streit ist die Situation schwer nachvollziehbar. Seit dem Wechsel zur e-regio funktionierten die Abläufe reibungslos: „Wieso können die das, die Westnetz aber nicht?“

Hinzu kommt der finanzielle Aspekt. Für den eingespeisten Strom steht Anlagenbetreibern eine gesetzlich geregelte Einspeisevergütung zu. Streit verweist darauf, dass er für seinen Solarstrom rund acht Cent pro Kilowattstunde erhalten sollte. „Wenn Stromkunden ihre Rechnung nicht bezahlen, wird es schnell dunkel. Als Einspeiser wartet man dagegen monatelang auf sein Geld“, kritisiert er.

Auch die Bundesnetzagentur ist über die Probleme informiert

Seine Vorwürfe richten sich nicht nur gegen Mitarbeiter, sondern gegen die Unternehmensführung. Aus seiner Berufserfahrung in leitenden Positionen könne er nicht nachvollziehen, wie ein solcher Zustand über einen so langen Zeitraum bestehen könne: „So etwas hätte ich weder mir erlaubt noch bei meinen Mitarbeitern akzeptiert.“

Westnetz, eine Tochter der Westenergie AG und damit Teil des E.on-Konzerns, ist in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens als Verteilnetzbetreiber tätig und für die technische Abwicklung von Netzanschlüssen sowie die Auszahlung von Einspeisevergütungen verantwortlich.

Ob die von zahlreichen Betroffenen geschilderten Probleme tatsächlich auf strukturelle Ursachen bei Westnetz zurückzuführen sind, soll nach dem Willen des Bundestagsabgeordneten Detlef Seif nun genauer geprüft werden.

Neben dem Bundeswirtschaftsministerium wurde ihm zufolge auch die Bundesnetzagentur über die Beschwerden informiert. Auch Seif hat über zahlreiche Anlagenbetreiber im Kreis Euskirchen die Ankündigungen von Westnetz gehört, die Abläufe zu verbessern. Doch geschehen sei längst nicht in jedem Fall etwas.