Die Lokalsportredakteure liefern zum Abschluss der Saison die letzten (steilen) Thesen zur abgelaufenen Spielzeit und blicken voraus.
TNT zum SaisonabschlussEs sind keine schönen Wochen für den Fußballkreis Euskirchen

Die Fußballsaison ist vorbei. Jetzt ist Aufräumen angesagt – wie hier auf der Bank in Dahlem-Schmidtheim nach dem Aufstieg.
Copyright: Tom Steinicke
Die Fußball-Saison ist – bis auf ein paar Entscheidungen im Jugendbereich – beendet. Für die beiden Lokalsportredakteure Thomas Schmitz und Tom Steinicke ist das nun wieder der perfekte Zeitpunkt zurückzublicken und vorauszuschauen.
Zülpich wird in der Mittelrheinliga mit erfrischendem Fußball punkten und nichts mit dem Abstieg zu tun haben, muss sich aber auch auf mehr Niederlagen einstellen als bisher.
Thomas: Ganz ehrlich: Wäre ich Niki Lauda, würde ich meine rote Kappe ziehen vor dem, was Zülpich geschafft hat. Im zweiten Jahr in der Landesliga aufzusteigen, ist unglaublich. Ich bin mir noch unschlüssig, ob die Mittelrheinliga nicht noch zu früh kommt, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Und wenn man einige Spiele von Zülpich – das Pokalfinale gegen Bessenich klammere ich mal aus – gesehen hat, weiß man: Man bekommt Spektakel, man bekommt Offensivfußball, es ist gut anzuschauen. Ich vermute, dass David Sasse an der Taktik nicht viel ändern wird und deshalb wird Zülpich mit dem Abstieg nichts zu tun haben.
Nirvana, Led Zeppelin, Queen, Guns N'Roses und der TuS Zülpich
Tom: Zunächst einmal auch an dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch zu dieser überragenden Saison, die geprägt war von ganz viel Heavy-Metal-Fußball. Es war letztlich ein Medley aus Smells Like TuS Spirit, Stairway to Aufstieg und Römerstadt Rhapsody. Nun heißt es: Welcome to The Mittelrheinliga. Dort wird der TuS mit seiner Art Fußball zu spielen sicherlich mal Lehrgeld bezahlen, vielleicht auch zwei- oder dreimal.
Aber: Eine Klasse zu halten, ist immer einfacher, als aufzusteigen. Und daher wird der TuS auch in der Mittelrheinliga für Furore sorgen, Spiele gewinnen. Und wenn die Mannschaft weiter so hart arbeitet, sich nach Niederlagen – die ganz sicher kommen werden – auf ihre Stärken besinnt, ist der Klassenerhalt alles andere als unrealistisch.
Mich fasziniert, wie das Team sich entwickelt hat. Als Paradebeispiel ist Nico Berekoven zu nennen. Wahnsinn der Kerl. Der Offensivspieler hat schon vor dem ersten Spiel einen der besten, wenn nicht den besten linken Fuß der Liga. Und diese Opferbereitschaft, alles hintanzustellen, die Ernährungsumstellung, um noch ein paar Prozent besser zu werden – das ist beeindruckend. Und Berekovens gibt es viele in der Mannschaft. Sie heißen halt nur anders.
Die SG Hellenthal hat mit ihrem Lustlos-Auftritt am letzten regulären Spieltag ihre Sympathien verspielt, weshalb Bürvenich der gerechtere Aufsteiger ist.
Tom: Als ehemaliger Fußballer, der auch gerne gefeiert hat, ist der Auftritt der SG in Nöthen nicht nachzuvollziehen. Klar, Feste müssen gefeiert werden, wie sie fallen. Aber Aufstiege auch. Und die gibt es in der Regel seltener als Partys in der Eifel. Daher hätte ich als Fußballer andere Prioritäten gesetzt.
Ich finde es aber auch drei Wochen nach dem 1:7 in Nöthen echt fragwürdig, wie man sich da so – man muss es so sagen – vorführen lassen kann, wenn man aufsteigen kann.
Die Reaktion eine Woche später im Aufstiegsspiel war gut. Letztlich ist Bürvenich aber verdient aufgestiegen. Ich finde es aber auch drei Wochen nach dem 1:7 in Nöthen echt fragwürdig, wie man sich da so – man muss es so sagen – vorführen lassen kann, wenn man aufsteigen kann. Diese Niederlage würde mir als Fußballer nachhängen. Auch, weil ich als Teil einer Mannschaft den scheidenden Trainer hätte anders verabschieden wollen. Aufgrund der Saison wird die SG wieder als einer der Favoriten um den Aufstieg in die Saison gehen. Wahrscheinlich wird dann keiner mehr an den 7. Juni denken. Aber vielleicht hat die Mannschaft ja doch ein bisschen gelernt. Wenn nicht, hat man tatsächlich auch keinen Aufstieg verdient.
Thomas: Man könnte jetzt ketzerisch sein und sagen: Bei der nächsten Saisonplanung muss der Fußballkreis Großveranstaltungen wie das Oktoberfest, das 24-Stunden-Rennen und Rock am Ring ebenso berücksichtigen wie jedes Heimspiel des 1. FC Köln. Dann kommt dieser lästige Kreisliga-Fußball auch dem Spaß nicht in die Quere. Der scheint einigen Spielern der heutigen Generation wichtiger zu sein, als der sportliche Erfolg. Wenn ich die theoretische Chance auf einen Aufstieg habe, dann wird das Feiern mal für eine Woche eingestellt.
Wißkirchen hat sich mit seinem Nicht-Antritt in den Kreisligen A und B keine Freunde gemacht.
Thomas: Egal ob Lommersum oder Hellenthal, ob Füssenich-Geich oder Dahlem-Schmidtheim II und allen voran der Fußballkreis: Alle Betroffenen dürfte derzeit vor allen Dingen eines haben – einen Hals auf den SC Wißkirchen. Nach dem Rückzug der Bezirksligamannschaft hatte man ein Jahr Zeit, um die Weichen zu stellen. Dass der Verein jetzt noch nicht mal eine Kreisliga-B-Mannschaft auf die Beine gestellt bekommt, ist traurig.
Kreative Lösungen müssen her, wenn sie nicht anfechtbar sind
Der Fußballkreis Euskirchen muss nun schleunigst seine Durchführungsbestimmungen anpassen und alle Eventualitäten für kommende Spielzeiten berücksichtigen. Und vielleicht noch schneller juristischen Rat holen. Meines Erachtens könnte man die Kreisliga B als Gesamtes betrachten, da die Staffeln hinterher ohnehin zusammengestellt werden. Dementsprechend spräche nichts dagegen, wenn Dahlem-Schmidtheim II doch die Klasse hält.
Und in der Kreisliga A geben die Durchführungsbestimmungen zwar keine Lösung vor, aber die Auf- und Abstiegsregelungen schon. Die könnte man so interpretieren, dass es maximal drei Aufsteiger in die A-Klasse gibt, die Anzahl der Absteiger aber variabel ist je nach Anzahl der Absteiger von oben. Das könnte man dann pro Lommersum deuten. Aber: Ich bin kein Jurist, sondern denke nur laut ...
Tom: Das, was da in Wißkirchen passiert, ist einfach nur traurig, unfair - ehrlicherweise ziemlich scheiße. Allerdings muss sich auch die Stadt Euskirchen hinterfragen. Der Platz in Wißkirchen ist gefühlt immer noch flammneu und es nicht das erste Mal gewesen, dass der Hybridrasen zu Problemen geführt hat. Dass eine Mannschaft kein Heimspiel in einem halben Jahr absolvieren kann, weil der Fachbereich das Grün nicht in den Griff bekommt, ist schon sehr bitter. Aber gespielt werden muss halt trotzdem - und das wurde nicht gut genug.
Dass man sich dann aber so eine Hängepartie erlaubt, ist schlichtweg nicht in Ordnung. Entweder sind alle Verantwortlichen sehr blauäugig oder schlicht grob fahrlässig an die Sache herangegangen. Es war nicht erst vorgestern abzusehen, dass man keine Kreisliga-A-Mannschaft stellen wird. Davon bin ich überzeugt. Warum also nicht so ehrlich sein und das frühzeitig kommunizieren? Es gibt mindestens eine Mannschaft, die sich darüber gefreut hätte. So oder so gibt es nur Verlierer.
Tristesse statt Fusion: Stotzheim und Wißkirchen am Boden
Der größte ist ganz sicher der SC Wißkirchen. Was hatte der Verein für Pläne. Sogar ein FC Euskirchen stand im Raum, eine Fusion auf Fußballabteilungsebene mit SW Stotzheim. Die Schwarz-Weißen sind schon länger von der Fußballkarte des Kreises verschwunden, dem SCW droht – zumindest auf absehbare Zeit – ein ähnliches Schicksal.
Ich bin aber auch mal gespannt, was Vernich und DHO machen. Oder auch Erftstadt. Auf den Fußballkreis kommen keine schönen Wochen zu – auch dank des SC Wißkirchen.
Von der kommenden Saison sollte man ligaübergreifend nicht allzu viel erwarten.
Tom: Zwei Aufsteiger in die Bezirksliga. Darüber sollte man sich freuen. Ob Dahlem-Schmidtheim und die Reserve des TuS Zülpich so stark waren oder das Niveau der Liga in den vergangenen Jahren gesunken ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich tendiere eindeutig zum Zweiten.
Die vier Bezirksligisten aus dem Kreis dürften gegen den Abstieg kämpfen
Dass in der kommenden Spielzeit aber wieder fünf Teams aus dem Fußballkreis auf Verbandsebene spielen, ist gut. Dass alle vier Bezirksligisten das Ziel „Klassenerhalt“ ausrufen werden, ist vollkommen logisch. Gesunder Realismus nennt man das wohl.
Ansonsten sollte man von der kommenden Saison nicht allzu viel erwarten – quer durch alle Ligen. Das Pokalfinale der Frauen hat gezeigt, wie „gut“ Landesliga- und Bezirksligafußball sind. Von den Aufsteigern in die Kreisliga A dürfen ebenfalls keine Wunderdinge erwartet werden. Von den Namen her dürfte aber Do-Ri nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Auch hier gilt: Mehr als gesunden Realismus kann derzeit wohl niemand erwarten.
Ich bin gespannt, wie viele Teams an den Start gehen werden. Man muss wohl kein großer Prophet sein, um zu sagen: so wenige wie nie zuvor. Füssenich-Geich ist weg, Bessenich hat in den Reserven einen großen Aderlass. Da dürfte es keine drei Mannschaften mehr geben. Ob Vernich überhaupt Teams melden wird, wage ich gerade zu bezweifeln. DHO ganz sicher keine zwei. Dafür wird Mechernich eine dritte Mannschaft melden. Gleichzeitig muss man sich um die Erste große Sorgen machen.
Die Freude auf die neue Saison ist da, die Sorgen sind aber ernsthaft
Für mich ist Kreisliga-Fußball nach wie vor der ehrlichste, wenn auch nicht der schönste. Ich freue mich schon auf die neue Saison, auch wenn ich mir ernsthafte Sorgen mache.
Thomas: Deine Sorgen teile ich. Spricht man mit Vereinsvertretern, die auch andere Fußballkreise kennen, hört man immer nur: Das spielerische Niveau der Teams im Fußballkreis Euskirchen ist geringer. Das sah man vor allen Dingen in der Bezirksliga, in der alle drei Vertreter lange gegen den Abstieg gekämpft haben. Ich denke auch, dass sich in der kommenden Saison alle vier Teams eher in der unteren Tabellenhälfte wiederfinden.
Und was die Kreisligen angeht: Eine Kreisliga A mit nur 13 Teams wäre ein Armutszeugnis. Und eine Kreisliga B mit 27 Teams, aufgeteilt auf zwei Staffeln, wäre auch nicht viel besser. Wie viele Teams es dann überhaupt noch in der Kreisliga C gibt, sei dahingestellt. Man hört Gerüchte, man sieht angebliche Transfers, man reimt sich eins und eins zusammen. Aber wie viele Vereine wirklich antreten und abmelden, sieht man dann erst irgendwann zwischen dem 30. Juni und dem Saisonstart.


