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NLS-Läufe 4 und 5Tödlicher Unfall überschattet 24h-Qualifiers am Nürburgring

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Sven Oepen geht vor dem VW Golf entlang und greift sich an den Helm.

Gelungenes Debüt: Der Mechernicher Sven Oepen und der Euskirchener Manuel Dormagen starteten im VW Golf.

Fahrer aus dem Kreis Euskirchen mit gemischten Ergebnissen beim Rennen am Sonntag. Premiere für Sven Oepen/Manuel Dormagen im Golf GTI.

Es sollte ein Motorsportfest werden und wurde zur Tragödie: Ein schwerer Unfall hat am Samstagabend das erste Rennen der 24h-Qualifiers auf dem Nürburgring überschattet. Nach rund 25 Minuten musste der ursprünglich auf vier Stunden angesetzte Lauf gegen 18 Uhr mit der roten Flagge abgebrochen werden. Sieben Fahrzeuge waren im Streckenabschnitt Klostertal in die Kollision, die offenbar durch Öl auf der Strecke ausgelöst worden war, verwickelt.

Für den finnischen Fahrer Juha Miettinen (BMW 325i) kam jede Hilfe zu spät. Der 66-Jährige erlag im Medical Center seinen schweren Verletzungen. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen blieben Reanimationsversuche erfolglos.

Wir wissen alle, was wir da oben tun und dass das nicht ungefährlich ist.
Frank Stippler

Die Nordschleife gilt als eine der anspruchsvollsten Rennstrecken der Welt. Tödliche Unfälle im professionellen Rennbetrieb sind zum Glück selten geworden, doch das Restrisiko bleibt bestehen. „Wir wissen alle, was wir da oben tun und dass das nicht ungefährlich ist“, sagt der Iversheimer Frank Stippler.

Ein Blick in die Vergangenheit unterstreicht dies: 2010 verunglückte Leo Löwenstein im Bereich Bergwerk tödlich, 2013 erlag Wolf Silvester nach einem Unfall seinen Verletzungen. 2015 kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall im Streckenabschnitt Flugplatz, bei dem ein Fahrzeug in die Menge geschleudert wurde und ein Zuschauer ums Leben kam. In der Folge wurden umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt.

Elf Jahre später kam es nun wieder zu einem tödlichen Fahrerunfall im Rahmen eines Rennens auf der Nordschleife. „Meine Gedanken sind bei den Hinterbliebenen“, so Stippler, der wie der Euskirchener Philip Wiskirchen betont, dass Miettinen bei etwas gestorben sei, das er geliebt hat. Der Mechernicher Sven Oepen zeigte sich vom Tod Miettinens, mit dem er jahrelang in einer Klasse unterwegs gewesen war, betroffen: Das Geschehen mache erneut deutlich, wie gefährlich der Motorsport trotz aller Sicherheitsmaßnahmen am Ende bleibe. Die tragischen Ereignisse verdeutlichen einmal mehr die besondere Herausforderung der Strecke mit ihren Hochgeschwindigkeitsbereichen, engen Passagen und begrenzten Auslaufzonen – trotz moderner Sicherheitsstandards.

NLS5: Gemischte Ergebnisse für Fahrer aus dem Kreis Euskirchen

Der zweite Lauf am Sonntag wurde nach einer Schweigeminute gestartet. Fahrer aus dem Kreis Euskirchen sorgten für gemischte Ergebnisse.

Die Euskirchener Rennfahrerin Carrie Schreiner blickt auf ein schwieriges Wochenende zurück. Ihre NLS-Saison (die beiden 24h-Qualifiers-Rennen waren die Läufe 4 und 5) war bisher von Ausfällen geprägt. „Ich bin im Prinzip erst jetzt meine ersten richtigen Kilometer gefahren“, erklärte Schreiner. Mit Rang 30 im Gesamtklassement fuhr sie dennoch ein solides Ergebnis ein. „Ich bin einfach froh, dass wir das Wochenende einigermaßen gut überstanden haben“, so ihr Fazit.

Ein defekter Feuerlöscher wurde zum Problem für Sven Oepen

Für Sven Oepen begann das Wochenende ebenfalls turbulent. Ein Defekt am Feuerlöscher verhinderte im ersten Qualifying eine gewertete Runde, sodass er vom letzten Startplatz ins Rennen ging. Mit einer starken Anfangsphase und 29 gewonnenen Positionen in der ersten Runde setzte er jedoch am Samstag vor dem Abbruch ein Ausrufezeichen. Am Sonntag lief es deutlich besser: Von Startplatz zwei aus ins Rennen gegangen, fuhr der Mechernicher mit dem VW Golf 7 GTI TCR DSG souverän auf den zweiten Platz in der Klasse SP 3T und sammelte Erfahrung im neuen Fahrzeug.

Tobias Müller lehnt sich auf einen Spoiler und unterhält sich mit einem Mechaniker.

Hatte nach seinem Ausfall Zeit zum Plaudern: Tobias Müller (r.).

Weniger Glück hatte der Euskirchener Tobias Müller. Technische Probleme an der Benzinpumpe zwangen ihn am Rennsonntag, sein Fahrzeug frühzeitig in der Box abzustellen.

Zufrieden war Philip Wiskirchen mit dem zweiten Platz in der SP10-Klasse und dem Sieg in der Pro/Am-Unterkategorie. „Das ist eine gute Vorbereitung für das 24-Stunden-Rennen“, so Wiskirchen.

Grello-Fahrt von Christoph Breuer musste verschoben werden

Erfolgreichster Fahrer aus dem Kreis war Frank Stippler, der auf Gesamtplatz zwölf fuhr – der aber in der Klasse SP9 nur Rang elf bedeutet. Dennoch ist Stippler zufrieden. „Es ist alles planmäßig verlaufen. Wir konnten noch ein paar Testpunkte mit dem Evo-Modell abarbeiten. Wir haben mehr getestet, als dass wir Rennen gefahren sind“, so Stippler über den Ford Mustang. „Wir hoffen, dass wir beim 24-Stunden-Rennen ein besseres Auto als letztes Jahr haben.“

Anders als geplant verlief das Wochenende für den Nettersheimer Christoph Breuer. Er sollte im „Grello“, dem leuchtend-bunten Porsche von Manthey-Racing fahren. Doch wegen des Rennabbruchs am Samstag kam es nicht dazu. Am Sonntag verzichtete er zugunsten anderer Fahrer, die vor dem 24-Stunden-Rennen Kilometer im Porsche sammeln mussten. „Ich fahre ja bei Danny auf dem Lambo (gemeint ist der Lamborghini von Renazzo, Anm.).“ Dass er überhaupt im Grello Platz nehmen durfte, sei eine Ehre. „Geplant ist, dass ich dieses Jahr in dem Auto ein Rennen fahren darf“, so Breuer.